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Ökomodellregion braucht Überzeugung und Unterstützung

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Von: Gero Franitza

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Eine Gruppe aus drei Frauen und einem Mann.
Informieren und diskutieren: Carolin Grieshop (Kompetenznetzwerk Ökolandbau Niedersachsen), Kreis-Baudezernentin und Moderatorin der Veranstaltung Eva-Maria Langfermann, Jutta Benken (Stabsstelle Fördermittelmanagement des Landkreises) und Andreas Löloff (Landwirtschaftsministerium, vl.) während der Veranstaltungspause. © Franitza

Wildeshausen/Landkreis – Mehr Ökolandbau im Landkreis Oldenburg sowie eine Verknüpfung von Produzenten, Verarbeitern, Händlern und nicht zuletzt Abnehmern. Das ist das Ziel der Ökomodellregion Landkreis Oldenburg (wir berichteten). Sind in den vergangenen Monaten bereits erste Schritte unternommen worden, ist das vom Land Niedersachsen finanziell geförderte Projekt mit einer Veranstaltung am Mittwochabend im Kreishaus in Wildeshausen jetzt offiziell gestartet.

Rund 50 Gäste aus allen relevanten Bereichen haben daran teilgenommen. Doch bereits während der ersten beiden Stunden wurde deutlich, dass das Ganze kein Selbstläufer sein wird. Nicht zuletzt die Rahmenbedingungen – insbesondere für die Landwirte – spielen eine entscheidende Rolle, wie die Redner erläuterten.

Eröffnet hatte die Auftaktveranstaltung (mit anschließendem „Dialogforum“) im Foyer des Kreishauses Landrat Christian Pundt. Er sei froh, dass die bereits zweimal verschobene Veranstaltung nun in Präsenz an diesem Ort über die Bühne gehen könne: „Das zeigt, wie wichtig das Thema ist.“ Auch ein Blick auf das Wetter unterstreiche die Bedeutung, so der Verwaltungschef: Der Boden sei aktuell „knochentrocken“, es habe zu wenig geregnet, die Klimafolgen seien bereits sichtbar. Ökolandbau und Klimaschutz seien „artverwandte“ Thema, so Pundt. „Die Ökomodellregion ist vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt er. Es werde sich dabei zeigen, „was funktioniert und wo nachgesteuert werden muss“.

Zielgröße: 15 Prozent Ökolandbau

Dass das Ergebnis des Projektes noch nicht feststehe, darauf hob auch Andreas Löloff, Referent für Ökolandbau im Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium, ab. So könne es „nur funktionieren, wenn es die Akteure vor Ort auch unterstützen“. Und das auch in finanzieller Hinsicht. Ziel des „Niedersächsischen Weges“ sei es etwa, die Bioproduktion bis 2030 auf 15 Prozent zu steigern. Die Bundesregierung habe zwar ihre Zielgröße überraschend von 20 auf 30 Prozent gesteigert. Doch davon sollte sich niemand „verunsichern“ lassen, so Löloff.

Die Nachfrage nach Bioprodukten „steigt auf allen Ebenen“, führte er aus, und das auch bei Discountern. Das könne der Landwirtschaft neue Marktchancen eröffnen. Aktuell liege die Importquote – einmal abgesehen von Südfrüchten und dergleichen – immer noch hoch: Bei Butter etwa bei der Hälfte des Absatzes, bei Milchprodukten immer noch bei 30 bis 40 Prozent. „Bio-Städte“ wie Bremen aber auch Hamburg böten potenzielle Absatzmärkte auch für den Landkreis Oldenburg. Bundesweit sei Niedersachsen beim Absatz von Biokartoffeln (25 Prozent) und Bioeiern (45 Prozent) bereits Marktführer. „Wir haben schon gute und starke Strukturen. Die gilt es, weiter zu entwickeln“, so Löloff.

Eine Diskussionsrunde mit stehenden und sitzenden Personen.
Zwischen den Redebeiträgen gab es erste Diskussionen. © Franitza

Auf die Rahmenbedingungen ging unter anderem Carolin Grieshop, Geschäftsführerin, des Kompetenznetzwerks Ökolandbau Niedersachsen in Visselhövede, näher ein. 40 Biohöfe und Gärtnereien gebe es im Projektgebiet, mit zusammen 170 Hektar Fläche. Das mache 2,7 Prozent der hier nutzbaren Fläche aus. Im gesamten Bundesland seien es rund 5,2 Prozent. Insgesamt sei die Branche in der Region „halb so stark wie in Niedersachsen“, fasste sie zusammen. „Deswegen ist es gut, hier eine Ökomodellregion zu installieren.“ Eine Herausforderung dabei, den Wandel zu forcieren, sei die aktuelle Situation der Landwirtschaft: Denn diese, so Grieshop, sei „besorgniserregend“. Die Agrarier seien doppelt betroffen: Zum einen von den direkten Folgen des Klimawandels, zum anderen müssten sie gleichzeitig Vorsorge dagegen treffen. Beides bedeute für sie geringere Einnahmen. Auch die steigenden Energiekosten spielten eine Rolle. In Folge erhöhte Verbraucherpreise für Ökoprodukte entwickelten sich irgendwann jedoch zu Absatzhemmnissen, so die Expertin. Wenn sich die Preisspirale weiterdrehe, werde ein Stück Biobutter bald vier Euro kosten.

Es müsse möglichst viel Fläche in der Produktion gehalten werden, forderte Grieshop in Hinblick auf etwa auf immer neue Baugebiete, aber auch Kompensationsflächen. Wichtig sei eine verlässliche und gezielte Förderkulisse. Das Allerwichtigste für Landwirte sei jedoch Planungssicherheit – etwa bei Stallneubauten.

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