Wie realistisch ist die Darstellung?

Der Rettungsdienst im Dokutainment-Format

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Georg Rehaag am Rettungswagen. Hier checkt er die voll automatisierte elektrohydraulische Krankentrage.

Wildeshausen - Von „Auf Streife“ bis zur „Klinik am Südring“ und von „Auf Streife – Die Spezialisten“ bis zur „Ruhrpottwache“, der Fernsehnachmittag ist voll mit Sendungen im Dokutainment-Format. „Echte Einsatzkräfte handeln nach erzählten Vorfällern“, heißt es dazu, wenn Polizei und Rettungsdienste ihre Einsätze abarbeiten. Aber wie nah an der Realität sind diese Darstellungen? Wir haben mit dem Dienststellenleiter der Wildeshauser Malteser, Georg Rehaag, gesprochen. Die Fragen stellte Joachim Decker.

Herr Rehaag, sind Sie selbst auch noch im Einsatz?
Georg Rehaag: Ja, ich fahre als Rettungsassistent noch regelmäßig Einsätze.

Kennen Sie denn die angesprochenen Sendungen?
Ich schaue sie natürlich nicht regelmäßig, aber Teile davon habe ich mir schon angeschaut.

Wie realitätsnah sind sie?
Vielleicht 50:50, ein Teil ist sicherlich realistisch. Die Teams haben Berater, damit alles auch so rübergebracht werden kann.

Woher wissen Sie das?
Ich kenne eine Regisseurin, die für verschiedene Formate arbeitet. Sie hat mir berichtet, dass es für alle Belange Ansprechpartner in den Organisationen gibt.

Meinen Sie, dass die Einsatzkräfte immer echt sind?
Die werden schon zu den Organisationen gehören, deren Namen auf den Fahrzeugen stehen. Inwieweit sie aber ausgebildet sind, kann ich schlecht sagen. Normal hätten Rettungssanitäter gar nicht die Zeit für die langen Dreharbeiten. Wenn mich jemand danach fragen würde, müsste ich ihm eine Absage erteilen. Wir könnten kein Team stellen.

Wie kommt es, dass die Einsätze immer echt aussehen?
In großen Städten haben die Rettungsdienste Aushilfen und Studenten, auf die sie zurückgreifen können. Diese haben sicherlich Grundkenntnisse. Allerdings möchte ich bezweifeln, dass es Einsatzkräfte sind, die sonst auch in den Autos sitzen.

Wie finden Sie die Darstellung der Einsätze?
Um Menschen den Rettungsdienst näher zu bringen, ist das sicherlich nicht schlecht. Es spricht nichts dagegen, das auf diesem Wege zu machen. Es muss ja auch nicht alles im kleinsten Detail erklärt werden. Es ist wichtig, dass die Menschen sehen, wie unsere Arbeit aussieht.

Es ist oft die Rede davon, dass ein Schwerverletzter vom Notarzt noch vor Ort ins Koma gelegt wird. Gibt es das wirklich?
Zwar nicht ins Koma, sondern für gewisse Zeit in Narkose, aber das gibt es tatsächlich. Die Patienten werden dann intubiert beatmet. Gemacht wird das, um die Verletzten zu stabilisieren, damit wir während des Transports keine Überraschungen erleben. In einem Hubschrauber ist so etwas zum Beispiel gar nicht mehr möglich.

Wer darf intubieren?
Das darf und kann jeder Rettungssanitäter, es muss nicht der Notarzt machen. Unsere Regel ist es, dass es stets der Erfahrenste macht. Wir haben ein Zeitfenster, das eingehalten werden muss, um den Patienten schnell in die Klinik zu bringen.

Gezeigt wird immer wieder auch die Crash-Rettung. Gibt es auch die?
Ja, die wird auch angewendet. Die schonende Rettung kommt zum Einsatz, wenn der Patient stabil ist. Ist das aber nicht der Fall, erfolgt die Crash-Rettung. Das heißt, dass andere Methoden gewählt werden, um den Menschen schnell aus dem Auto zu bekommen, um Schädigungen vom Gehirn abzuwenden und ihn schnell behandeln zu können. Schließlich zählt dabei die Zeit. Diese Rettung erfolgt nach Absprache mit der Feuerwehr.

Wie ist denn die Zusammenarbeit mit den Kameraden?
Ich habe schon anderes gehört. Aber hier in Wildeshausen ist sie schlichtweg super. Anders kann ich das nicht sagen. Wir sind sehr gut aufeinander eingespielt. Unsere Azubis üben hin und wieder mit der Feuerwehr, auch das klappt hervorragend.

Gibt es das auch bei Ihnen, dass der Rettungsdienst bei Lapalien gerufen wird?
Aber ja, das hat in den vergangenen zwei Jahren enorm zugenommen. Die Leute verlieren zunehmend das instinktive Handeln. Wir werden sogar gerufen, wenn es darum geht, das Fieber zu senken. Viel lieber möchten wir natürlich dort sein, wo wir auch wirklich gebraucht werden. Solche unnötigen Einsätze verbrauchen Ressourcen.

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