Björn Haferkamp referiert über Digitalisierung

Männertalk: „Quality time“ statt endlose Stunden vorm Computer

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Die Männertalk-Organisatoren Bernd Lögering, Rudolf Boning, Matthias Goldberg, Bernd Orlik und Pastor Lars Löwensen (von links) hörten beim Vortrag von Referent Björn Haferkamp (rechts) genau zu. 

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Um die voranschreitende Digitalisierung und dadurch bedingte mögliche Veränderungen für die Rolle des Mannes in Familie, Gesellschaft und Beruf ging es am Sonnabend beim „Ökumenischen Männertalk“ im Reitersaal im „Hannoverschen Hof“ in Wildeshausen.

Nach dem gemütlichen Frühstück in der Gildestube referierte der gebürtige Wildeshauser Björn Haferkamp vor den 50 Gästen über das Thema „Der digitalisierte Mann. Gut leben in der vernetzten Welt!?“. Haferkamp ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Internet, Digitalisierung und Ethik an der Universität Bremen.

„Die Digitalisierung hält mehr und mehr in unserem Alltag Einzug – ob wir es nun wollen oder nicht“, stellte Haferkamp fest. Als einen maßgeblichen Grund dafür nannte er die in zunehmendem Maße selbsterklärende, intuitive Nutzung der technischen Geräte. Durch Touchscreens oder Sprachsteuerung werde die Kommunikation mit PC, Handy, Navigationsgerät und vielen anderen digitalen Systemen sogar für ganz junge und ganz alte Nutzer spielend einfach.

„Ich finde es durchaus gut und richtig, wenn Menschen dieser Entwicklung skeptisch gegenüberstehen“, meinte Haferkamp. Denn die Digitalisierung beinhalte Risiken. Davon seien bestimmte Charaktertypen betroffen, doch viele der oft jungen, technikbegeisterten Leute könnten gut mit der Zeit, die sie in der digitalen Welt verbringen, haushalten. Sie nutzen soziale Netzwerke, Computerspiele oder digitale Geräte als Freizeitbeschäftigung, verlören aber gleichzeitig die wichtigen Ziele im Leben wie Ausbildung, Beruf und Familie nicht aus den Augen.

Der Frage, wie viel Technik und Digitalisierung einem gut tut, sollten die Menschen sich im digitalen Zeitalter durchaus stellen, riet Haferkamp. Für bestimmte Charaktertypen bestehe durch fehlende zwischenmenschliche Interaktion das Risiko der Vereinzelung und der Abhängigkeit vom digitalen Medium.

„Rechnen oder sortieren können Maschinen einfach besser als wir“

Haferkamp warnte jedoch auch davor, die Entwicklung zu verteufeln, und beschrieb wie neue Errungenschaften in den verschiedensten Branchen gerade die Märkte erobern – ob nun einfach zur Zerstreuung, zur Optimierung von Arbeitsprozessen oder zur Vereinfachung des täglichen Lebens. Maßgebliche Veränderungen stünden im Berufsleben bevor. „Rechnen oder sortieren können Maschinen einfach besser als wir“, meinte Haferkamp. „Sinn schaffen, Sinn erläutern und Sinn aufzeigen“ sei jedoch ausschließlich den Menschen vorbehalten.

Im Privatleben böte die Digitalisierung Gelegenheit, sich neben der Nutzung der digitalen Systeme auf die Kultur und das menschliche Miteinander als höchstes gesellschaftliches Gut zurückzubesinnen. „Man sollte also genau das tun, was Sie heute machen: Sich zum Beispiel mal zum gemeinsamen Frühstück treffen“, meinte Haferkamp. „Quality time“ nannte der Uni-Mitarbeiter das, was der digitalisierte Mensch sich gönnen sollte: Zeit für sich, seine Familie, Nachbarn, Freunde und Kollegen. Für einen schönen Abend zu zweit, für ein Gespräch, für die Kindererziehung.

Letzteres deklarierte Haferkamp mit Bezug auf die Digitalisierung übrigens als ganz eigenes Thema. Denn einerseits sollten die Kinder vor Reizüberflutung und entwicklungsschädigenden Einflüssen beschützt werden. Andererseits könne man sie nicht einfach so in eine vernetzte Welt hineinwachsen lassen, ohne mit ihnen darüber zu reden und die entsprechenden Probleme zu thematisieren.

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