Entscheidung für Raum hinter „Gildestube“ vertagt

Ohne Konzept kein Parkplatz

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Sollen hier Parkplätze hin? Die Verwaltung hat vorgeschlagen, Stellflächen hinter der „Gildestube“ in Wildeshausen zu planen.

Wildeshausen - Die Planung für die Errichtung von bis zu 160 Parkplätzen hinter der „Gildestube“ in Wildeshausen ist vertagt. Gegen die Stimmen der SPD empfahl der Bauausschuss am Mittwochabend, dass die Überlegungen vorerst in das Verkehrskonzept der Stadt eingebettet werden sollen. Das Papier wird zurzeit erstellt und könnte Mitte 2020 vorliegen. Die letzte Entscheidung in der Sache trifft der nicht öffentlich tagende Verwaltungsausschuss.

Das Bauamt hatte vorgeschlagen, auf dem derzeit ungenutzten Überflutungsgebiet hinter der Gaststätte Stellflächen einzurichten. Damit sollen Dauerparker aus der Innenstadt eine Alternative erhalten, wenn es in absehbarer Zeit zu einer Parkraumbewirtschaftung des Gildeplatzes kommt. Außerdem soll ein Radweg gebaut werden, der zur Melkerbrücke führt. Des Weiteren wirft das Urgeschichtliche Zentrum im alten Feuerwehrhaus seinen Schatten voraus. Die Besucher müssten ja irgendwann auch Parkplätze haben, so die Argumentation von Baudezernent Manfred Meyer.

Mit ihrer Empfehlung agierte die Politik gegenläufig zum Beschlussvorschlag von Bürgermeister Jens Kuraschinski, der betont hatte: „Es ist möglich, parallel am Verkehrskonzept zu arbeiten. Die Parkplätze haben keine Auswirkungen darauf und sind isoliert zu betrachten.“ Überhaupt musste sich der Verwaltungschef einiges gefallen lassen. Mehrmals hatte Kuraschinski darauf hingewiesen, dass die Stadt mit der Parkplatz-Idee auf die Anwohner zugegangen sei und nicht andersherum. Letztere hatten für eine benachbarte Fläche vor ein paar Jahren Ähnliches vorgeschlagen.

„Glauben tue ich das nicht“, widersprach Rainer Kolloge (UWG) der Darstellung des Verwaltungschefs. Karl Schulze Temming-Hanhoff (parteilos) wähnte sich gar in einer „Märchenstunde“. Er kritisierte: „Der Bürgermeister zieht sich Aufgaben an Land, für die er gar nicht beauftragt wurde.“ Das sei „schon fast ein Dienstvergehen“, schließlich habe der Verwaltungsausschuss vor ein paar Jahren entschieden, dort keinen Parkplatz zu errichten. „Die Zeit dreht sich weiter“, verteidigte Bauamtsleiter Hans Ufferfilge seinen Chef. Der könne durchaus einen neuen Impuls setzen.

Die Überzeugungsarbeit der Verwaltung fruchtete nicht bei jedem. „Da liegt etwas im Argen, wenn sich jemand so oft rechtfertigt“, meinte Marko Bahr (FDP) in der an Unterstellungen reichen Sitzung. „Wen will die Verwaltung denn verkaspern?“, kehrte der Liberale allerdings schnell auf die Sachebene zurück. Auf der einen Seite stelle das Bauamt die Sanierung der Parkpalette zurück, weil es überlastet ist. Auf der anderen Seite habe die Verwaltung genug Kapazitäten, um neue Parkplätze zu planen. Das passte für Bahr nicht zusammen.

Der FDP-Ratsherr sprach sich genau wie die UWG gegen die neuen Stellplätze aus. Kolloge meinte: „Da parkt kein Mensch.“ Überhaupt sei es nicht nachvollziehbar, in Zeiten der aktuellen Klimadiskussion so viele Flächen für Autos zu versiegeln.

In der SPD gibt es verschiedene Meinungen. Die Genossen wollten die Planungen anstoßen und deren Ergebnis abwarten. Dafür kassierten sie den Vorwurf der „Verlogenheit“ von Kolloge. Schließlich tue sich die SPD sonst durchaus mit umweltfreundlichen Anträgen hervor. „Es geht doch erst einmal nur ums Planen“, stellte Walter Panschar (SPD) klar. „Ob wir der Maßnahme am Ende zustimmen, wissen wir noch nicht.“

Die CDW zeigte sich offen für die neuen Parkplätze, wollte aber die Einbettung ins Verkehrskonzept, was Bernhard Block dann auch beantragte. Damit stieß er ins gleiche Horn wie Günter Lübke (CDU). „Wir sollten feststellen, ob wir die Stellflächen brauchen.“ So kommt es dann jetzt ja auch.

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