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Putenschlachterei Geestland stellt 50.000-Euro-Großspenden für Integration ein

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Von: Ove Bornholt

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Bei Geestland an der Düngstruper Straße in Wildeshausen arbeiten mehrere Tausend Menschen – viele davon aus Südosteuropa. Archiv
Bei Geestland an der Düngstruper Straße in Wildeshausen arbeiten mehrere Tausend Menschen – viele davon aus Südosteuropa. Archiv © dr

Wildeshausen – Zwei Jahre lang hat die Putenschlachterei Geestland in Wildeshausen der Stadt jeweils 50 000 Euro für Integrationsleistungen überwiesen. Damit ist Schluss, wie jetzt bekannt wurde. Das kommt nicht überall in der Politik gut an.

Anfang 2019 hatte Geestland-Geschäftsführer Norbert Deeken im Interview mit unserer Zeitung gesagt, die Firma bekenne sich zu ihrer sozialen Verantwortung. „Wir wollen einen Beitrag leisten zur Integration der bulgarischen Mitarbeiter.“ 2019 und 2020 flossen dann auch jeweils 50. 000 Euro als Spende an die Stadt, ab 2021 nicht mehr.

Er könne sich vorstellen, „langfristig und nachhaltig ein bestimmtes Budget pro Jahr bereitzustellen“, hatte Deeken 2019 noch gesagt. Dieser Ansatz hat sich aber offenbar nicht durchgesetzt, wie eine Nachfrage bei dem Unternehmen ergab. „Bei den freiwilligen Zahlungen handelt es sich um einmalige Zuschüsse für Integrationsprojekte, hinter denen kein Automatismus steckt. Über mögliche zukünftige Zuschüsse ist demnach noch nicht entschieden“, teilte eine Geestland-Sprecherin mit.

SPD

Aus der Politik gibt es Kritik, aber auch Verständnis für Geestlands Haltung. „Natürlich mag ich als Sozialdemokrat Unternehmen, die ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden“, sagt Stephan Dieckmann (SPD). Er verweist aber auch auf das Integrationskonzept, das gerade für Wildeshausen erstellt wird. „Da warten wir ab, wie sich Geestland als möglicher Akteur bei der Ausgestaltung beteiligt.“

CDU

Wolfgang Sasse (CDU) plädiert für eine „Politik mit Augenmaß“. Die Betreuung und die Löhne bei Geestland hätten sich in den vergangenen Jahren verbessert. Auf der anderen Seite würden „Menschen, die bewusst unser soziales Netz nutzen sowie nicht oder nur sehr wenig arbeiten, die Stadt belasten“. Deswegen schlägt er vor: „Die Einwohnerzahl der Stadt sollte sehr sorgsam geprüft und wahrscheinlich begrenzt werden.“

Grüne

Klaus Schultze (Grüne) sieht Geestlands Abkehr von jährlichen Zahlungen kritisch. „Daraus kann man schließen, dass sich die Firma von ihrer sozialen Verantwortung verabschiedet.“ Gleichwohl sei es wichtiger, dass das Unternehmen seine Geschäfte sauber betreibe, spielt er auf Steuerschlupflöcher und eine bessere Klärung der Abwässer an.

FDP

Marko Bahr (FDP) sieht hingegen schon eine „moralische Verpflichtung“ für Geestland, sich an den Integrationskosten zu beteiligen. Das sei gleichwohl allerdings keine „rechtliche Verpflichtung“. Er regt an, das Gespräch mit der Firma zu suchen.

CDW

Für Jens-Peter Hennken (CDW) ist Geestland ein „ganz normaler Arbeitgeber“, weil es keine Werkverträge mehr gäbe. Auch andere Betriebe in der Kreisstadt würden Arbeiter aus Bulgarien oder Rumänien beschäftigen. „Wenn die nicht zahlen, warum sollte sich Geestland dann verpflichtet fühlen?“ Viele der Angestellten wohnten zudem außerhalb und gar nicht in der Stadt. Kritik am Unternehmen sei „populistisch“.

UWG

Rainer Kolloge (UWG) berichtet von „konstruktiven Gesprächen“ mit der Geschäftsleitung. Geestland sehe die Schwierigkeiten und nehme sie ernst. Allerdings habe die Firma „wohl auch zurecht eingewandt, dass bei Weitem nicht alle in Wildeshausen lebenden Bulgaren und Rumänen bei Geestland beschäftigt sind“.

Nichtsdestotrotz wünscht sich Kolloge, dass sich die betroffenen Unternehmen stärker und dauerhaft einbringen. „Dies gilt ganz besonders im gegenwärtigen Zeitpunkt, da unklar ist, ob beispielsweise die Schulsozialarbeit angesichts der sich abzeichnenden sehr problematischen Haushaltslage der Stadt weiter finanziert werden kann.“

AfD

„Der AfD und uns als Ratsherren ist eine echte Integration von Menschen sehr wichtig, die in unserem Land einen Beitrag zum Wohlstand leisten. Echte Integration geht aber nur, wenn man die Bundesbürger durch zu viel Migration nicht überfordert und gezielte (Sprach)-Förderungen sowie Angebote für Kinder ermöglicht. Von diesem Gesichtspunkt her ist die Einstellung der Zahlungen der Firma Geestland sehr schade“, heißt es von Frank Voigt  (AfD) zu diesem Thema.

„Pro-Wildeshausen“

Günter Lübke („Pro-Wildeshausen“) erwartet, dass sich Arbeitgeber mit einem nennenswerten Anteil an Angestellten aus Südosteuropa dauerhaft an den Integrationskosten beteiligen. Das gehe aus dem Entwurf für das Integrationskonzept hervor. Ziel sei es, Betriebe zur Übernahme sozialer Verantwortung zu verpflichten.

Linke

„Einerseits profitiert Geestland davon, ausländische Arbeitskräfte als günstigen Produktionsfaktor zu nutzen, andererseits bürdet die Firma die Folgen und Kosten dieser Gewinnmaximierungsstrategie der Allgemeinheit auf. Das zeigt einmal mehr die gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit dieses Unternehmens“, kritisiert Kreszentia Flauger (Linke) den Konzern.

Und wie geht es weiter? „Der Verwaltungsausschuss hat im Zusammenhang mit der Sprachmittler-Thematik an Schulen beschlossen, weitere Gespräche mit Wildeshauser Unternehmen über Co-Finanzierungsmöglichkeiten zu führen“, teilte Thomas Eilers, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, mit. „Wir hatten dazu in der Vergangenheit schon verschiedene Gespräche geführt, werden das in Kürze aber nochmals angehen.“

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