SERIE: Die Geschichte der Wildeshauser Feuerwehr / Erste Löschgeräte bereits 1748

Noteimer zum Löschen für jeden Haushalt

Nach dem großen Brand von 1895: Das Foto zeigt die stehengebliebenen Häuser der Westerstraße. Fotos: Bürger- und Geschichtsverein

Wildeshausen – Was wäre Wildeshausen ohne seine beiden Freiwilligen Feuerwehren? Viele Bürger dieser Stadt wissen die Arbeit der Ehrenamtlichen sehr zu schätzen. Doch auch viele Menschen, die Wildeshausen gar nicht kennen, konnten insbesondere seit dem Bau der Autobahn 1 Mitte der 1960er-Jahre auf die Hilfe der Feuerwehren zählen, weil diese bei schweren Unfällen mit ihrem Engagement und ihrer hervorragenden Ausrüstung Leben retten konnten.

In diesem Jahr wird die Wildeshauser Feuerwehr 125 Jahre alt. Das ist ein Anlass, auf die Anfänge des Brandschutzes in der Wittekindstadt zurückzublicken, den es schon vor der Gründung der Feuerwehr gab. Laut der Chronik der Feuerwehr aus dem Jahr 1995 unter dem Titel „Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr“ wurden bereits 1748 erste Löschgeräte beschafft sowie Notbrunnen in der Stadt angelegt. Eine ohne Genehmigung beschaffte Löschmaschine führte sogar zu Streitigkeiten innerhalb des Rates.

1790 brannten 72 Wohnhäuser ab

Doch diese Vorkehrungen halfen kaum: Am 31. März 1790 kam es zu einem Großbrand von 72 Wohnhäusern und 19 Scheunen in Wildeshausen. 1830 gab sich die Stadt ein Feuerlöschungs- und Visitationsreglement. Jeder Bürger hatte bei Feuer oder anderen Notständen die Pflicht zur Hilfeleistung. Die Alarmierung erfolgte durch die Nachtwächter mit Feuerhörnern, zusätzlich wurde die Notglocke der Alexanderkirche geläutet.

Zu diesem Zeitpunkt waren in Wildeshausen drei Handspritzen vorhanden. Der Bürgermeister übernahm die erste, der Kämmerer die zweite und der Stadtsekretär die dritte. Jeder Spritze stand eine Truppe mit neun Mann zur Verfügung. Die Wasserversorgung wurde durch Reihenbildung vom nächsten Brunnen aus sichergestellt. Jeder Haushalt in Wildeshausen hatte einen Noteimer vorzuhalten und im Brandfall zur Kettenbildung abzugeben. Zu dieser Zeit entstand auch der vorbeugende Brandschutz. Viermal jährlich wurden die Feuerstellen auf ihre Sicherheit geprüft, ebenso achtete man auf feuergefährliche Baumängel.

Weiterer Großbrand im Jahr 1895

1895 kam es trotz dieser strengen Maßnahmen zu einem erneuten Großbrand. Dieser breitete sich von der Neuen Straße bis zum Hotel Stegemann an der Westerstraße aus. Von dort aus sprang das Feuer auf den Marktplatz über, von wo aus es die Burgstraße hinunterbrannte. 43 Gebäude, darunter 29 Wohnhäuser, wurden ein Opfer der Flammen. Wie durch ein Wunder gab es keine Toten.

Dieser Großbrand war der Anlass zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wildeshausen am 28. September 1895 im Immohrschen Saale. Dort fanden sich Bürger aller Schichten zusammen. Mehr als 60 Männer erklärten ihren Beitritt. Bereits am 3. Oktober wurden in einer erneuten Versammlung die Statuten genehmigt und der Brauereibesitzer Theo Sager zum ersten Hauptmann gewählt. Es traten zudem 18 weitere Männer der Feuerwehr bei.

Erste Brandbekämpfung war erfolgreich

Ihren ersten Einsatz hatten die Brandschützer am 4. Februar 1896. Um 8.30 Uhr wurde durch die Hornisten Alarm gegeben. Es brannte das Haus des Tischlermeisters Heinemann an der Düsternstraße. Der Feuerwehr gelang es, den Brand auf das Gebäude zu beschränken.

Untergebracht waren die Rettungskräfte in den ersten Jahren in einem Raum im Rathaus, der jedoch keineswegs den Anforderungen genügte. So verrotteten infolge hoher Feuchtigkeit ein Großteil der Schläuche.

Am 8. August 1897 erhielt die Feuerwehr ihr neues Spritzenhaus an der Hunte, das sie mehr als 100 Jahre lang bis 2017 nutzte. Mittlerweile ist die Feuerwehr in einem modernen Gebäude in der Wildeshauser Pagenmarsch beheimatet.

Zur Info.Die Feuerwehr Wildeshausen feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. In loser Reihenfolge blickt unsere Redaktion auf die Geschehnisse seit der Gründung zurück. Dabei nutzen wir das Archiv des Bürger- und Geschichtsvereins sowie Material der Freiwilligen Feuerwehr und Dokumente unserer Zeitung. Der erste Teil unserer Serie beleuchtet die Zeit vor der Gründung bis zum Umzug ins neue Gerätehaus im Jahr 1897.

 dr

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