Fachkräftemangel in der Pflege

Pflegeunternehmen Norle stellt ambulante Touren in Wildeshausen, Dötlingen und Großenkneten ein

Enttäuscht: Geschäftsführerin Melanie Uhl hätte die ambulanten Touren gerne weiterhin angeboten.
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Enttäuscht: Geschäftsführerin Melanie Uhl hätte die ambulanten Touren gerne weiterhin angeboten.

Zu wenig Fachkräfte: Die Pflege-GmbH Norle stellt die ambulanten Touren in Wildeshausen, Dötlingen und Großenkneten ein. Ein Schock für die Klienten.

Wegen des zunehmenden Fachkräftemangels in der Pflege stellt die Norle ihre ambulanten Touren zum Ende des Monats ein. Das teilte Geschäftsführerin Melanie Uhl am Montag in Wildeshausen mit. Sie hatte zu einem Pressetermin eingeladen, um Gerüchten zu widersprechen, die gemeinnützige GmbH habe finanzielle Probleme.

Die Norle (kurz für Normal Leben) wurde 1995 gegründet, um Familien mit behinderten Angehörigen zu entlasten. Inzwischen betreuen etwa 180 Mitarbeiter rund 600 Menschen in den Landkreisen Oldenburg, Ammerland, Cloppenburg, Vechta und Wesermarsch sowie in den Städten Delmenhorst und Oldenburg. Im Rahmen der ambulanten Hilfen werden zum Beispiel Wohngruppen begleitet.

Kunden reagieren geschockt

Allerdings entfallen nun die ambulanten Touren in den Gemeinden Großenkneten und Dötlingen sowie der Stadt Wildeshausen. Betroffen seien rund 20 Personen, sagte Uhl. „Sie haben geschockt reagiert, als wir ihnen die Kündigung mitgeteilt haben.“ Es seien auch Tränen geflossen. Zum Teil wurden die Klienten über Jahre betreut.

Einen Service, den die Norle gerne weiterhin angeboten hätte und für den es offenbar auch eine Nachfrage gibt. „Jeder kann mal in die Situation geraten, dass er Hilfe braucht“, sagt Uhl. Die Mitarbeiter hätten jungen und alten Menschen dabei geholfen, den Alltag zu bewältigen. Zum Beispiel, in dem beim Frühstück und Duschen oder dem Anziehen von Kompressionsstrümpfen geholfen wurde. „Viele Angehörige arbeiten ja auch“, erklärt sie, warum die Unterstützung manchmal nötig ist.

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Aber leider seien durch Arbeitsplatzwechsel und Rentenantritt nur noch drei qualifizierte Mitarbeiter für die ambulante Pflege übrig gewesen. Das reiche nicht. Schweren Herzens habe man sich Anfang Juli dazu entschlossen, den Service künftig zu streichen. Vorher waren die Touren bereits einmal reduziert worden.

Große Nachwuchsprobleme

Die Fahrten seien angesichts des von den Krankenkassen gezahlten Streckengeldes, das zum Teil nicht einmal die Benzinkosten abdecke, sowieso partiell unwirtschaftlich gewesen. Für Uhl ist aber auch klar, dass es ein großes Nachwuchsproblem in der Pflege gibt. „Es kommen keine Jungen mehr nach“, klagt sie. Bewerber seien oft älter als 50 Jahre, während gerade ausgelernte Kräfte zum Beispiel ins Gesundheitsmanagement gehen würden. „Die Pflege ist zwar ein toller Beruf, aber in der Öffentlichkeit nicht sonderlich attraktiv“, stellt Uhl nüchtern fest.

Die Norle suche weiterhin gezielt nach Fachkräften, um die ambulanten Touren irgendwann wieder aufzunehmen. Doch wann das sein wird, steht noch in den Sternen. Zumal in den anderen Tätigkeitsfeldern, die personell noch gut abgedeckt seien, auch viele Mitarbeiter vor der Rente stünden. Es werde abzuwarten sein, ob genug Junge nachkommen werden, so Uhl.

Eine gute Nachricht hatte sie dann aber immerhin noch: Von den 20 betroffenen Klienten haben alle bis auf eine vierköpfige Wohngemeinschaft in Großenkneten einen anderen Anbieter gefunden. Und an den Gerüchten über finanzielle Probleme der Norle sei einfach nichts dran. „Die Betreuten machen sich deswegen schon Sorgen“, erklärte Uhl, warum sie den Pressetermin angesetzt hatte.

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