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Nottrauungen und drastische Strafen

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Von: Dierk Rohdenburg

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Nottrauung beim Gildefest: Horst und Susanne wurden öffentlich mit Korn vermählt.
Nottrauung beim Gildefest: Horst und Susanne wurden öffentlich mit Korn geweiht und vermählt. © dr

Wildeshausen – Nach zwei Jahren coronabedingter Pause hatte das Gildegericht am Sonntag alle Hände voll zu tun, Delinquenten abzuurteilen, die der Wache im Rahmen des Familiennachmittages in der Innenstadt aufgefallen waren.

Dabei traf es auch Menschen aus größerer Entfernung, die ganz arglos auf der Westerstraße unterwegs waren. Wie beispielsweise Bodo und Martina Winrow, die aus Osnabrück kommen und seit einigen Jahren regelmäßig zum Gildefest in der Stadt sind.

Anklage wegen Verführung der Wache: Martina Winrow musste sich freikaufen.
Anklage wegen Verführung der Wache: Martina Winrow musste sich freikaufen. © dr

Martina Winrow wurde vorgeworfen, das Gildefest klauen zu wollen, weil es in Osnabrück nur den Karneval gibt. Bei der Festnahme soll sie versucht haben, Wachesoldaten zu verführen. Gilderichter Otto Böttcher konnte zwar den Verführungsversuch anhand der „gewöhnlichen Kleidung nicht erkennen. Der Frau wurde aber auferlegt, sich bis zum Kinderschützenfest von der Wache fernzuhalten und nicht so lüstern zu schauen. Ehemann Bodo durfte sie dann per Spende ans Gericht freikaufen.

Frank Stauga soll die Wache nicht ordentlich verpflegt haben

Dem neuen Pächter des Ratskellers, Frank Stauga, wurde vorgeworfen, nachts den Kaninchen den Löwenzahn zu stehlen und daraus Gerichte herzustellen. „Die Wache mit Grünzeug zu ernähren, ist niederträchtig und hinterhältig“, warfen Böttcher und sein Kollege Thorsten Wawrzinek ihm vor. Stauga, der zudem als „Kollateralschaden der Evolution“ beschimpft wurde, musste versprechen, die Wache in Zukunft ordentlich zu ernähren. Als der Wirt einen Schein in die Kasse steckte, zeigte sich Böttcher sehr erstaunt darüber, wie viel Geld man mit Grünzeug verdienen kann.

Wirt Frank Stauga (l.) vor Gericht: Ihm wurde vorgeworfen, die Wachkompanie nicht ordentlich zu ernähren, weil er Löwenzahn verarbeitet.
Wirt Frank Stauga (l.) vor Gericht: Ihm wurde vorgeworfen, die Wachkompanie nicht ordentlich zu ernähren, weil er Löwenzahn verarbeitet. © Rohdenburg

Eheschließung mit geweihtem Korn

Im Rahmen der Verhandlungen sah sich das Gericht zudem genötigt, Nottrauungen durchzuführen. Das traf Susanne und Horst aus Oldenburg, die zwar gemeinsam, aber ohne Trauschein auf dem Gildefest unterwegs waren. Die Eheschließung per Urkunde und bis zum Ende des Gildefestes wurde mit geweihten Korn vollzogen. „Das brennt in den Augen, macht aber keine Rotweinflecken“, beruhigte Richter Carsten Kloster die Frischvermählten. „Nun gehet hin in Frieden und vermehret euch.“

Während andere Missetäter „begnadigt“ wurden, indem sie vom Leben in den Tod befördert und geteert sowie gefedert vom Burgberg gerollt werden sollten, konnte sich Wolfgang Daum aus Osterholz-Scharmbeck freikaufen. Ihm wurde vorgeworfen, er habe sich als Wachesoldat ausgegeben und versucht, die Fahne zu stehlen. So richtig mit der Sprache wollte Daum nicht raus. Er gab aber zu, dass er von der Bundeswehr nicht genommen worden sei und nun bei einer ordentlichen Truppe dienen wollte. „Wenn Sie für die Bundeswehr nicht gut genug waren, dann sind Sie es erst recht nicht für die Wache“, konterte Böttcher. Man solle den Angeklagten zur Strafe nach Groß Ippener-Süd verfrachten. Oder er solle sich freikaufen. „Das meiste Geld hat meine Frau schon ausgegeben“, klagte Daum. Er hatte dann aber doch noch einen Schein für die Kasse übrig und durfte weiter am Gildefest teilnehmen – allerdings nicht als Mitglied der Wachkompanie.

Frank „Jimmy“ Hartwig (r.), Wirt des „Jimmy‘s“, muss sich vor dem Gildegericht verantworten.
Frank „Jimmy“ Hartwig (r.), Wirt des „Jimmy‘s“, muss sich vor dem Gildegericht verantworten. © Bornholt

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