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Pfadfinder und AfD: Wie passt das zusammen?

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Von: Ove Bornholt

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Der Begriff Pfadfinder ist rechtlich nicht geschützt.
Der Begriff Pfadfinder ist rechtlich nicht geschützt. © Patrick Seeger/dpa

Kann man eine Pfadfindergruppe leiten und sich gleichzeitig für die AfD engagieren? Und sollte das den Eltern gegenüber transparent gemacht werden?

Wildeshausen/Goldenstedt – Muss der Leiter einer Pfadfindergruppe deutlich machen, dass er in der AfD aktiv ist? „Ja“, sagt eine Mutter aus dem Umland Wildeshausens (Name ist der Redaktion bekannt). Sie bezieht sich auf die Veröffentlichung einer Pressemitteilung der „Christlichen Freien Pfadfinderschaft – Stamm Südburg in Wildeshausen, Visbek und Goldenstedt“, in der Mitglieder gesucht werden.

„Leider ist weder im Artikel noch auf der Pfadfinder-Homepage ersichtlich, dass es sich bei der Leitung des Ganzen um den aktiven AfD-Politiker Ralf Fennig handelt. Eltern, die ihre Kinder anderen unbekannten Menschen anvertrauen (egal ob Sport, Kirche oder eben wie hier Pfadfinder), sollten die Möglichkeit haben, zu sehen, wer hinter so einer Organisation steckt. Ich kann mir schwer vorstellen, dass Eltern, die nicht gerade mit der AfD sympathisieren, ihre Kinder da mitmachen lassen“, teilte die Mutter mit.

Ralf Fennig ist seit 2016 für die AfD Mitglied im Goldenstedter Gemeinderat

Fennig sitzt seit 2016 im Gemeinderat Goldenstedt und ist Beisitzer im Vorstand des AfD-Kreisverbands. Er nahm mehrmals an „Montagsspaziergängen“ in Vechta teil und kritisiert in seinem Internet-Blog die „Corona-Propaganda“. Zurzeit wird die AfD in Niedersachsen als Verdachtsobjekt beim Verfassungsschutz geführt. Unter anderem sagte der Verfassungsschutzpräsident, die AfD habe Verbindungen zu rechtsextremistischen Organisationen.

Ralf Fennig
Ralf Fennig © AfD

Fennig teilte auf Nachfrage unserer Zeitung mit, „grundsätzlich ist die Pfadfinderbewegung parteipolitisch neutral. Das heißt: Die Pfadfinderbewegung (und damit auch die Gruppen, die ich leite) sind offen für Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund. Und wir haben auch Mitglieder mit unterschiedlichstem Hintergrund.“ Er bedaure, dass sich Eltern bei der Zeitung gemeldet haben, und biete an, offene Fragen auch gern im direkten Gespräch zu beantworten. Die Fragen unserer Zeitung, wie er seine politische Tätigkeit und das Pfadfinderamt trenne sowie wie sein Engagement in der AfD zu den Werten der Pfadfinder passe, ignorierte er.

Die „Christliche Freie Pfadfinderschaft – Stamm Südburg in Wildeshausen, Visbek und Goldenstedt“ gehört zum Pfadfinder-Weltverband WFIS. Dessen Präsident Klaus Tegeder teilte auf Nachfrage mit: „Parteipolitische Stellungnahmen jedweder Art lehnen wir als Verband grundsätzlich ab und engagieren uns allenfalls jugendpolitisch. Radikales Gedankengut jedweder politischen Richtung, religiöser Fanatismus, Einschränkung der Frauenrechte oder LGBT-Bewegung haben in unserem Verband keinen Platz.“ Die Mitgliedschaft individueller Personen in den Mitgliedsbünden liege im Verantwortungsbereich derselben.

Verband Christlicher Pfadfinder: „Wir distanzieren uns von der AfD“

Fennig war allerdings vorher Mitglied des Verbands Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) in Niedersachsen. Dieser teilte auf Nachfrage mit: „Wir haben unter anderem das Ziel, die Demokratie zu fördern und zu stärken. Dazu müssen wir ebenfalls parteipolitisch neutral agieren und dürfen uns nicht klar für oder gegen eine Partei aussprechen. Allerdings sind Parteien davon ausgeschlossen, deren Werte und Grundgedanken nicht mit unseren übereinstimmen. Bei der gesamten AfD ist dies der Fall. (...) Daher distanzieren wir uns von der AfD und sprechen uns klar gegen sie aus. Wenn sich Menschen, auch in der Jugendarbeit, in der AfD engagieren, ist das ihre eigene Entscheidung. Wir als Verband stehen nicht hinter so einer Entscheidung und können diese nicht unterstützen.“

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