Was raten ehemalige Flüchtlinge den Asylbewerbern?

„Kulturen nicht vergessen, aber Tugenden annehmen“

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Souraya Debbeler (Mitte) mit ihren Töchtern Jasmin (links) und Melissa.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Bislang leben rund 500 Flüchtlinge in der Kreisstadt – Menschen, die aus Angst aus ihrem Land geflohen sind. Die Meinung darüber in der Bevölkerung ist unterschiedlich. Was aber ist für diese Menschen wichtig, wenn sie in der Stadt bleiben dürfen? Wir haben mit zwei Wildeshausern gesprochen, die mit ihren Familien als Kinder aus der Heimat geflohen sind.

Servet Zeyrek ist heute 41 Jahre alt und betreibt die Videothek an der Visbeker Straße. Als er knapp fünf Jahre alt war, ist er mit seinen Eltern und sieben Geschwistern aus der Türkei nach Wildeshausen gekommen: „Wir sind Aramäer, also Christen. Es war die pure Angst meiner Eltern vor Krieg und Terror, die sie veranlasst hat, zu fliehen.“

Eines aber habe der Vater seinen Kindern von Beginn an eingeprägt: Sie sollten sich anpassen. „Und genau das rate ich auch allen Flüchtlingen, die hierher kommen und bleiben. Keiner soll seine eigenen Kulturen vergessen, aber jeder sollte die deutschen Tugenden annehmen, dankbar sein und sich ebenfalls anpassen. Und das möglichst schnell“, betont Zeyrek.

Wer das beherzige, der könne hier ein sehr schönes Leben führen und mit den Menschen im Einklang leben. „Dazu gehört es auch, die deutsche Sprache zu lernen. Haben wir anfangs noch aramäisch gesprochen, so waren wir Kinder schon bald zum Deutschen gewechselt“, erzählt Zeyrek. Auch die Eltern hätten sehr schnell deutsch gesprochen: „Noch heute lästert mein Vater hin und wieder, dass wir dennoch unsere Muttersprache nicht ganz vergessen sollten.“

Zeyrek betont auch, dass der Glaube für jeden Menschen wichtig ist: „Allerdings sollte dieser stets in die friedliche und nicht die falsche Richtung gelenkt werden. Nur so ist hier ein vernünftiges Miteinander möglich. Ein solches Verhalten tut keinem weh.“

Wer den 41-Jährigen kennt, der weiß, dass er aus Erfahrung spricht: „Eben, genauso haben wir es stets gehalten. Nicht umsonst haben wir uns von Beginn an integriert gefühlt. Mein Vater hat fast vom ersten Tag an gearbeitet und auch uns immer wieder aufgezeigt, wie wichtig das ist.“

Souraya Debbeler (38) ist Krankenschwester am Krankenhaus Johanneum. Sie war neuneinhalb Jahre alt, als sie mit ihren Eltern und fünf Geschwistern aus Beirut im Libanon nach Deutschland gekommen ist. Sie weiß, was in den armen Menschen vorgeht, die jetzt zu uns kommen, denn sie kann sich noch an die eigene Flucht erinnern: „Meine Mutter war Syrerin und mein Vater ist Libanese. Seinerzeit haben wir immer wieder die Flucht aus dem Libanon ergriffen und sind zu den Großeltern nach Syrien geflohen.“ Dann aber habe der Vater, um die Kinder zu retten, entschieden, nach Deutschland zu gehen: „Er hat seine Textilgeschäfte verkauft, um Geld für die Tickets zu haben.“

Derzeit ist sie täglich damit beschäftigt, sich um die Flüchtlinge zu kümmern. „Natürlich kommt es in den Hallen auch zu Spannungen, da prallen unterschiedliche Kulturen aufeinander. Aber ich sage ihnen immer wieder, dass sie Geduld haben müssen.“ Auch Debbeler vertritt die Meinung, dass sich die Flüchtlinge möglichst schnell anpassen müssen, wenn sie hier leben wollen. Es sei immer ein Geben und Nehmen: „Wer hierher kommt und straffällig wird, dem muss unmissverständlich klar gemacht werden, dass er wieder in die Heimat muss.“ Zudem finde sie die neue Gesetzgebung gut, dass Abschiebung nun schneller möglich ist.

„Wichtig ist, dass diese Menschen, wenn sie anerkannt werden, schnell Arbeit suchen und finden. Ich weiß von den meisten, dass sie es auch wollen“, betont Debbeler. Allerdings lege sie großen Wert auf die Feststellung, dass sie beide Seiten verstehe: „Auch die Menschen, die Angst haben. Fakt ist jedoch, dass diese Flüchtlinge nicht hierher kommen, um Frauen zu belästigen oder zu klauen. Sie sind überaus froh und dankbar, wenn sie etwas zu essen und eine Unterkunft bekommen.“

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