Großer Ermittlungsaufwand vor Prozess um Einbruchsserie 

„Festnahme ist gründlich danebengegangen“

Cloppenburg/Wildeshausen/Harpstedt - Ein riesiger Ermittlungsaufwand – und dann Kollegen, die unbewusst den Erfolg zunichtemachen. In der Verhandlung um die Einbruchsserie mit 62 Tatorten im Nordwesten vor dem Oldenburger Landgericht hat der Ermittlungsführer der Soko „Türkette“ am Dienstag geschildert, was nötig war, um den beiden Angeklagten den Prozess zu machen. Sie verweigerten die Aussage.

„Es war die gleiche Begehungsweise, die uns alarmiert hat“, sagte der 57-jährige Kripobeamte aus Cloppenburg. Bei den ersten Einbrüchen Anfang September in Vechta, Langförden, Bakum, Goldenstedt, Löningen, Lastrup und Essen hätten die Täter von innen die Türketten vorgelegt, um nicht von den Bewohnern überrascht zu werden. Außerdem hätten Fußspuren übereingestimmt. Eine Funkzellenauswertung hätte drei unbekannte Handys ergeben, die sich zur Tatzeit kurz an den Tatorten eingeschaltet hätten.

Mit einer speziellen Software konnten die Telefone ohne Wissen der Nutzer angezapft und verfolgt werden. „Wir hatten aber noch keine Fotos“, so der Soko-Leiter. Nach den ersten Einbrüchen hatten die Täter in einem Fast-Food-Restaurant eine Pause gemacht. Ein Einsatzkommando hatte sie anhand ihrer Handydaten verfolgt und im Restaurant die Videos der Überwachungskameras beschlagnahmt. Die Täter hatten sich aber nicht filmen lassen.

„Plötzlich bewegten sich die Handys nach Wildeshausen, dann nach Harpstedt“, so der Zeuge. Dort wurden dann mehrere Einbrüche verübt. In Harpstedt hatte ein Bewohner die Täter überrascht und sich gewehrt. Der Hund des Mannes biss einen der Einbrecher. Der schwarze BMW der Bande fuhr dann nach Hannover zu einem Unterschlupf. Ein Mobiles Einsatzkommando machte dort Fotos von einigen der Täter und brachte am Fahrzeug einen Peilsender an. Dann suchten die Täter den Raum Wilhelmshaven auf, observiert von der Polizei. „Wir wollten zugreifen“, so der Soko-Leiter. Das Problem: Die Täter waren zu viert, aber nicht alle gleichzeitig im Auto. Die Soko wollte aber alle haben. Die Täter wechselten dann die Handys und machten Urlaub in Serbien.

„Uns war klar: Die Serie wird wieder aufgenommen“, so der Zeuge. Die beiden jetzigen Angeklagten waren die ersten, die aus dem Urlaub zurückkamen. Im Dezember starteten sie eine Einbruchsserie in Wolfsburg – und wurden festgenommen. „Diese Festnahme ist gründlich danebengegangen“, so der Soko-Leiter gestern. Denn er wollte alle vier Täter. Besonders schmerzhaft: Der Chef der Bande wurde nicht dingfest gemacht. Der war noch nicht einmal identifiziert. Die Cloppenburger Soko las dann die Facebook-Profile der Angeklagten aus. Unter „Freunde“ stand der Name des Chefs. Eine Überprüfung ergab: Dieser Mann war auch für eine Einbruchsserie 2014 in Wildeshausen verantwortlich.

Zurück zur aktuellen Serie: Die Soko hat das Navi des Täterfahrzeugs ausgelesen und zu jedem Tatort Daten gefunden. Dabei wurde festgestellt, dass es 17 Tatorte mehr gibt als in der Anklage. Diesbezüglich wird es eine Nachtragsanklage geben. 

wz

Rubriklistenbild: © dpa

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