Betreibergesellschaft ist zahlungsunfähig / Insolvenzverfahren mangels Masse abgewiesen

Was passiert mit dem „Waldschlösschen“?

Unklare Zukunft: Die Betreibergesellschaft des „Waldschlösschens“ ist insolvent. Foto: Hühne

Wildeshausen – Derzeit haben viele Gastwirte wegen des Coronavirus Probleme und wissen nicht, wie sie die Umsatzeinbußen kompensieren sollen. Ganz unabhängig davon ist es um das „Waldschlösschen“ an der Goldenstedter Straße in Wildeshausen offenbar schlecht bestellt. Jahrzehntelang war das Lokal eine feste Institution im Kreis der heimischen Gastronomie. Seit Kurzem ist jedoch die Betreibergesellschaft, die „Montana Gastro und Hausverwaltungs UG“, zahlungsunfähig. Und sie ist sogar dermaßen pleite, dass die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens mangels Masse abgelehnt wurde. Ein dementsprechender Bescheid des Amtsgerichts Delmenhorst liegt vor. Nach Informationen unserer Zeitung ist das Unternehmen bei der Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen in Rückstand geraten. Die Sozialversicherungsträger sollen ihre Forderungen geltend gemacht haben, was in der Zahlungsfähigkeit endete. Und die hat nichts mit dem Coronavirus zu tun, da die Probleme vor Ausbrechen des Erregers aufgetreten sind.

Der Betrieb im Lokal ruht derzeit also. Offen ist jedoch, welche Folgen die Situation für das Gebäude des „Waldschlösschens“ hat, denn die „Montana Gastro und Hausverwaltungs UG“ ist keineswegs Eigentümer der Immobilie. Eine UG ist so etwas wie eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), hat jedoch deutlich geringere Anforderungen. So muss das Stammkapital einer UG nur mindestens einen Euro betragen. Dafür müssen solange 25 Prozent der Gewinne in eine gesetzliche Rücklage fließen, bis ein Stammkapital von 25 000 Euro erreicht ist. Erst dann kann die UG in eine GmbH umgewandelt werden.

Die „Waldschlösschen“-Immobilie gehört einer bulgarischen Frau, während ihr Mann Geschäftsführer der insolventen Montana UG war. Auf Nachfrage unserer Zeitung war keiner von beiden für eine Stellungnahme erreichbar. Die Wohnungen im rückwärtigen Bereich des Lokals sind nach wie vor bewohnt.

Lokal hat eine bewegte Geschichte

Das „Waldschlösschen“ hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Jahrelang hatte die Betreiberfamilie Thoms-Meyer „Ilkas Café“ in dem Gebäude geführt. Doch dann wollten sie sich auf den angrenzenden Gartenbaubetrieb konzentrieren und verkauften das Objekt Anfang 2017 an die Geschäftsleute Nils Luthardt und Oliver Nicolai. Diese verpachteten es an die „Montana UG“. Doch es dauerte nur ein knappes Jahr, dann erwarben die bulgarischen Betreiber das „Waldschlösschen“. Sie wollten in dem traditionsreichen Haus Veranstaltungen ausrichten, auch für ihre Landsleute.

Rund 1 500 Bulgaren leben in Wildeshausen, weil die fleischverarbeitende Industrie, aber auch andere Unternehmen ihnen hier Arbeitsplätze anbieten. Um ihre Integration zu fördern, sollte aus dem „Waldschlösschen“ eine Begegnungsstätte werden. Geplant waren unter anderem Deutsch- und Fahrschulunterricht, Rechts- und Steuerhilfe, aber auch christlich-orthodoxe Gottesdienste. Wie es jetzt mit einer der ältesten Gaststätten Wildeshausens weiter geht, ist offen.  bor

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