Mehr Befürworter nach der Kommunalwahl

Ratsmehrheit für Industriegebiet?

Soll dem Erdboden gleich gemacht werden: das Gelände eines ehemaligen Campingsplatzes.
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Soll dem Erdboden gleich gemacht werden: das Gelände eines ehemaligen Campingsplatzes.

Wildeshausen – Wer die Ergebnisse der Kommunalwahl in Wildeshausen rein nach Gewinnen und Verlusten der jeweiligen Parteien betrachtet, könnte zu dem Schluss kommen, dass die Befürworter eines Industriegebietes Wildeshausen-West an Stimmen gewonnen haben. Diese Betrachtung ist jedoch nur vordergründig.

Keine der im Wildeshauser Stadtrat vertretenen Parteien mag dem potenziellen Investor, der Nanz-Gruppe aus Stuttgart, einen Blanko-Scheck ausstellen.

Zunächst, da sind sich die Politiker einig, müsse der Entwurf eines städtebaulichen Vertrages zwischen der Stadt und dem Investor zur Einsichtnahme und Billigung vorliegen. Damit unmittelbar zusammen hängen die Aufstellung eines Bebauungsplanes und die Ausweisung von Ausgleichsflächen für die knapp 30 Hektar Waldfläche, die abgeholzt werden soll.

„Wir sehen das sehr kritisch“, sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Marko Bahr. Im Wahlkampf sei ihm von vielen Bürgern signalisiert worden, dass sie mit der Abholzung der Flächen nicht einverstanden seien. „Wir setzen uns zwar für ein Industriegebiet Wildeshausen-West ein, aber wir wollen da nicht nur einen riesigen Lastwagen-Stellplatz“, verdeutlicht Bahr, dass auf der Fläche genügend Areale für umsiedlungswillige Wildeshauser Firmen zur Verfügung gestellt werden müssen – und dass diese zu einem fairen Preis erhältlich sind.

Grüne gehen von unerschwinglichen Quadratmeterpreisen aus

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Klaus Schultze hatte bereits bei der Beratung des Flächennutzungsplanes orakelt, dass sich kein Wildeshauser Unternehmen die Quadratmeterpreise leisten könne oder wolle, wenn ein privater Investor die Erschließung des Gebietes übernimmt.

„Das rechnet sich alles nicht“, glaubt auch Rainer Kolloge (UWG), ebenfalls vehementer Gegner des Industriegebietes. Der Investor müsse beispielsweise für viel Geld für eine Abwasserreinigung sorgen. Und auch sonst glaube er, dass die Nanz-Gruppe sich von dem Projekt zurückziehen werde. Wenn die Stadt einen Bebauungsplan verabschiede, lande dieser vor Gericht, so Kolloge. Er glaube, dass die faunistischen Gutachten dort keinen Bestand haben würden.

„Wir haben schon vor zwei Jahren gesagt, dass uns dort ein Autohof zu wenig ist“, betont Jens-Peter Hennken von der CDW. Seine neue Fraktion habe das Thema noch nicht intensiv behandelt. Klar sei, dass man der hiesigen Wirtschaft Entwicklungschancen bieten wolle. Er würde es persönlich bevorzugen, wenn die Stadt das Gebiet zusammen mit dem Landkreis zu einem interkommunalen Industriegebiet entwickeln würde.

Auch die SPD hat klare Vorstellungen, was in dem Gebiet passieren soll. Dazu gehört das Konzept, das Areal möglichst klimafreundlich zu gestalten und Wildeshauser Betrieben attraktive Grundstücke zur Verfügung zu stellen. „Zunächst müssen wir den städtebaulichen Plan einsehen und beraten“, sagt Fraktionsvorsitzender Stephan Dieckmann.

Die Links-Partei positioniert sich klar gegen das Industriegebiet Wildeshausen-West. „Es handelt sich zum Teil um wertvollen Wald, den Verlust kann man nicht mit Ausgleichsmaßnahmen kompensieren“, so Kreszentia Flauger. „Einen Autohof brauchen wir dort nicht.“ Für umsiedlungswillige Betriebe aus Wildeshausen müsse man halt woanders Stellen finden.

Wolfgang Sasse (CDU) hatte in der Vergangenheit ebenfalls deutlich gemacht, dass man sich im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplanes um die Inhalte kümmern werde.

Die CDU steht auf dem Standpunkt, dass dringend Industrieflächen für die Entwicklung von Unternehmen zur Verfügung gestellt werden müssen – aber nicht um jeden Preis.

AfD für neues Industriegebiet an der Autobahn

Mit der AfD haben die Befürworter eines Industriegebietes an der Autobahn zwei neue Unterstützer im Rat. Die beiden Kandidaten äußern sich dazu zwar noch nicht öffentlich, aber Landtagsabgeordneter Harm Rykena verdeutlicht auf Nachfrage die Position der Partei, wie sie von der Kreistagsfraktion formuliert wird. „Die Verkehrssituation am Westring ist angespannt durch den Lieferverkehr“, stellt er fest. „Von daher wäre es sinnvoll, umsiedungswilligen Firmen Grundstücke in einem neuen Industriegebiet anbieten zu können.“ Der Waldbestand auf dem infrage kommenden Areal sei nicht so wertvoll. Deswegen könne man mit umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen für einen guten Ersatz sorgen.  

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