Konfirmanden malen Hoffnungbilder

„Der Mond ist aufgegangen“ im Internet: Pastoren singen für Zusammenhalt

Wildeshausen – Ungewohnte Klänge waren am Donnerstag um 19 Uhr gleich nach dem Glockenschlag vor der Alexanderkirche in Wildeshausen zu hören. Dort standen die Pastoren Markus Löwe und Lars Löwensen mit Sicherheitsabstand nebeneinander. Zwischen ihnen flackerte eine geweihte Altarkerze, und vor sich hatten die Geistlichen der evangelisch-lutherischen Kirche ein Smartphone aufgestellt, das filmte. Die beiden sangen das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius und folgten damit einer Anregung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Das Video kann derzeit unter dem Titel „Kerzenandacht an der Alexanderkirche“ bei Youtube angesehen werden. Per Messengerdienst kamen viele Reaktionen. „Schön, dass man seine Pastoren auf diesem Wege mal wieder sieht“, hieß es da beispielsweise. Oder: „Wir haben es genossen. Vielen Dank.“

Wo die beiden das nächste Mal singen, hängt von der aktuellen Situation ab. Es ist angesichts der Corona-Pandemie natürlich nicht erwünscht, dass andere Menschen dazustoßen. „Dann würden wir das sofort beenden“, betont Löwe.

Hoffnung an der Leine: Auf der Herrlichkeit hängt der Ausdruck eines „Gebetes in Zeiten des Virus“, das ein Pastorenkollege von Markus Löwe in Kopenhagen veröffentlicht hatte. Der Wildeshauser Pastor hat es übersetzt und zusammen mit Bildern ausgedruckt.

Der Gedanke der evangelisch-lutherischen Kirche ist, dass sich Menschen – ebenso wie beispielsweise in Italien – auf ihren Balkon oder vor ihre Haustür sowie ins offene Fenster stellen und gemeinsam singen oder musizieren. „Denn Singen verbindet und tut gut“, heißt es in einer Pressemitteilung. Das Lied sei ausgewählt worden, weil viele Menschen den Text auswendig könnten und ihn schon als Kind gehört hätten.

Telefonseelsorge erlebt Renaissance

„Als Claudius den Text 1779 schrieb, waren Krankheit und Tod ganz anders präsent als heute. Vieles, was uns jetzt als Lappalie erscheint, war für Menschen unbesiegbar, lag also in Gottes Hand“, heißt es von der Kirche. „Die Zeit war von Hungerkatastrophen und neuen, tödlichen Infektionskrankheiten in vielen Regionen Deutschlands geprägt. Und da schrieb Claudius, der selbst viel Krankheit, Tod und Leid in seiner Familie erlebt hat, diesen Text voller Zuversicht und Vertrauen.“

Bild der Hoffnung: Diese Konfirmandenzeichnung ging am Freitag bei den Pastoren ein.

Manches, was vor wenigen Tagen noch wie ein Relikt aus vergangenen Tagen galt, erlebt derzeit eine Wiedergeburt. Löwe und Löwensen berichten übereinstimmend, dass sie neben dem Kontakt über das Internet zunehmend Gespräche per Telefon führen. „Diese Seelsorge ist wieder wichtig geworden“, so Löwe. „Ich telefoniere derzeit den ganzen Tag, und wir stellen uns darauf ein, dass das noch mehr wird, wenn es tatsächlich ein Ausgehverbot gibt.“ Als Pastor sei es eine wichtige Aufgabe, seelsorgerisch stabilisierend zu wirken. Derzeit gebe es viele Gespräche zu den abgesagten Konfirmationen, Taufen sowie Trauungen. Neue Termine, so Löwe, wolle man auf keinen Fall – wie in anderen Gemeinden – festsetzen. Man wisse ja noch nicht, wie sich die Dinge entwickeln würden.

Bilder an der Herrlichkeit

In einer Zeit, in der der persönliche Kontakt zu den Konfirmanden komplett eingestellt wurde, haben die Pastoren eine weitere Aktion geplant, die den Zusammenhang stärken soll. Die jungen Menschen können Hoffnungsbilder schicken. Diese werde an einer Leine auf der Herrlichkeit ausgestellt. Sollte es eine Ausgangssperre geben, werden die Bilder auch digital veröffentlicht, um ein Zeichen der Zuversicht in schwierigen Zeiten zu senden.

Rubriklistenbild: © Löwe

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