Vortrag in Wildeshausen

Pfarrer Peter Kossen: „Ich fordere Menschenwürde“

Um die Fleischindustrie geht es bei der vom Kulturkreis Wildeshausen organisierten Veranstaltung.
+
Um die Fleischindustrie geht es bei der vom Kulturkreis Wildeshausen organisierten Veranstaltung.

Der Kulturkreis Wildeshausen beschäftigt sich mit der Fleischindustrie und hat dazu mit Pfarrer Peter Kossen einen bekannten Kritiker eingeladen.

Mit Peter Kossen kommt am Freitag, 3. September, ab 20 Uhr auf Einladung des Kulturkreises ein durchaus streitbares Mitglied der Priesterzunft in die Kreismusikschule in Wildeshausen. Dort will der geistliche Sozialaktivist über „Moderne Sklaverei in der Parallelwelt einer sozialen Marktwirtschaft“ reden, so der Titel seines Vortrags. Im Interview berichtet Kossen, was er von der Fleischindustrie fordert, welche Erfahrungen er mit Arbeitern gemacht hat und was die Zuhörer erwarten dürfen.

Herr Kossen, Sie kritisieren ja schon seit Jahren den Umgang mit Werkvertragsarbeitern in der Fleischindustrie. Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihren Augen verbessert?

Verbessert hat sich die Sensibilität in der Öffentlichkeit und in der Politik für die gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit den Arbeitsmigranten in der Fleischindustrie, in der Logistik (LKW-Fahrer, Paketdienste), in der Gebäudereinigung oder auf dem Bau. Verbessert hat sich auch die Gesetzeslage: Allerdings ist ein Gesetz wie das „Arbeitnehmerschutzgesetz“ nur so gut, wie es durchgesetzt wird.

Was fordern Sie von der Fleischindustrie ein?

Gemeinsam mit vielen anderen fordere ich von der Fleischindustrie Menschenwürde und Gerechtigkeit im Umgang mit den Arbeiterinnen und Arbeitern. Das heißt zum Beispiel: gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort. Es gibt keine Rechtfertigung für das Aushebeln von Arbeitnehmer-Schutzrechten durch Werkvertrags- und Leiharbeit, die ja bisher nur in Schlachtung und Zerlegung verboten oder eingeschränkt sind, nicht in der Gebäudereinigung oder der Logistik der Fleischindustrie und auch nicht bei den Ausstallkolonnen. Wir fordern Verantwortungsübernahme für die Integration der Arbeitsmigranten. Dazu gehören bezahlbare, menschenwürdige Wohnungen, Sprachkurse, Unterstützung von Kindergärten und Schulen.

Peter Kossen

Die Firma Geestland in Wildeshausen ist Ihnen wahrscheinlich bekannt. Stehen Sie im Dialog mit dem Unternehmen beziehungsweise mit der übergeordneten PHW-Gruppe? Oder mit der Firma Heidemark in Ahlhorn?

Wir stehen zurzeit weder im Dialog mit den Firmenleitungen bei PHW oder Heidemark.

Sind Ihnen menschenunwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen bei Geestland in Wildeshausen oder bei Heidemark in Ahlhorn bekannt?

Aus zahlreichen Gesprächen mit Menschen, die Arbeitsmigranten juristisch und medizinisch beraten, weiß ich, dass Ausbeutung und Abzocke immer noch an der Tagesordnung sind. Da hat sich nichts zum Guten verändert. Jede Gesetzeslücke wird ausgenutzt, um die moderne Sklaverei fortführen zu können. Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter einer Reinigungskolonne auf einem Großschlachthof in Ahlhorn kommt in die medizinische Sprechstunde: Er arbeitet elf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, und er kann nicht sagen, wie lange er das schon machen muss. Das ist kein Einzelfall, das hat Struktur in Ahlhorn, Wildeshausen und anderen Orten.

Was dürfen die Zuhörer Ihres Vortrages von dem Termin erwarten?

Ich werde die Strukturen moderner Sklaverei aufzeigen, wie sie vor Ort und an vielen Stellen in unserer sozialen Marktwirtschaft funktionieren. Manches davon wird man mit Blick auf Wildeshausen und Ahlhorn vermutlich deutlich wiedererkennen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Meistgelesene Artikel

Mit 600 PS: 22-Jähriger rammt Sattelzug – Fünf Verletzte auf A1 bei Wildeshausen

Mit 600 PS: 22-Jähriger rammt Sattelzug – Fünf Verletzte auf A1 bei Wildeshausen

Mit 600 PS: 22-Jähriger rammt Sattelzug – Fünf Verletzte auf A1 bei Wildeshausen
Kind in Wildeshausen angefahren: Fahrer oder Fahrerin flüchtet

Kind in Wildeshausen angefahren: Fahrer oder Fahrerin flüchtet

Kind in Wildeshausen angefahren: Fahrer oder Fahrerin flüchtet
Corona: Keine 3G-Pflicht mehr im Landkreis Oldenburg

Corona: Keine 3G-Pflicht mehr im Landkreis Oldenburg

Corona: Keine 3G-Pflicht mehr im Landkreis Oldenburg
Veranstalter sagen beliebte Großveranstaltung ab

Veranstalter sagen beliebte Großveranstaltung ab

Veranstalter sagen beliebte Großveranstaltung ab

Kommentare