Reanimationen: Landkreis Oldenburg schneidet im Bundesvergleich gut ab

Öfter erfolgreich als andernorts

Ersthelfern kommt im Falle eines Herzstillstands eine besondere Rolle zu. Symbolfoto: dpa

Landkreis – Seit mittlerweile fünf Jahren nimmt der Landkreis Oldenburg am „Deutschen Reanimationsregister“ teil, welches im Rahmen eines Qualitätsmanagements die Prozesse und Ergebnisse der Wiederbelebungszahlen darstellt und auswertet. „Die aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2019 sind erneut überaus positiv und zeigen die hervorragende Ergebnisqualität bei der Behandlung des Herz-Kreislaufstillstandes durch das rettungsdienstliche Personal des Landkreises Oldenburg“, zieht die Kreisverwaltung in einer aktuellen Auswertung ihrerseits eine positive Bilanz.

So konnten im Jahr 2019 rund 35,4 Prozent aller Patienten, die zuvor einen solchen Notfall erlitten hatten, anschließend lebend in ein Krankenhaus aufgenommen werden. Daraus ergab sich eine Inzidenz (Häufigkeit von Ereignissen) – bezogen auf 100 000 Einwohner – von 30,5. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Steigerung um einen Wert von 1,6. Deutschlandweit seien von 160 teilnehmenden Rettungsdienstbereichen nur sechs besser, berichtet die Verwaltung weiter – somit Platz sieben für den Landkreis Oldenburg. Insgesamt erreichten nur neun eine Inzidenz von 30 oder mehr. Auch für den Betrachtungszeitraum der vergangenen fünf Jahre ergebe sich für das Kreisgebiet „ein sehr erfreuliches Ergebnis“ mit einer Inzidenz von 30,5. In absoluten Zahlen seien dies 40 Patienten von 113, die nach erfolgreicher Reanimation lebend eine Klinik erreichten.

Der statistischen Auswertung komme eine besondere Bedeutung zu: Auf Grundlage dieser Daten könne der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes (ÄLRD), Dr. Peter Günther, genau feststellen, an welchen Stellschrauben Veränderungen vorgenommen werden müssen, um für die hiesige Bevölkerung eine noch bessere medizinische Versorgung zu erreichen. Der ÄLRD ist für die medizinische Qualität, die Ausbildung nichtärztlichen Personals, die medizinisch-technische Ausstattung der Rettungswagen sowie für die Auswahl der auf den Notarzteinsatzfahrzeugen tätigen Notärzte verantwortlich.

Und so sei eine vordere Platzierung des Landkreises im Bundesvergleich kein Zufall: Diese „sehr guten Werte“ seien die Ergebnisse „jahrelanger, disziplinierter Umsetzungen“ der qualitativen Vorgaben des ÄLRD durch das „überaus engagierte und exzellent ausgebildete Rettungsdienstpersonal“ in dessen Zuständigkeitsbereich, spart die Kreisverwaltung nicht mit Lob. Doch auch die medizinische Ausstattung trage – neben der fortlaufenden Aus- und Weiterbildung – zu einem großen Teil zu der guten Ergebnisqualität bei, heißt es in der Mitteilung aus dem Kreishaus weiter. So seien im vergangenen Jahr in mehr als 42 Prozent der Fälle (bundesweit: 22 Prozent) „Feedbacksysteme“ (besondere Sensoren) eingesetzt worden, die dem Rettungssanitäter anzeigen, wie effektiv eine Reanimationsmaßnahme erfolgt. Dadurch könnten die Mitarbeiter ihre Maßnahmen in Echtzeit anpassen.

„Aber nicht nur das rettungsdienstliche Personal kann zu einer verbesserten Versorgungsqualität bei Herz-Kreislaufstillständen der Bevölkerung beitragen, sondern auch jeder einzelne Bürger“, unterstreicht der Landkreis in seiner Auswertung. Denn: „Der unmittelbare Beginn einer Wiederbelebungsmaßnahme durch medizinisch nicht vorgebildetes Personal ist der entscheidende Faktor für eine gute Überlebensprognose der Patienten.“ So seien im Jahr 2019 in 48,5 Prozent der Fälle die Wiederbelebungsmaßnahmen durch Laien eingeleitet worden. Dies sei zwar „immer noch ein guter Wert“, liege aber hinter dem aus dem vorvergangenen Jahr zurück – damals waren es 54,5 Prozent.

Diese Veränderung lasse sich zum Teil dadurch erklären, dass in 2019 sehr viel mehr Reanimationen nicht im häuslichen Rahmen, sondern vermehrt in der Öffentlichkeit passiert seien: „Es ist verständlicherweise immer noch eine größere Hürde, bei einer fremden Person eine Wiederbelebung durchzuführen, als in der Häuslichkeit bei Verwandten oder Bekannten, wo die Berührungsängste nicht so groß sind.“ Hier könne man immer nur wieder an die Bevölkerung appellieren, dass man als Laie bei einer Reanimation nichts falsch machen kann – außer man tue nichts.

Die Leitstelle, die die telefonischen Notrufe unter der „112“ entgegennimmt, leitete im Landkreis in 31 Prozent der Fälle eine Reanimation per Telefon an (bundesweit: 23,5 Prozent). Dies sei ebenfalls ein gutes Ergebnis, auch wenn dieser Wert mit 31,9 Prozent in 2018 leicht besser war, so der Landkreis weiter. 64 Prozent aller im vergangenen Jahr im Landkreis Oldenburg reanimierten Personen waren mehr als 80 Jahre alt, 94 Prozent sogar mehr als 65 Jahre alt. Bei der geschlechtsspezifischen Verteilung habe sich keine Veränderung gezeigt: Weiterhin werden sehr viel mehr männliche (69 Prozent) Patienten als weibliche (31 Prozent) reanimiert. Dies seien Werte, die überall in Deutschland konstant gleich zu beobachten seien.

„Auch, wenn auf diesem Niveau durch die bestehenden Maßnahmen weitere Verbesserungen nur noch in sehr kleinen Schritten erreicht werden können“, heißt es in der Analyse abschließend, sei gerade das Zusammenspiel von Rettungsdienst und Bevölkerung von entscheidender Bedeutung für die weiterhin erhoffte positive Entwicklung: „In diesem Sinne möchte sich die Kreisverwaltung bei all denen bedanken, die in den vergangenen Jahren bei Wiederbelebungsversuchen nicht weggesehen, sondern gehandelt haben.“ Ohne die Hilfsbereitschaft von Einzelnen wären die Ergebnisse bei Weitem nicht so gut. Deshalb gehe die Bitte an alle, auch weiterhin nicht wegzusehen, wenn Menschen Hilfe benötigen, sondern zu handeln.

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