Diskussion über Streichung der Standorte im Landkreis Oldenburg läuft

Notarzt nur noch in Wildeshausen?

Ein Notarzt-Schild auf einem Notarzt-Fahrzeug.
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Könnten nur noch von Wildeshausen aus fahren: Die Zukunft der Notarzt-Standorte im Landkreis Oldenburg wird diskutiert.

Derzeit wird diskutiert, ob Notarzt-Standorte im Landkreis Oldenburg geschlossen werden sollen. Der Landrat betont, dass er das auf keinen Fall will. Allerdings drohen jährliche Mehrkosten von knapp zwei Millionen Euro.

  • Laut einer Studie können zwei von drei Notarzt-Standorten im Landkreis Oldenburg aufgelöst werden.
  • Übrig bliebe nur noch ein Standort in Wildeshausen.
  • Der Landrat wehrt sich entschieden gegen diesen Vorschlag.

Bei Bürgern sowie der Fachebene in Rettungsdiensten sorgen zurzeit viele Gerüchte über eine diskutierte Neuordnung im Rettungswesen für Unruhe und Unsicherheit, teilte der Landkreis Oldenburg mit, der deswegen in einer Pressemitteilung den aktuellen Sachstand und das weitere Vorgehen darstellt. Landrat Carsten Harings betont darin: „Eine Verringerung der Notarzt-Standorte im Landkreis halte ich ausdrücklich für falsch.“

Zum Hintergrund: In einer Forschungsarbeit der Uni Maastricht wird empfohlen, die Notarzt-Standorte im Landkreis Oldenburg von drei auf einen zu verringern (wir berichteten). Zurzeit sind in Sandkrug, Bookholzberg und Wildeshausen Notärzte in den Rettungswachen stationiert. Übrig bleiben soll nach Meinung der Niederländer nur der Standort in der Kreisstadt. Hintergrund sind die gebietsübergreifenden Versorgungsstrukturen in die Städte Oldenburg und Delmenhorst hinein. Heißt zum Beispiel: Der Notarzt in Oldenburg kann schnell genug in Hude sein.

Warum eine Studie?

Das seit 2016 laufende Projekt „Bedarfsplanung Rettungsdienst“ ist eine Initiative von sechs Landkreisen und Städten sowie der Großleitstelle Oldenburg, die unter anderem den Landkreis Oldenburg betreut. Neben der Einbindung der gesetzlichen Krankenkassen als Kostenträger für den Rettungsdienst ist eine wissenschaftliche Begleitung durch die Universität Maastricht im Rahmen eines Forschungsvertrages etabliert worden.

Was ist das Ziel?

Die Forschungszusammenarbeit verfolgt das Ziel, den Rettungsdienst im gesamten Einzugsbereich der Großleitstelle bedarfsgerecht, qualitätssichernd, wirtschaftlich und damit vor allem zukunftssicher aufzustellen. Gemeinsam wurden Maßnahmen für eine weitreichende Optimierung der rettungsdienstlichen Strukturen und Prozesse erarbeitet. Eine gesicherte, nachhaltige Leistungsfähigkeit und hohe Versorgungsqualität durch die Rettungsdienste hatte oberste Priorität, so der Landkreis.

Was wurde schon umgesetzt?

Erste Schritte erfolgten bei allen Rettungsdienstträgern auf Basis entsprechender politischer Beratungen. Der zuständige Fachausschuss des Landkreises Oldenburg hat die Kreisverwaltung in öffentlicher Sitzung am 3. März 2020 mit einem einstimmigen Votum beauftragt, die ersten dargestellten Maßnahmen umzusetzen und mit den umliegenden Kommunen sowie den Kostenträgern bei Bedarf die bilateralen Folgefragen zu verhandeln und abzustimmen. Bislang wurden unter anderem in den Rettungswachen Fahrzeuge umgewidmet. Das heißt, sie bekamen eine veränderte Verwendung. Dadurch sollen die Fahrzeuge bedarfsgerechter und zielgerichteter eingesetzt werden. Konkret werden die technisch hochwertigen Rettungswagen für ihre eigentliche Aufgabe – Notfälle – entlastet. Die Evaluation dieser Maßnahmen läuft aktuell und soll auch noch weiter andauern, so der Landkreis.

Standortschließungen?

„Eine Beschränkung – wie in dem Projekt vorgeschlagen – auf nur einen Notarzt-Standort im Landkreis ist nicht akzeptabel und nicht hinnehmbar. Die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung ist nicht verhandelbar. Die über Jahre gewachsenen und bewährten Versorgungsstrukturen dürfen nicht leichtfertig aufgegeben werden“, macht Landrat Harings unmissverständlich seine Haltung deutlich. Zur Sachlage und zur Wahrheit gehöre aber auch, dass sich die Kostenträger in den anstehenden Verhandlungen auf die Projekt-Aussagen berufen dürften und das Ziel, drei Standorte zu erhalten, nicht einfach werden dürfte.

Auch ohne Zustimmung der Kostenträger kann der Landkreis weitere Standorte vorhalten. Die Kosten hierfür, die aus eigenen Mitteln finanziert werden müssten, belaufen sich pro Station auf rund 900 000 Euro pro Jahr. Harings hierzu weiter: „Das ist fraglos viel Geld, das an anderer Stelle dann fehlen würde. Aber Gesundheit kann man nicht kaufen. Und das Leben ist mit nichts zu bezahlen. Hier muss es eine Lösung auch mit den Kostenträgern geben.“ Die Rettungswachen an allen sechs Standorten mit Rettungswagen an sieben Tagen in der Woche und 24 Stunden am Tag zur Versorgung von lebensbedrohlichen Notfällen stehen ausdrücklich nicht zur Disposition.

Wie geht es weiter?

Am Status quo mit drei Notarztstandorten ändert sich erst einmal gar nichts. Die Spitzen der Kreistags-Fraktionen stimmen laut Mitteilung darin überein, dass die Vorschläge der Projektarbeit zu den Standorten so nicht akzeptabel sind. „Verwaltung und Politik befassen sich in vertiefenden Diskussionen mit der Problematik und erarbeiten dabei die bestmöglichen Lösungen“, heißt es in der Mitteilung. Dies immer vor dem Hintergrund, dass es im Sinne der Bürger keinerlei Qualitätsverluste im Rettungsdienst geben dürfe. Auch sei allen im Kreistag vertretenen Parteien wichtig, dass die Stärkung des ländlichen Raumes nicht nur eine Phrase ist, sondern mit Leben gefüllt wird. Hierzu gehört eben auch ein qualitativ hochwertiger Rettungsdienst.

Am 13. April soll erneut in öffentlicher Sitzung über die Thematik „Rettungsdienst“ beraten werden.

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