Gerda Hespe-Meyer aus Düngstrup erfreut ihre Mitbürger mit Kreativität und positivem Denken

Optimismus im trüben Alltag

Gerda Hespe-Meyer mit Patchworkbällen.
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Patchworkbälle für Familien mit Nachwuchs: Gerda Hespe-Meyer ist vielseitig kreativ.

Düngstrup – „Wo ist nur das Jahr geblieben?“ Das fragen sich sicher einige Menschen, jetzt so kurz vor Weihnachten. Gerda Hespe-Meyer aus Düngstrup lässt mit diesen Worten einen Reim beginnen. Seit rund 20 Jahren ist sie gesundheitlich stark eingeschränkt und hätte einige Gründe, um verbittert in die Zukunft zu schauen. Doch sie hat sich auf ihre Stärken besonnen und bringt damit immer wieder Lichtblicke in den Alltag: mit schönen Versen, Basteleien, Zeichnungen oder einem sehenswerten Blick in die ländliche Wohn- sowie Alltagskultur der Vergangenheit.

Die in Dingstede geborene Düngstruperin lernte ihren Mann Gerd bei einem Tanzball in Falkenburg kennen. Nach ihrer Hochzeit 1972 zog sie zu dem Landwirt in die Wildeshauser Landgemeinde und wohnt hier nun schon seit 48 Jahren.

„Das Dorf liegt mir sehr am Herzen“, erzählt Hespe-Meyer. Nicht nur, dass sie im Heimatverein (in dem sie über 20 Jahre die Kasse führte), beim Düngstruper Dorfverein und bei den Wildeshauser/Dötlinger Landfrauen vielseitig aktiv war, sie packte auch auf dem Hof voll mit an. Bis zu dem Tag, als vor 20 Jahren im rechten Fuß (zwei Jahre später auch im linken) eine Sehne riss. Die Verletzung wurde zwar operiert, seit dem Tag ist sie aber gehbehindert. Damit nicht genug: Zur gleichen Zeit erhielt sie die Diagnose, dass sie an Parkinson erkrankt sei. Die Krankheit, umgangssprachlich auch Schüttellähmung genannt, bedeutet einen langsam fortschreitenden Verlust von Nervenzellen, der zunehmend die Möglichkeiten einschränkt, alltägliche Verrichtungen zu erledigen, und dafür sorgte, dass Hespe-Meyer bei der Landwirtschaft zurückstecken musste.

Im Krankenhaus gemalt

„In den ersten sieben Jahren kam ich noch gut zurecht. Doch dann wurde es immer schlimmer, sodass die Koordination beim Laufen und beispielsweise Rühren in einem Kochtopf nicht mehr stimmte“, erzählt sie.

Was sie jetzt noch gut erledigen könnte, sei immer von ihrer Stundenform abhängig, auch wie die Medikamente wirken und wie ihre Stimmung sei.

Mit der schwerwiegenden Verletzung und dem Eintritt der Krankheit besann sich die jetzt 66-jährige Düngstruperin auf Dinge, die ihr schon immer Spaß gemacht haben. „Früher in der Schule habe ich gerne gezeichnet“, erinnerte sie sich und nahm Buntstifte sowie Bleistifte sogar mit ins Krankenhaus.

In der folgenden Zeit malte und zeichnete sie viel von Vorlagen ab und wurde schließlich so gut, dass sie vor zwölf Jahren im Wildeshauser Stadthaus ausstellte. Es folgten unter anderem Ausstellungen im Altenzentrum Alexanderstift und im Kirchhatter Rathaus – worauf sie sehr stolz ist.

Erste Reime bei einem Lehrlingstreffen

Doch mit dem Zeichnen war ihre Kreativität noch nicht erschöpft. Hespe-Meyer fing vor 15 Jahren an zu reimen. Die ersten Gedichte entstanden anlässlich eines „Lehrlingstreffens“, zu dem sie über jeden ehemaligen Azubi auf dem Hof einen kleinen Reim schrieb.

Sie fand immer mehr Gefallen an den Versen und schrieb sie auf. „Wenn mir ein Thema einfällt, dann mache ich mir schnell Stichworte, damit es mir nicht wieder entfällt“, erzählt sie.

Mittlerweile hat sie mehrere mit Zeichnungen versehene Hefte geschrieben. Inzwischen hat sie sogar schon eine Zusammenfassung unter dem Titel „Meine kleinen Reimereien“ veröffentlicht, die sie gerne auch verschenkt. „Viele Verse kann ich auswendig und könnte sie ohne Probleme vor mehr als 200 Leuten vortragen. Die Gedichte sollen den Menschen Spaß machen“, sagt sie. Und: „Wenn man so eingeschränkt ist wie ich, dann ist es schön, auch etwas Besonderes zu können.“

Daran besteht kein Zweifel – ebenso an dem großen Herzen, mit dem Hespe-Meyer aktiv ist. So bastelte sie in den vergangenen Wochen wieder Weihnachtsdekoration mit Material aus der Natur und fertigt fortlaufend Patchworkbälle in Handarbeit an. „Jede Familie im Dorf, bei der das erste Kind geboren wird, bekommt einen solchen Ball geschenkt“, erzählt sie.

Tradition liegt Hespe-Meyer ohnehin am Herzen. Seit wenigen Jahren betreibt sie im ehemaligen Wohnzimmer ihres Hauses das „Gute-Stube-Museum“. Dort befinden sich Gegenstände der Dorfkultur des vergangenen Jahrhunderts – unter anderem aus dem Nachlass des Reiners-Hofes in Kleinenkneten, von ihren Vorfahren sowie denen ihres Mannes. Wenn die Corona-Einschränkungen endlich vorbei sind, können gerne wieder Besichtigungstermine vereinbart werden.

Ein Gedicht:

Ich wünsche Dir für die Weihnachtszeit,

Freude, Ruhe und Besinnlichkeit,

und für das vor uns liegende „Neue Jahr“

Gesundheit, Glück und Frohsein,

dass deine Wünsche und Träume werden wahr,

leg ich in meinen Wunsch mit hinein!

Gerda Hespe-Meyer

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