Spenden und Vernichtung

Was passiert mit altem Brot bei Bäckern und Supermärkten?

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Viel Handarbeit: Herbert Oltmann (links) und Theo Herzog von der Wildeshauser Tafel laden bei Lidl übrig gebliebene Lebensmittel um.

Wildeshausen - Auch wer abends kurz vor Ladenschluss Brot im Backshop-Discounter oder beim Bäcker kauft, hat oft noch eine große Auswahl. Doch was passiert mit Brot und Backwaren, die niemand haben möchte? Die meisten Betriebe in Wildeshausen haben auf Nachfrage unserer Zeitung angegeben, dass die übrig gebliebenen Produkte an die Tafel gespendet werden. Deren Mitarbeiter gehen jede Woche auf Rundfahrt.

Donnerstag, kurz vor 8 Uhr, Herbert Oltmann und Theo Herzog steigen in einen weißen Mercedes Sprinter auf dem Gelände der Diakonie Himmelsthür in Wildeshausen. Erster Stopp ist Bäcker Meyer an der Huntestraße. Die Mitarbeiter haben schon einen Rollwagen mit mehreren Kisten Brot und Brötchen vorbereitet. Das Verladen dauert nur zwei, drei Minuten. Die beiden Rentner arbeiten wie ein Uhrwerk. Bäcker Meyer verkauft nicht mehr ganz frische Waren am Folgetag mit Rabatt. Brötchen werden auch zu Paniermehl verarbeitet. Aber die meisten nicht verkauften Backwaren werden laut Betrieb an die Tafel abgegeben.

Oltmann und Herzog sitzen schon wieder im Transporter. Es geht zum Markt, wo sie Gemüse von zwei Händlern sowie Brot und Brötchen vom Diekhaus-Bäcker holen. Herzog schiebt einen laut bollernden Rollwagen zum Laden, wo schon übrig gebliebene Waren vorbereitet sind. „Das war´s?“, fragt der 67-Jährige geschäftsmäßig. „Mehr haben wir nicht“, sagt die Verkäuferin, und schon geht es zurück zum Sprinter. Die beiden Männer verladen die Waren.

Herbert Oltmann und Theo Herzog (von links) rollen einen Wagen mit altem Brot aus einer Bäckerei.

Auf der Liste der ersten Donnerstagstour stehen noch Bäcker Weymann bei Netto an der Bargloyer Straße, das Café Schräubchen bei Hagebau an der Visbeker Straße, Lidl am Westring sowie die Bäcker Schnittker in der Innenstadt und Kolloge an der Harpstedter Straße. „90 Prozent der übrig gebliebenen Brote und Kuchen gehen an die Tafel“, sagt Bäcker Wolfgang Kolloge. Brötchen würden zu Paniermehl verarbeitet. Wieder bei der Himmelsthür angekommen, entladen Oltmann und Herzog den Sprinter. Daraufhin sortieren andere Ehrenamtliche die Ware – neben Backwaren auch Obst und Gemüse. Was nicht mehr verzehrt werden kann, kommt zum Beispiel in Biogasanlagen.

Bei einer zweiten Route am gleichen Tag fahren Oltmann und Herzog zu Netto an der Harpstedter Straße, Famila und dem E-Center am Westring, Aldi an der Dr.-Dürr-Straße und Rewe am Huntetor. Auch wenn viele Firmen ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Tafeln verkünden, klappt es nicht immer. „Nicht verkaufte Bake-Off-Artikel bieten wir in den Abendstunden preisreduziert an, um weitere Abverkäufe zu realisieren. Restbestände leiten wir bei entsprechendem Interesse an die Tafeln weiter (...). Da die Tafeln die Filialen jedoch nicht täglich anfahren, müssen wir nicht verkaufte Bake-Off-Artikel teilweise vernichten. Diese sehr sensiblen Lebensmittel sind nach kurzer Zeit sehr hart und in einem nicht mehr verzehrbaren Zustand“, teilt etwa Netto mit.

Von Lidl heißt es: „Für die frisch gebackenen Backwaren arbeitet jede Filiale mit einem sogenannten Backschema, in das automatisch kalkulierte Mengenberechnungen auf Basis filialindividueller Abverkaufswerte einfließen.“ Und weiter: „Sollte Brot übrig bleiben, bieten wir es am Folgetag zum reduzierten Preis an.“ Außerdem würden den Tafeln kostenlos Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden. Backwaren, die nicht mehr gespendet werden könnten, gibt Lidl an weiterverarbeitende Betriebe ab. „Diese verwenden sie unter anderem zur Produktion von Tierfuttermittel. Des Weiteren wird ein Teil zur Herstellung von Rohbiogas und Biomethan in Biogasanlagen genutzt“, heißt es in der Antwort auf unsere Anfrage.

Aldi setzt ebenfalls auf einen computergestützten Backplan, der Überschüsse vermeiden soll. Was dennoch zu viel ist, wird zu einem reduzierten Preis verkauft. „Altbrot und Kuchen aus der Auslage gehen zurück an den Lieferanten, dort wird es beispielsweise bei der Tierfutterproduktion weiterverwendet. Alle weiteren nicht mehr verkaufs-, aber noch verzehrfähigen Lebensmittel – auch abgepacktes Brot – werden in der Regel gespendet“, so ein Sprecher.

Bei Rewe sucht man nach eigenen Angaben die Kooperation mit der Tafel. „Übrig gebliebene Backwaren gehen im Regelfall an die Tafeln vor Ort. Holen die Tafeln keine Backwaren ab oder der Abholrhythmus ist derart, dass die Haltbarkeit der Lebensmittel und der Qualitätsanspruch an sie nicht mehr gegeben ist, sind wir bedauerlicherweise zur Entsorgung verpflichtet“, so eine Sprecherin.

Auch Famila teilte mit, dass unbedenklich verzehrbare, nicht mehr verkäufliche Lebensmittel an Bedürftige weitergeleitet werden. „Dies gilt für die fertig verpackten Brot-und Backwaren aus dem Regal aber auch für die Produkte aus der Backstation im Markt“, heißt es von Famila.

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