Anne Gildehaus tut alles, um zu überleben

Verzicht auf Eierstöcke und Brustdrüsen: Radikale Schritte gegen Krebs

Tochter und Mutter: Anne Gildeshaus (l.) und Daniela Hartmann haben beide eine vererbliche Genmutation, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Krebs auslöst.
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Tochter und Mutter: Anne Gildehaus (l.) und Daniela Hartmann haben beide eine vererbliche Genmutation, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Krebs auslöst.

Wildeshausen – Anne Gildehaus aus Wildeshausen ist 33 Jahre alt. Sie hat sich vor wenigen Monaten mit Ermunterung ihrer Ärzte sowohl ihre Eierstöcke und Eileiter entnehmen als auch das komplette Brustdrüsengewebe entfernen lassen. Sie hat das getan, weil sie nicht an tödlichem Krebs erkranken will wie ihre 54-jährige Mutter Daniela Hartmann.

Diese sagt: „Ich bin nun sehr beruhigt, dass sie daran nicht sterben wird und ihr mein Leidensweg erspart bleibt.“

Viele Menschen, so Gildehaus, können ihren radikalen Schritt nicht verstehen, der verhindert, dass sie jemals eigene Kinder gebären kann, ihr vorzeitige Wechseljahre beschert hat und selbstverständlich die Nachwirkungen der Operation. Doch angesichts von fünf Krebsfällen in ihrer Familie gab es für die Wildeshauserin nach eigener Aussage eigentlich keine Alternative, denn nach einem Gen-Test von vor zehn Monaten weiß sie: „Ich hätte eine 60-prozentige Wahrscheinlichkeit gehabt in relativ jungen Jahren an Eierstockkrebs und eine fast 90-prozentige Wahrscheinlichkeit gehabt, an Brustkrebs zu erkranken – und das macht große Angst.“

Mutter Daniel Hartmann an Eierstockkrebs erkrankt

Vor fünf Jahren hat unsere Zeitung über Daniela Hartmann berichtet, die an der wohl tückischsten und gefährlichsten Krebsart von Frauen erkrankt war – dem Eierstockkrebs. Damals hatte sie die Hoffnung, zu überleben, weil sie krebsfrei operiert wurde und zwei Jahren lang tumorfrei war. Wenige Wochen nach dem Bericht brach der Krebs erneut aus. Hartmann wurde operiert, erkrankte später noch einmal und weiß heute, dass ihr zwar eine gewisse Lebenszeit bleibt, weil es mittlerweile sehr vielversprechende Therapieformen gibt, sie aber dennoch als unheilbar gilt.

Anne Gildehaus hat den Leidensweg ihrer Mutter sehr aufmerksam und nah begleitet. Sie beschlich schon früh der Verdacht, dass die Krebsfälle auf mütterlicher Seite (Mutter, Opa, Uroma) kein Zufall waren. „Als ich nach der zweiten Krebsdiagnose bei meiner Mutter eine Genuntersuchung beantragt habe, wurde mir erläutert, dass es nicht genügend Krebsfälle in der Familie gibt“, erinnert sie sich. Erst als bei ihrer Mutter das dritte Mal Krebs ausgebrochen war und sie in Berlin operiert wurde, gab es grünes Licht für eine humangenetische Untersuchung.

„Am 23. Februar 2021 habe ich das Ergebnis bekommen“, berichtet Gildehaus. Es war niederschmetternd: In ihrer Familie gibt es eine vererbliche Genmutation (BRCA1=Breast Cancer), die ein erhöhtes Risiko verursacht, an Brust- und Eierstockkrebs (bei Frauen) oder Darm- und Prostatakrebs (bei Männern) zu erkranken.

Aber nicht nur das: Frauen mit der erblichen Veranlagung erkranken deutlich früher, nämlich meist weit vor dem 50. Lebensjahr an Krebs.

Mittlerweile gibt es eine genetische Beratung

„Glücklicherweise wird mittlerweile unabhängig vom Alter bei männlicher Brustkrebserkrankung oder Eierstockkrebs eine genetische Beratung angeboten“, sagt Gildehaus. Immerhin könne man so früh gewarnt werden und sich für ein Früherkennungsprogramm oder operative Maßnahmen entscheiden.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Oldenburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Für Gildehaus stand mit Unterstützung ihres Mannes Patrick fest, dass sie einen radikalen Schritt gehen muss, zumal sie bisher auch schon lange gesundheitliche Probleme in dieser Richtung hatte. Im Juli lagen Mutter und Tochter dann gemeinsam im Pius Hospital Oldenburg. Bei der Tochter wurden Eierstöcke und die Brust entfernt und wieder aufgebaut, bei der Mutter die Brust – wobei ein Arzt bei der Mutter vorher noch eine Operation abgelehnt hatte, weil das sich bei der „schlechten Prognose“ für ein Weiterleben gar nicht mehr lohnt.

„Hätte ich von der gefährlichen Genmutation vorher gewusst, dann hätte ich genauso radikal gehandelt, wie Anne“, sagt Daniela Hartmann.

Mutter und Tochter hoffen, mit ihrer Offenheit Menschen zu sensibilisieren, wenn bei ihnen in der Familie viele Krebsdiagnosen gestellt werden. Dann, so meinen sie, ist es Zeit, eine Beratung anzunehmen und sich der Frage zu stellen, ob eine Genmutation vorliegt.

Hilfe und Austausch finden alle Betroffenen im Internet unter www.brca-netzwerk.de und bei der Deutschen Krebshilfe. Wer Fragen hat, kann sich per E-Mail auch direkt bei Anne Gildehaus unter a.hartmann1212@freenet.de melden.  

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