Podiumsdiskussion in den BBS

AfD-Kandidat kritisiert fehlende Einladung

Vor der Diskussion: Jens Haar, Susanne Mittag, Christina-Johanne Schröder, Christian Dürr, Philip Albrecht, Christian Suhr, Claire Smith (v.l.).
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Vor der Diskussion: Jens Haar, Susanne Mittag, Christina-Johanne Schröder, Christian Dürr, Philip Albrecht, Christian Suhr, Claire Smith (v.l.).

Wildeshausen – Der Direktkandidat der AfD im Wahlkreis 28, Adam Golkontt, kritisiert, dass er nicht zur Podiumsdiskussion mit den Direktkandidaten des Wahlkreises 28 in den Berufsbildenden Schulen am 9. September eingeladen wurde.

AfD-Kandidat Adam Golkontt

„Der Schulleiter und die Lehrerin geben den Schülern der BBS ein schlechtes Vorbild“, so Golkontt. „Ich habe beide wegen der fehlenden Einladung angeschrieben. Schulleiter Haar antwortete mir, dass die Veranstaltung ‚im Rahmen eines Schülerprojektes durchgeführt‘ wurde. Die Verantwortung auf unerfahrene und anscheinend unzureichend informierte Schüler abzuwälzen, ist unethisch. Das Verhalten deutet auf fehlende Professionalität und mangelndes Demokratieverständnis hin.“ Wenn die Schüler tatsächlich nicht in Betracht gezogen hätten, ihn als Kandidaten der AfD einzuladen, dann hätte die Lehrkraft oder der Schulleiter aufgrund der öffentlichen Trägerschaft der Schule auf die Neutralitätspflicht hinweisen müssen, kritisiert Golkontt.

Artikel vom 9. September: Wem können die Wahlberechtigten aus dem Landkreis Oldenburg am 26. September die Stimme bei der Bundestagswahl geben und welche Positionen vertreten die Kandidaten? Rund 70 Schüler der Berufsbildenden Schulen in Wildeshausen haben dazu einen guten Einblick bekommen.

Dem BBS-Politikteam um Claire Smith war es gelungen, mit Philipp Albrecht (CDU), Christian Dürr (FDP), Susanne Mittag (SPD) Christina-Johanne Schröder (Grüne) und Christian Suhr (Linke) die Direktkandidaten von fünf Parteien zu einer Podiumsdiskussion einzuladen.

„Es hat Spaß gemacht“, bilanzierte Dürr nach einem eineinhalbstündigen sehr fair geführten Austausch, in dem durchaus unterschiedliche Positionen deutlich wurden.

„Für viele unserer Schüler ist das kostbare Grundrecht, wählen gehen zu dürfen, in diesem Jahr neu“, betonte Schulleiter Jens Haar. „Wir wollen mit dieser Veranstaltung den Demokratisierungsprozess unterstützen.“

„Demokratie ist nicht selbstverständlich, braucht Übung und Unterstützung“, ergänzte Smith mit Blick auf die Kommunal- und die Bundestagswahl. „Die meisten jungen Menschen hier haben das Glück, in diesem Monat gleich zweimal wählen zu dürfen. Wir würden uns freuen, wenn diese Veranstaltung ein Zeichen setzen kann.“

Themenschwerpunkte Mobilität und Klima, Bauen und Wohnen, Arbeitsmarkt sowie Pflege und Soziales

Das tat sie durchaus – schon deshalb, weil sich alle Politiker nicht in Allgemeinplätzen verloren, sondern durchaus an der Lebenssituation der jungen Menschen orientierten. Die Schüler hatten als Themenschwerpunkte Mobilität und Klima, Bauen und Wohnen, Arbeitsmarkt sowie Pflege und Soziales gesetzt.

Was das Thema Mobilität betrifft, musste sich Schröder schnell die Frage gefallen lassen, ob die Grünen Verbote planen. Die Kandidatin versuchte zu verdeutlichen, dass ihre Partei vielmehr ein neues Mobilitätskonzept mit einem Verkehrsmix anstrebt. Dazu gehörten Car-Sharing, E-Bikes, der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und die Nutzung von Fahrzeugen, die durch Strom oder Wasserstoff angetrieben werden.

Albrecht stimmte dem zu, setzt jedoch auf den Wettbewerb der Technologien, um die Weichen stellen zu können. Der Individualverkehr müsse weiter möglich sein, denn „wir können nicht jede Mülltonne an einen Fünf-Minuten-Takt beim ÖPNV anbinden“.

Dürr sprach sich dafür aus, auch synthetischen Kraftstoff zu nutzen, der CO2-neutral hergestellt werde.

„Alles, was Kraft braucht“, so Mittag mit Blick auf Laster, Trecker oder Eisenbahn, „wird in Zukunft mit Wasserstoff fahren. Bei kurzen Wegen ist die E-Mobilität sinnvoll.“ Suhr sprach sich für autofreie Innenstädte und deutlich vergünstigten Nahverkehr aus. „Man muss Angebote schaffen, damit Nachfrage entsteht“, so der Linke.

Dürr und Albrecht legten Wert darauf, auch in Zukunft mehr Bauplätze auszuweisen, während sich Schröder, Suhr und Mittag dafür aussprachen, den kommunalen oder genossenschaftlichen Wohnbau zu stärken. Suhr setzte sich dafür ein, auf Bundesebene einen Mietendeckel einzusetzen.

Einig waren sich die Politiker, dass öffentliche Verwaltung noch serviceorientierter werden muss und es für junge Menschen mit Sicherheit dort genügend Arbeitsplätze geben wird.

Bei der Frage, wie die Pflege besser organisiert werden kann und dort die Löhne steigen, setzten alle Politiker darauf, dass das über Tarifverträge geregelt werden sollte. „Zudem müssen kleine und mittlere Einkommen steuerlich entlastet werden“, so Dürr. „Wir brauchen auch gezielte Einwanderung, um der demografischen Krise zu begegnen.“ Linken-Politiker Suhr erklärte, dass Tarifverträge zwar wichtig seien, aber als alleinige Maßnahme keine Lösung sein können. „Pflegepersonal wird die anvertrauten Patienten nicht einfach liegen lassen, um streiken zu können. Arbeitskampf ist hier kaum möglich, wenn einem das Wohl der Mitmenschen anvertraut wurde. Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein stehen dem Arbeitskampf entgegen.“ Er sprach sich dafür aus, Krankenhäuser zu rekommunalisieren. „Da, wo Profit aus der Not geschlagen wird, muss sich der Staat schützend davorstellen“, betonte er.

Der Diskussion schloss sich eine Schnellfragerunde an, bei der alle Politiker nur mit Ja und Nein antworten durften. Einig waren sich alle: Jeder sollte zu den Wahlen gehen, „Wenn man nicht wählt, darf man sich nicht beschweren, wenn nachher die Falschen gewinnen“, brachte es Albrecht auf den Punkt. Und jeder Kandidat hielt natürlich das eigene Wahlprogramm für das Beste.  

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