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Heime müssen Sätze anpassen: Pflegekosten bedrohen Bewohner

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Von: Dierk Rohdenburg

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Die Kosten steigen: Die Pflegebedürften in Heimen müssen deutlich mehr zahlen.
Die Kosten steigen: Die Pflegebedürften in Heimen müssen deutlich mehr zahlen. © dpa

Die Zuzahlung für die Pflege im Heim steigt derzeit deutlich. Das bemerken Betroffene im Landkreis Oldenburg aktuell mit voller Wucht – und einige müssen deshalb in großer Not Sozialhilfeanträge stellen.

Wildeshausen –Zuzahlungen von jenseits der 2.000 Euro monatlich für einen Heimplatz dürften kreisweit bald keine Seltenheit mehr sein. Diese finanzielle Belastungen kommen auf Pflegebedürftige in Heimen zu, weil gleich drei Faktoren die Betreuung verteuern: steigende Lebensmittelpreise und Energiekosten sowie die ab dem 1. September vorgeschriebene Entlohnung von Pflegepersonal mindestens auf Tarifniveau.

Beim Amt für Teilhabe und Soziale Sicherung im Kreishaus landen seit geraumer Zeit mehr Anträge auf Sozialhilfe von verzweifelten Menschen oder deren Angehörigen, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Betreuung in einer Einrichtung bezahlen sollen. Gleichzeitig, so bestätigt es der Bezirksverband Oldenburg, melden sich viele Einrichtungen, die mit den aktuellen Pflegesätzen nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können.

Steigende Anzahl von Anträgen

„Der Landkreis Oldenburg zahlt Hilfe zur Pflege aus, wenn die Bedürftigkeit festgestellt wurde“, erläutert Dirk Reinke auf Nachfrage. Das Amt für Teilhabe und Soziale Sicherung verzeichne eine steigende Zahl an Anträgen von Menschen, die ihren Heimplatz nicht mehr aus eigenen Mitteln bezahlen können. Er rechne zudem damit, dass es noch deutlich mehr werden. „Das kommt ein wenig verzögert bei uns an“, so Reinke.

Bevor der Landkreis eigenes Geld für die jeweils Bedürftigen an die Einrichtungen überweist, sind eingehende Prüfungen nötig. Unterstützt wird nämlich nur, wer nicht mehr über eigene Ersparnisse oder Werte wie Schmuck oder Immobilien verfügt. All das muss vorher versilbert und für das Heim eingesetzt werden.

Ein Pflegeplatz kostet je nach Einrichtung schnell mehr als 3.500 Euro. Die Pflegekassen beteiligen sich mit Summen, die sich am Pflegegrad ausrichten. In Stufe 1 werden laut Aufstellung des Bezirksverbandes 125 Euro monatlich gezahlt, bei Stufe 2.770 Euro, bei Stufe 3 1.262 Euro, bei Stufe 4 1 775 Euro und bei Stufe 5 2.005 Euro. Auf die Bewohner der Heime kommen also schnell Eigenkosten von mehr als 1.000 Euro zu. Und wenn dann der Pflegesatz eines Heimes aufgrund der gestiegenen Kosten deutlich ansteigt, wächst die Belastung zum Teil extrem.

Kostensteigerungen bis zu 30 Prozent

Bei den Pflegesatzverhandlungen gab es nach Angaben von Reinke in der jüngeren Vergangenheit Kostensteigerungen von zehn bis maximal 30 Prozent. Das kann für Bewohner bedeuten, dass sie auf einen Schlag mehrere Hundert Euro mehr im Monat aus der eigenen Tasche bezahlen müssen.

„In diesem Jahr wurden bei einer Anzahl von 24 vollstationären Pflegeeinrichtungen im Landkreis Oldenburg 19 Pflegesatzverhandlungen abgeschlossen“, bestätigt Michael Löning, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Bezirksverband Oldenburg, bei dem die Pflegesatzstelle angesiedelt ist. „Aufgrund der besonderen Situation im Hinblick auf die steigenden Sachkosten und der Tarifbindungspflicht ist noch mit weiteren Verhandlungen, auch im Hinblick auf bereits geschlossene Vereinbarungen, zu rechnen“, kündigt Löning an. Durchschnittliche Steigerungsraten könne man derzeit nicht nennen. Sie wären wenig aussagekräftig. „Dieser Umstand ist der jeweiligen Individualität der Einrichtung geschuldet und hängt maßgeblich davon ab, ob und in weit bereits in der Vergangenheit in Annäherung an tariflichen Strukturen vergütet wurde. Das gleich gilt auch für die Angabe von Kosten eines durchschnittlichen Pflegeplatz, hier bleibt die Umsetzung der Tariftreueregelung abzuwarten, so dass erst im kommenden Jahr verlässliche Zahlen ermittelt werden können.“

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