Pastorin Beatrix Konukiewitz ist erste Schwerhörigenseelsorgerin in der Region

Gottes Wort verstehen

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Pastorin Beatrix Konukiewitz mit dem Symbol für die Schwerhörigenunterstützung in der Alexanderkirche.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott“, heißt es in der Bibel. Doch was ist, wenn der Gläubige das Wort nicht versteht, weil er schwerhörig ist? Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich Pastorin Beatrix Konukiewitz als erste Schwerhörigenseelsorgerin in der Oldenburger Landeskirche.

Die 57-Jährige ist mit einer halben Stelle Gemeindepastorin der evangelisch-lutherischen Kirche in Wildeshausen, mit der anderen Hälfte ist sie für Schwerhörige zuständig. Am 1. Januar 2014 trat sie ihr Amt an und leistet seitdem Pionierarbeit im Oldenburger Land. Denn während die Pastorenstelle für Gehörlose schon länger besetzt ist, muss sich Konukiewitz ihr Arbeitsfeld erst aufbauen und Netzwerke knüpfen.

„Schwerhörigkeit ist nicht nur etwas, das alte Menschen betrifft“, räumt sie gleich mit einem Vorurteil auf. Es gebe auch viele junge Menschen, die von Kindheit an Probleme mit dem Hören haben.

Weit verbreitet sei auch die Einschätzung, dass man nur laut genug sprechen müsse, damit ein Schwerhöriger alles verstehen könne. Das sei oft aber nicht entscheidend, um den Empfänger wirklich zu erreichen.

Schwierig werde es, wenn Pastoren oder andere Gemeindemitarbeiter Vorbehalte gegen Mikrofone haben, die Kirche gar keine Anlage für Schwerhörige besitzt oder diese einfach nicht funktioniert und sich niemand so richtig darum kümmert.

Konukiewitz ist für einen Bereich von Wangerooge bis Damme zuständig. Zunächst versucht sie sich aber, im Oldenburger Raum zu orientieren. Sie hat drei Schwerpunkte: die Zusammenarbeit mit Pastoren in allen Fragen der Schwerhörigenseelsorge, der direkte Kontakt mit Schwerhörigen und der landesweite sowie nationale Kontakt mit anderen Schwerhörigenseelsorgern. Insbesondere das Angebot für Menschen, denen allmählich der Hörsinn abhanden kommt, ist Konukiewitz wichtig. „Im zwischenmenschlichen Bereich führt das oft zu großen Problemen“, weiß sie. Beispielsweise, wenn Ehepartner oder verschiedene Generationen ihre gewohnte Kommunikationsebene verlieren.

„Wir sind eine Kirche des Wortes“, erklärt Konukiewitz. Deshalb müsse die Kirche auch Möglichkeiten anbieten, dass sie verstanden wird. Dazu gehöre eine Induktionsanlagen, wie sie in der Alexanderkirche problemlos funktioniert. Aber auch auf anderen Ebenen müsse reagiert werden. „Jeder Gottesdienst muss so sein, dass jeder folgen kann“, sagt die Pastorin. Dazu gehöre es, langsamer zu sprechen, verständlich zu formulieren, kürzere Sätze zu benutzen und nicht unnötig viel zu reden. Dafür müssten, so die Geistliche, ihre Kollegen sensibilisiert werden. Das, so ist ihr Ziel, sollte auch schon in der Vikarsausbildung geschehen, damit der Nachwuchs ein Verständnis für Schwerhörige und Gehörlose entwickelt – ebenso wie Konukiewitz, die bis vor 17 Monaten kaum mit dem Thema zu tun hatte und sich nun gerne um die „reizvolle Aufgabe“ kümmert.

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