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Lesermeinung: „Oben ohne“? Warum denn nicht?

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Von: Dierk Rohdenburg

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Schwimmen nur „oben mit“: In Harpstedt und Wildeshausen ist „übliche Badekleidung“ erwünscht.
Schwimmen nur „oben mit“: In Harpstedt und Wildeshausen ist „übliche Badekleidung“ erwünscht. © dpa

Landkreis – Sollten Frauen im Rosenfreibad in Harpstedt oder im Krandelbad in Wildeshausen „oben ohne“ baden dürfen? Die Reaktionen auf den Artikel in unserer Zeitung waren vielfältig.

Das Thema beschäftigt offenbar viele Menschen mehr, als die Verantwortlichen denken. Harpstedts Samtgemeindebürgermeister Yves Nagel hatte erklärt, dass im Rosenfreibad die „übliche Badekleidung“ gilt – und dazu gehört, dass die weiblichen Gäste ihre Brüste bedecken.

Warum aber? Weil es schon immer so war?

„Ich finde, das muss jeder selbst entscheiden dürfen“, heißt es als Kommentar auf der Facebook-Seite unserer Zeitung. Und eine andere Leserin schreibt: „Oben ohne schwimmen zu gehen, ist einfach wundervoll. Wer jemals nackt im Meer gebadet hat, weiß das. Das Problem ist doch die immer mehr zunehmende Sexualisierung der weiblichen Brust. Aber das ist nicht unser Problem, sondern das der Männer. Wer bestimmt, dass es unanständig ist, als Frau ,oben ohne´ zu baden? Wer bestimmt, dass es verpönt ist, wenn Frauen ihre Babys in der Öffentlichkeit stillen? Wer bestimmt, dass nur junge Frauen das ultimative Schönheitsideal verkörpern? Jede Frau sollte sich diese Fragen mal selbst beantworten.“

„Wenn freie Nippel, dann für alle!“

Ein weitere Leser bringt es salopp auf den Punkt: „Wenn freie Nippel, dann für alle!“ Und ein anderer meint: „Bei manchen Männern wünscht sich wahrscheinlich so manche Frau auch ein ,oben ohne´-Verbot. Jeder sollte es so machen, wie er oder sie es möchte.“

„Einfach nur dumm, dass man darüber überhaupt reden muss. Für jeden das gleiche Recht, also klar dürfen Frauchen oben ohne dort liegen oder schwimmen, wenn sie das wollen“, schreibt eine Leserin. Und ein anderer merkt amüsiert an: „Ist mir egal, wer ,oben ohne´ rumläuft. Ich bin ja da, um zu schwimmen. Und für die Freibad-Pommes.“

Artikel vom 24. Mai: Dass Männer „oben ohne“ im Hallen- oder Freibad schwimmen gehen, ist in unserer Gesellschaft Normalität. Doch soll Frauen das auch erlaubt sein? Diese Frage sorgt derzeit in größeren Städten wie Göttingen oder Bremen für eine kontroverse Diskussion. In der Stadt Wildeshausen und der Samtgemeinde Harpstedt geht man mit diesem Thema derzeit noch recht gelassen um.

„Wir haben uns damit noch nicht befasst“, sagt beispielsweise Hans Ufferfilge, Pressesprecher der Stadt Wildeshausen. „Wir schauen uns das mal an, ob es da Klärungsbedarf gibt.“ Auch der Harpstedter Samtgemeindebürgermeister Yves Nagel ist derzeit entspannt: „Man muss nicht präventiv auf alle Eventualitäten Antworten haben“, sagt er.

Der Rauswurf einer Frau, die barbusig schwimmen wollte, aus einem Hallenbad in Göttingen, hatte im vergangenen Jahr für bundesweites Aufsehen gesorgt. Dort hat der Badbetreiber mittlerweile eingelenkt, indem seit Monatsbeginn zumindest am Wochenende alle Badegäste im städtischen Hallenbad sowie in den drei Freibädern probeweise „oben ohne“ baden dürfen. Der Test läuft bis Ende August und soll dann ausgewertet werden.

In Bremen hat die Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm die Verhüllungspflicht für weibliche Brüste als „diskriminierend und nicht mehr zeitgemäß“ bezeichnet. Sie fordert „oben ohne“ für alle Menschen in Hallen und Freibädern.

„Schade, dass das Thema sexualisiert wird“

So weit möchte die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Oldenburg, Britta Hauth, nicht gehen. Sie mag zu dem Thema zunächst nur ihre persönliche Meinung äußern: Wenn eine Frau gerne ,oben ohne‘ baden möchte, warum soll sie das nicht tun dürfen?“, fragt sie. Sie finde es schade, dass das Thema sehr schnell sexualisiert diskutiert werde. „Ich hätte privat nichts dagegen, wenn die Bestimmungen gelockert würden. Es würde ja niemand gezwungen, „oben ohne“ im Bad herumzulaufen oder zu schwimmen.“

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wildeshausen, Julia Logemann, hält sich bei dem Thema grundsätzlich erst einmal zurück und möchte sich zunächst näher damit befassen, bevor sie etwas sagt.

Badeordnungen sehen „übliche Kleidung“ vor

Sowohl im Krandelbad als auch im Rosenfreibad gelten Badeordnungen, die sich allerdings nicht differenziert zu dem Thema positionieren. In beiden Einrichtungen heißt es: „Der Aufenthalt in den Schwimm- und Badebecken ist nur in üblicher Badekleidung gestattet. Die Entscheidung, ob eine Badebekleidung diesen Anforderungen entspricht, trifft das Aufsichtspersonal.“

Unter einer „üblichen Bekleidung“ ist laut Nagel für Frauen die Bedeckung der Brüste zu verstehen. Deshalbwürde das Personal Frauen, die sich nicht daran halten, darauf hinweisen und – wenn keine Einsicht erkennbar sei – auch des Bades verweisen. Ebenso wie Ufferfilge geht Nagel davon aus, dass es kein Problem ist, wenn sich Frauen auf der Liegewiese auf dem Bauch liegend ihren Bikiniträger lösen, um sich beispielsweise nahtlos zu bräunen. Nagel glaubt, dass nur eine Minderheit der Frauen darauf bestehen könnte, „oben ohne“ zu baden. „Ich bin nicht der Meinung, dass man dort, wo man sich nicht aus dem Weg gehen kann, auf Minderheiten Rücksicht nehmen muss“, betont er.

Eine Änderung der Badeordnung, wenn sie denn tatsächlich, geplant würde, wäre nach Auskunft von Ufferfilge in Wildeshausen auch ohne förmlichen Ratsbeschluss möglich. „Das ist Geschäft der laufenden Verwaltung“, sagt er. Zunächst aber, gebe es dazu keinen Handlungsbedarf.  

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