Oberst Ernst Frost geht in den „Ruhestand“, wird Generalmajor

Den Papagoy vom Bett aus stets genau im Blick

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Ernst Frost (r.) bei der Amtsübernahme am 6. Juni 2006 mit seinem mittlerweile verstorbenen Vorgänger Heinrich Nuxoll.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Wenn er im Bett liegt, kann er die Vogelstange mit dem goldenen Papagoy im Krandel sehen. „Und das ist auch gut so. Als Gilde-Oberst (Regimentskommandeur) muss ich schließlich alles fest im Griff haben“, sagt Ernst Frost. Aber seine Zeit in diesem Amt ist begrenzt: Noch 35 Tage, dann wird am Dienstag nach Pfingsten auf der Herrlichkeit sein Nachfolger Willi Meyer gekürt.

Die Uniform ist startklar. Pfingstdienstag bekommt Ernst Frost einen weiteren Stern auf die Epauletten.

Der 78-jährige Frost geht nach zehn Jahren mit einem weinenden und einem lachenden Auge: „Es war wirklich eine schöne Zeit, wir hatten viel Spaß. Aber jetzt ist es an der Zeit, dass ein jüngerer Offizier nachrückt.“ Frost wird dann satzungsgemäß zum Generalmajor befördert, erhält einen weiteren Stern auf seinen Epauletten.

„Ich hatte nie daran gedacht, dass ich einmal Oberst werde. Vor mir wäre eigentlich ein anderen Kollege dran gewesen, sodass der Krug an mir vorbeigezogen wäre. Allerdings hat er abgelehnt“, so Frost. Er selber habe das Amt sehr gerne übernommen. Ich habe sechs Oberste gehabt und auch mit ihnen viel erlebt. Der Härteste „unter der Sonne“ sei zweifelsohne Bernhard Iken gewesen: „Der wollte aus der Gilde generalstabsmäßig eine zweite Bundeswehr machen – mit viel Drill und Disziplin.“ Iken habe vor vielen Jahren sogar die Idee gehabt, das Rathaus zu unterkellern, um dann dort unten feiern zu können.

Wer Frost kennt, der weiß, dass er die Gilde lebt, nicht anders war es als Oberst. „Das stimmt wohl, ich war oft dort, wo ich gar nicht sein sollte.“ Damit spricht er die Tatsache an, dass er gerne auch mal zu den Letzten gehört habe, die das Zelt des Nachts verlassen hätten: „Das hatte aber seinen Grund. Als Oberhaupt muss ich mich ja vom ordnungsgemäßen Zustand der Gildebrüder überzeugen. Und das geht am besten, wenn sich der Oberst unters Volk mischt. Aber vielleicht wollte ich ja auch nur zünftig feiern.“

Bei diesen Worten nickt sein Junior Ernst-Dieter: „Sicher war das Zweite der Fall.“ Traurig sei er jedoch nicht, dass der Vater bald kein Oberst mehr ist: „Ich bin im Jahr 2000 Schaffer geworden. Das war alles auch okay. Bis 2006, als wir den neuen Oberst bekommen haben. Es kann schon nerven, wenn er vom Sohn täglich eine ordentliche Meldung fordert und an allem etwas zu kritisieren hat.“

„Wat mutt, dat mutt“, meint Frost. „Ich hatte ohnehin das Gefühl, dass mein Wort einiges an Gewicht hatte, wenn es um Entscheidungen ging.“

Mitglied der Gilde ist er 1957 geworden: „Ich hätte schon ein Jahr eher eintreten können, habe aber auf ein paar Kumpel gewartet.“ Daran, dass er einmal Offizier werden würde, habe er nie gedacht: „1969 hat mich Heinz Brünger gefragt, ob ich nicht Schaffer werden will. Da meine Frau krank war, habe ich diesen Posten aber erst 1970 angenommen.“

Noch gut kann sich Frost erinnern, als er 1972 als Fähnrich einen Schaffer suchen musste: „Sonnabend vor Pfingsten hatte ich bis 16 Uhr noch keinen Kandidaten. Das war verdammt eng. Um 20 Uhr hatte ich dann plötzlich zwei. Schaffer wurde Manfred Hartung.“

Fehlen werden ihm sicherlich die Paraden auf der Herrlichkeit: „Die Jungs lassen sich ja Jahr für Jahr irgendwelche Scherze einfallen, denen ich mit aller Macht entgegenwirken musste.“

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