Kreisaltenheim richtet Ecke des Gedenkens her

Ein Platz der Trauer im Bauerngarten

Pastorin Silvia Duch segnet die Trauerecke im Bauerngarten. - Foto: dr

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Wie gehe ich mit der Trauer von alten Menschen um, wenn sie in einer Senioreneinrichtung leben? Während das früher oft an den Rand gedrängt oder gar nicht wahrgenommen wurde, gehen die Betreuer mittlerweile viel offener damit um. Im Kreisaltenheim wurde am Freitag gezielt eine Trauerecke im Bauerngarten eingerichtet.

„Im Altenpflegeheim erleben ältere Menschen zwangsläufig immer wieder, dass oftmals langjährige Mitbewohner sterben. Gerade, wenn eine Freundschaft bestand, ist der Verlust besonders hart“, sagt Christiane Bock, Leiterin des Kreisaltenheims an der Goldenstedter Straße. Im Team habe man deshalb die Idee einer Trauerecke entwickelt.

Nach dem traditionellen Gottesdienst segnete Pastorin Silvia Duch den Bereich im Garten des Heims, der barrierefrei zu erreichen ist. „Wir stehen unter dem Kreuz als gesegnet“, so die Pastorin. „Im Kreuz spiegelt sich das Leid und der Segen.“ Allerdings ist das Kreuz in der Trauerecke ganz bewusst klein gehalten, denn der Platz soll Menschen aller Konfessionen als Anlaufstelle dienen. Während katholische und evangelische Christen ebenso wie Mitglieder der Neuapostolischen Kirche mit dem Kreuz keine Probleme haben dürften, sehen Jehovas Zeugen darin ein heidnisches Symbol. Im Heim leben zudem auch russisch-orthodoxe Christen, und natürlich ist es auch denkbar, dass eines Tages Muslime die Trauerecke nutzen wollen.

„Es geht hier auch nicht nur um den Tod“, sagt Bock. „Die Menschen können ganz andere Dinge betrauern.“ Viele der alten Bewohner seien erst in die Einrichtung gezogen, nachdem sie ihren Partner, Haus, Kinder oder Beruf verloren hatten. In Zukunft soll es möglich sein, in der Trauerecke bunt bemalte oder beschriftete Steine abzulegen.

Pastorin Duch zeigte sich erfreut über die Einrichtung des Bereichs. „Das ist das erste Mal, dass ich so etwas in einem Seniorenheim sehe“, sagte sie. Sie mache die Erfahrung, dass viele alte Menschen nicht mehr in der Lage seien, den Friedhof zu besuchen, weil die Anlagen dort oft nicht barrierefrei seien.

„Zudem wohnen Angehörige oft weit weg und können ihre betagten Verwandten nicht über längere Strecken mitnehmen“, so Bock. Immerhin gebe es nun die Möglichkeit, seine Trauer ganz in der Nähe auszuleben. Mit dem Sommer soll der Platz auch noch einladender werden. „Wir säen hier Sonnenblumen. Dann wird das richtig schön“, kündigte die Einrichtungsleiterin an.

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