Flecken befürchtet Kaufkraftabfluss von mehr als zehn Prozent

Plan für Aldi-Ausbau stößt in Harpstedt auf Widerstand

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Das Aldi-Gebäude an der Harpstedter Straße soll abgerissen werden. Die Verkaufsfläche steigt auf 1 200 Quadratmeter.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Der Aldi-Markt an der Harpstedter Straße in Wildeshausen soll deutlich von 800 auf 1 200 Quadratmeter erweitert werden. Da das mit dem aktuellen Bebauungsplan nicht vereinbar ist, müssen die neuen Entwürfe mit den Trägern öffentlicher Belange abgestimmt werden. Dabei zeigt sich, dass der Flecken Harpstedt gar nicht einverstanden ist und auf eine Abstimmungspflicht hinweist.

Harpstedt erwartet einen Kaufkraftabfluss von mehr als zehn Prozent, wenn nicht nur der Aldi erweitert, sondern auch der Rewe am Huntetor mit deutlich größerer Fläche neu gebaut wird.

Wildeshausen weist Harpstedts Bedenken zurück

Die Stadt Wildeshausen hingegen teilt diese Bedenken nicht und weist sie zurück. Gegenstand des derzeitigen Verfahrens sei ausschließlich der geplante Aldi an der Harpstedter Straße, heißt es in der Stellungnahme im Rahmen der Bebauungsplanänderung. Aber selbst die Prüfung von vier Vorhaben (Aldi, Netto, Lidl und Rewe), die alle eine deutliche Verkaufsflächenvergrößerung beinhalten, habe im Jahr 2015 gezeigt, dass die Wirkungen auf Standortlagen unmittelbar außerhalb von Wildeshausen unterhalb der Spürbarkeitsschwelle von zwei Prozent liegen.

Da weder Rewe noch Lidl derzeit ihre Planungen umsetzen, würden diese Auswirkungen auch erst später marktwirksam, so die Gutachter des von der Stadt beauftragten Büros Dr. Lademann und Partner aus Hamburg. Zu jenem Zeitpunkt würden dann zugleich wesentliche Einwohnerzuwächse erwartbar sein.

In Harpstedt ist das Einzelhandelsangebot recht groß.

Der neue Aldi-Markt, der frühestens 2018 fertiggestellt werden kann, soll über eine breite Produktpalette verfügen. Diese besteht hauptsächlich aus Eigenmarken, Frisch- und Backwaren, abgepackten Fleischprodukten und Tiefkühlware. Auch Drogerieartikel und Getränke werden angeboten. Der Baukörper soll in konventioneller Bauweise errichtet werden, auf das Flachdach kommt eine Fotovoltaikanlage zur Selbstversorgung.

Experten sehen Harpstedt für die Zukunft gut aufgestellt

Die Gutachter gehen davon aus, dass der neue Markt einen Mehrumsatz von maximal 1,8 Millionen Euro jährlich erwirtschaftet. Höchstens 200.000 Euro sollen gegen andere Standortlagen, zum Beispiel Harpstedt, eingenommen werden. Gleichzeitig weisen die Gutachter darauf hin, dass in Harpstedt die Anbieter Lidl, Netto, Inkoop und Aldi schon jetzt davon profitieren, dass sie alle recht nahe beieinander sind und mit weiteren Anbietern die Einwohner aus dem gesamten Samtgemeindegebiet ansprechen. Zudem plant Aldi am Standort Harpstedt ebenfalls, sich deutlich zu erweitern. Es ist nach Ansicht der Experten auch auf weitere Planvorhaben des Lebensmitteleinzelhandels in Harpstedt hinzuweisen, sodass der Flecken auch in Zukunft sehr gut aufgestellt sein dürfte.

Der Ausschuss für Stadtplanung, Bau und Umwelt von Wildeshausen wird bei seiner Sitzung am Dienstag, 23. Mai, wohl auch berücksichtigen, dass der neue Aldi-Markt mindestens 90 Prozent seines Umsatzes mit Bewohnern aus der Stadt Wildeshausen macht. Das sind 5,3 Millionen Euro.

„Der Umsatzschwerpunkt des Einzelhändlers lässt sich durch die Nähe zu den Verbrauchern begründen“, so die Gutachter. Zwar sei im Stadtgebiet ein weiterer Aldi-Markt, der weise aber signifikante Defizite aus, sodass auch aus dem westlichen Stadtgebiet aldi-affine Kunden von dem Markt an der Harpstedter Straße angesprochen werden.

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