Raubritter, Schlosskeller und Burgmühlen

„Geschichte im Rathaus“: Jörgen Welp über Burgen und Herrensitze im Landkreis

Im Rahmen der Reihe „Geschichte im Rathaus“ des Bürger- und Geschichtsvereins hatte Jörgen Welp Interessantes über die Burgen im Landkreis Oldenburg zu berichten. Es war der letzte Vortrag dieser Saison. - Foto: Nosthoff

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Burgen gab es einst auch im Landkreis Oldenburg. Berühmt und heute noch gut erkennbar ist zum Beispiel der Burghügel der Grafenburg in Wildeshausen. In der Vortragsreihe „Geschichte im Rathaus“ des Bürger- und Geschichtsvereins Wildeshausen zeigte am Mittwochabend im historischen Rathaussaal Jörgen Welp, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Oldenburger Landschaft, welche Herrschaften und Burgen es einst im Landkreis Oldenburg gab und welche Spuren davon bis heute erhalten sind.

So gab es im näheren Umkreis von Wildeshausen gleich drei bis heute berühmte Burgen: Die Burg Wildeshausen, die Welsburg bei Klattenhof in Dötlingen und das Harpstedter Schloss, aus dem der heutige Amtshof entstand. Anhand fotografierter Kupferstiche sowie aktueller Bilder der bis heute erhaltenen Spuren veranschaulichte Welp die einstige Beschaffenheit der Burgen für das Publikum.

Deutlich wurden schon anhand nur dieser drei Beispiele die Unterschiede zwischen den verschiedenen Burgtypen. „Die Burg Wildeshausen war eine Turmhügelburg – eine Motte“, erklärte Welp. Der Begriff „Motte“ kommt aus dem Französischen und bedeutet ganz einfach „Erdhaufen“. Eine andere ebenso zu Verteidigungszwecken geeignete Bauweise war dagegen die „Gräftenburg“. Auch die Welsburg und das Harpstedter Schloss gehörten zu diesem Burgtypus. „Die Außengräfte ist am Harpstedter Amtshof bis heute erhalten“, berichtete Welp.

Keine Strohdächer für Burgbauten

Anders als es allgemein üblich war, wurden für die Burggebäude keine Stroh- oder Reetdächer verwendet. „Burgherren konnten sich teure Dachziegel leisten, die zu Verteidigungszwecken gegen Brandgeschosse natürlich auch nötig waren“, so Welp.

Eine Besonderheit des Harpstedter Schlosses sei die Burgmühle am Eingang gewesen. „Das war für die Burgherren eine willkommene Einnahmequelle. So etwas kam durchaus häufiger vor“, erklärte Welp.

In den Gräftenburgen schützten die Wassergräben die Burgbewohner vor Eindringlingen. Dem Raubritter Graf Gerd half das jedoch wenig, als im Winter 1480 die Wassergräben um seine Welsburg zugefroren waren. Auf Betreiben des Bischofs von Münster eroberten und zerstörten die Bürger von Wildeshausen so den gefürchteten Raubrittersitz. Heute noch ranken sich viele Legenden um Graf Gerd.

In Harpstedt fand das Schloss ein weniger spektakuläres Ende. 1740 wurde es wegen Baufälligkeit abgerissen. Auf den Fundamenten errichtete man in den Jahren 1741 bis 1744 den Harpstedter Amtshof, der bis heute der Sitz der Gemeindeverwaltung ist. „Die Kellergebäude der alten Burg sind bis heute erhalten“ erklärte Welp und verriet, dass er sie schon einmal besichtigen durfte.

Mit den Standorten Wildeshausen, Dötlingen und Harpstedt erschöpfte sich Welps Vortrag allerdings noch lange nicht. Vielmehr wurde klar, dass die Herrschaftssitze im Landkreis Oldenburg einst

Von Leuchtenburg fehlt jede Spur

zahlreich waren, und dass es sich auch heute noch lohnt, sich auf eine spannende und abenteuerliche Spurensuche zu begeben. Berühmt sind unter anderem die Reste des Heidenwalls in Deltuhn sowie die Spuren der Wasserburg Elmeloh. Die Gutshäuser in Nutzhorn und Hude sind bis heute erhalten. Von der Leuchtenburg, die erwiesenermaßen in Hatten stand, fehlt dagegen noch jede Spur.

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