80 Menschen ziehen durch die Stadt

Querdenker-Demo in Wildeshausen

Einladung im Messengerdienst: Bei „Telegramm“ wird zum Spaziergang in Wildeshausen aufgerufen. Screenshot: WZ
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Einladung im Messengerdienst: Bei „Telegramm“ wird zum Spaziergang in Wildeshausen aufgerufen. Screenshot: WZ

Wildeshausen – In Wildeshausen hat es am Montag ab 18 Uhr eine nicht angemeldete Demonstration von Personen gegeben, die gegen Corona-Maßnahmen demonstrierten. Beobachter zählten 80 Personen, die mit Kerzen und Weihnachtslieder singend durch die Innenstadt zogen.

Die Polizei soll laut Augenzeugen erst eine Dreiviertelstunde nach dem Start aufgetaucht sein.

Das wird von der Polizeipressestelle bestätigt: „Wir sind erst spät in Kenntnis gesetzt worden“, so Ricarda von Seggern. Es sei eine Personengruppe mit Kerzen in den Händen durch die Innenstadt gelaufen, die gegen die Corona-Maßnahmen protestiert hätte. „Die Kollegen haben das als Spontan-Demonstration bewertet und keine Maßnahmen vor Ort getroffen“, so von Seggern. Es schließe sich aber noch eine Überprüfung an.

Aufruf zum Spaziergang beim Messengerdienst „Telegram“

Die Teilnehmer an dem sogenannten Spaziergang, zu dem nach Informationen unserer Redaktion offenbar ab dem 27. November über den Messengerdienst „Telegram“ aufgerufen worden war, hatten sich unter dem Motto „Jeden Montag 18 Uhr Rathaus Wildeshausen. Es reicht!“ versammelt. Sie sollen zu großen Teilen keinen Mund-Nasen-Schutz getragen und Abstandsgebote missachtet haben. Der Kreisverband der AfD berichtet auf der eigenen Internetseite, dass mehrere Mitglieder mit Schutzmaske an einem „Abendspaziergang gegen eine mögliche Impfpflicht und die als Gesundheitsschutz begründeten Grundrechtseinschränkungen“ teilgenommen hatten, der „vermutlich durch die Partei ,Die Basis"“ angemeldet worden war.

Offenbar hatten Anhänger von sogenannten antifaschistischen Gruppen kurzfristig von dem Treffen erfahren und versucht, den Spaziergang zu stören. In einem Bericht aus dieser Szene, der der Redaktion vorliegt, heißt es: „Zwei jüngere Aktive aus dem antifaschistischen Spektrum, die eine Fahne mit dem Symbol sowie dem Schriftzug ,Antifaschistische Aktion’ dabei hatten, begaben sich begleitet von Metal-Musik in die Menge der Kritiker von Hygienemaßnahmen und Impfkritikern. Da die Querdenker sich durch die Anwesenheit und die Musik gestört fühlten, machten sie ihrem Unmut relativ schnell durch die Androhung und letztliche Anwendung von physischer Gewalt sichtbar.“ Dem Vernehmen nach wurden Aktivisten zu Boden gestoßen.

AfD spricht von „linksextremen Störern“

Bei der AfD wird hingegen von „linksextremen Störern“ gesprochen, die mit einem Gettoblaster aufgetaucht seien. Es habe einen verbalen Schlagabtausch gegeben. Auf dem Video, das die Partei ins Netz gestellt hat, ist allerdings auch eine handgreifliche Auseinandersetzung zu sehen.

Die Demonstration soll sich singend in Richtung Alexanderkirche bewegt haben. Im Bereich vor der Markt-Apotheke, so Schilderungen von Beobachtern, soll ein bekannter Querdenker aus Oldenburg mit Gewalt versucht haben, einer mit dem Mobiltelefon filmenden Person das Handy aus der Hand zu schlagen. Das Gerät soll zu Boden gefallen sein. Als der Besitzer es wieder aufheben wollte, soll eine Frau in einem Auto direkt auf ihn zugefahren sein.

Diverse Scharmützel zwischen Teilnehmern und Gegnern

Auch vor der Kirche soll es zu Auseinandersetzungen zwischen den „Oh Tannenbaum“ singenden und später „Frieden, Freiheit, Demokratie“ rufenden Teilnehmern und Filmenden sowie Beobachtenden gekommen sein. Weitere Scharmützel hat es wohl auch auf der Hunte- und der Westerstraße gegeben. Die Versammlung soll sich dann zurück in Richtung Marktplatz bewegt haben – ab Westerstraße in Höhe Heiligenstraße in Polizeibegleitung. Die Beamten hätten die Versammlung auf dem Marktplatz zur Kenntnis genommen, nicht aber eingegriffen. Die Gruppe löste sich dann allmählich auf.

„Das gezeigte Verhalten reiht sich in ähnliche sogenannte Spaziergänge in der Region ein“, heißt es einer Einschätzung unter anderem des Wildeshauser Anti-AfD-Aktivisten Ralf Beduhn. „Auch ist auffallend gewesen, dass relativ viele Teilnehmende aus Oldenburg, Vechta und Cloppenburg angereist sein schienen. Dieses Mobilisierungsverhalten soll implizieren, dass viele Menschen aus Wildeshausen sich den Querdenken-Demonstrationen anschließen.“ Wildeshauser seien in dem Aufzug nur mit einem sehr geringen Anteil ausgemacht worden. Dafür seien aber Rechtsextreme aus dem überregionalen Umfeld entdeckt worden.  

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