„Testfahrt mit Fahrlehrer würde ich begrüßen“ 

Was halten betagte Autofahrer von einem „Senioren-TÜV“? 

Alfred Helms ist täglich für viele Stunden mit dem Auto unterwegs und fühlt sich fit.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Sicherlich hat niemand vor, der älteren Generation die Mobilität zu nehmen. Aber der Ruf nach einem „Senioren-TÜV“ brandet wieder auf. Will heißen, dass sich Autofahrer ab einem bestimmten Alter, zum Beispiel ab 70 Jahren,regelmäßig einer Untersuchung sowie einem Fahr- und Reaktionstest unterziehen, um ihre Fahrtüchtigkeit zu überprüfen. Die Meinungen der Betroffenen gehen jedoch weit auseinander. Wir haben mit einigen betagten Autofahrern gesprochen.

Hermann Bokelmann (87)

„Die Forderung, dass Senioren eine erneute Fahrprüfung machen sollen, geistert schon seit einem Jahrzehnt durch die Medien. Der ADAC ist jedoch gegen eine verbindliche Überprüfung der Fahrtauglichkeit und setzt auf Freiwilligkeit“, so Hermann Bokelmann (87). Tatsache sei, dass die heutigen Senioren nicht nur älter würden, sondern auch länger fit blieben: „Und sie sind besonders im ländlichen Raum auf individuelle Beweglichkeit angewiesen.“ Bokelmann besitzt seinen Führerschein seit 1950. Er vertritt aber auch die Meinung, dass jeder ältere Mensch vom Arzt seinen Gesundheitszustand auf Fahrtüchtigkeit überprüfen lassen sollte: „Besonders Sehvermögen und Gehör, aber auch den Einfluss von Medikamenten. Eine Probefahrstunde bei einem Fahrlehrer wäre zu überlegen.“ Die vielfachen Angebote von Verkehrswacht und ADAC böten eine hilfreiche Entscheidungshilfe: „Die Freiwilligkeit sollte mehr genutzt werden, bevor es zu gesetzlichen Vorschriften kommt.“

Alfred Helms (86)

Alfred Helms (86) hat seinen Führerschein seit 1948. Er ist jedoch der Meinung, dass es jeder für sich entscheiden müsse, ob er eine Untersuchung nötig hat: „Ich fahre auch heute noch von morgens bis abends mit dem Auto. Es klappt noch alles wunderbar, und ich bin der Meinung, dass auch mein Reaktionsvermögen noch recht gut ist. Wenn etwas nicht mehr funktioniert, dann muss ich eben aufhören mit dem Autofahren.“ Sollte ein solches Gesetz jedoch in Kraft treten, dann müsse sich eben jeder daran halten: „Dann würde ich auch die Testfahrt mit einem Fahrlehrer nicht scheuen.“

Alfred Panschar (79)

Völlig anders sieht Alfred Panschar, der in wenigen Monaten 80 Jahre alt wird und seinen Führerschein seit 1955 hat, die Sache: „Ich würde es begrüßen, wenn es von Amtswegen vorgeschrieben würde, dass regelmäßig Überprüfungen vorgenommen werden müssen. Dazu müsste dann auch die angesprochene Testfahrt mit dem Fahrlehrer sowie ein Reaktionstest gehören.“ Jeder müsse immer wieder an sich arbeiten und sich selbst überprüfen: „Da würde auch ein Verkehrssicherheitstraining gute Dienste leisten.“

Für Panschar ist es jedoch Fakt, dass er sich immer wieder selbst hinterfragt: „Wenn ich merke, dass ich beim Autofahren irgendwelche Probleme bekomme, mich zum Beispiel nicht mehr richtig umdrehen könnte oder dergleichen, dann wäre mein nächster Gang zur Verkehrsbehörde, um den Führerschein abzugeben. Und genauso sollten alle Älteren reagieren, bevor es zu spät ist.“

Peter Hahn (78)

Von dem Gesetz, das Untersuchungen und Fahrtest vorschriebt, hält Peter Hahn (78) gar nichts: „Wenn ich merken würde, dass so etwas notwendig ist, weil ich Defizite habe, dann würde ich es auf freiwilliger Basis machen. Die Sicherheit im Verkehr muss schließlich Vorrang haben.“ Auch er überprüfe sich stets selbst: „Sollte sich etwas Gravierendes einstellen, dann würde ich umgehend den Führerschein abgeben.“

Der ADAC steht einem solchen Gesetz sehr kritisch gegenüber. „Wir halten nichts davon. Es gibt keine Statistik, die so etwas rechtfertigen würde“, erklärt Pressesprecher Andreas Hölzel. Die Senioren seien in Statistiken eher unauffällig: „Sicherlich steigen die Unfallzahlen bei den 75- bis 80-Jährigen etwas, aber die Fahrten werden deutlich weniger.“ Zudem würde eine Untersuchung nichts darüber aussagen, wie der körperliche Zustand zum Beispiel in einigen Monaten ist: „Es muss in der Eigenverantwortung eines jeden liegen, sich regelmäßig untersuchen zu lassen.“

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