Trauer um Pfingsten ohne Gildefest / Spielleute salutieren auf der Herrlichkeit

Parade mit Pappkameraden

Salutieren neben Pappkameraden auf der Herrlichkeit: Peter Petersen (l.) und Thomas Schwoll traten am Dienstagvormittag an.
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Salutieren neben Pappkameraden auf der Herrlichkeit: Peter Petersen (l.) und Thomas Schwoll traten am Dienstagvormittag an.

Wildeshausen – Wildeshausen am Dienstag nach Pfingsten: Dort, wo normalerweise am Vormittag auf der Herrlichkeit über die Zahl der Ummärsche gefeilscht wird und die Rekruten ihren Eid sprechen, stehen zwei Spielleute und haben Pappkameraden mitgebracht. Auf der Westerstraße, auf der am Mittag normalerweise mehrere Tausend Schwarzröcke marschieren und Zuschauer applaudieren, laufen wenige Passanten und sitzen ein paar Wildeshauser im Lokal und trinken Kaffee, Tee oder Bier.

„Mir fehlt die Geselligkeit“, ist Bürgermeister und General der Gilde, Jens Kuraschinski, wehmütig. Er arbeitet in seinem Büro im Stadthaus und wäre doch so gerne in Uniform unterwegs. „Geht nun mal nicht“, so die bittere Erkenntnis, dass der Dienstag nicht einen einzigen Gildetermin enthält, wo er doch sonst vom Wecken bis zur Schafferproklamation eng getaktet ist.

Fähnrich Christian Harting ist ebenfalls „total traurig“. „Ich brauche das Gildefest total“, bekennt er und kümmert sich am Dienstag um die Schulaufgaben des Nachwuchses. Für Harting ist es bereits das dritte Gildefest in Folge, das er nicht feiern kann. Vor drei Jahren hatte er kurz vor Pfingsten einen Achillesfersenriss und verpasste so die Beförderung vom Fähnrich zum Leutnant – die beiden nächsten Jahre gab es wegen Corona nichts zu feiern. Seit 2019 ist Harting nun in der Warteschleife, erledigt zwar die Aufgaben eines Leutnants der Wache, darf sich aber nicht so nennen. Auch Jörn Röhr und Martin Posenauer warten noch auf ihre Beförderung. Sie gehen somit als die Fähnriche mit der längsten Dienstzeit in die Geschichte der Gilde ein, während Schaffer Philipp Hogeback darauf warten muss, endlich zum Fähnrich ernannt zu werden.

Umzug durch die Stadt: Mit Trommeln und Fackeln ging es über die Westerstraße.

Die Ehrungen und Beförderungen können zum Teil vielleicht im Herbst nachgeholt werden, wenn es die Pandemielage zulässt. Traditionell sind sie sonst ein wichtiger Teil der Zeremonien am Dienstag auf der Herrlichkeit. Dort standen diesmal nur die Spielleute Peter Petersen und Thomas Schwoll sowie kurz die Polizei, die darauf achtete, dass die Zufahrt frei blieb. Schwoll und Petersen waren bereits an Himmelfahrt und am Sonntag unterwegs, um mit kleinen Aktionen an das Gildefest zu erinnern. Am Montagabend starteten sie einen kurzen Fackelumzug auf der Westerstraße, und am Dienstag hängten sie fünf Pappkameraden in Offiziersuniform und eine Pappfigur des Generals, auf der stand: „Ich bin der, der nicht genannt werden darf – Gildegespenst“ zwischen die Bäume an der Herrlichkeit. Mit dabei war auch ein kleines Spielzeugpferd als Ersatz für das große Tier und die Standartenreiterin. „Das habe ich meiner Nichte Lientje abgenommen. Die weint jetzt“, erzählte Schwoll, wollte mit dieser Aussage aber nicht ernstgenommen werden.

Die Spielleute salutierten kurz, dann war die Parade auch schon beendet. Diesmal ohne jeden Ummarsch, so wie es die Spielleute gerne haben, weil sie ohnehin so viel marschieren müssen. Ein Wunsch, mit dem sie beim Oberst in normalen Jahren auf taube Ohren stoßen – doch in diesem Jahr war ja erneut gar nichts wie gewöhnlich.

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