Verspätungen und Ausfälle an der Tagesordnung / RB 58 nur bis Delmenhorst

Nordwestbahn steht unter Druck

Die Nordwestbahn kommt oft verspätet in Wildeshausen an. Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Auf dem Abschnitt Vechta-Wildeshausen-Bremen (NWB) hat die Nordwestbahn massive Probleme mit Zugausfällen und der Pünktlichkeit. Laut der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) fielen im Juni 81 Züge aus, im Juli waren es 42, im August 30 und bis 21. September (aktuellste Information) 54. Zu den ungeplanten Ausfällen kommen noch die angekündigten Streichungen wegen Baustellen und des ab 2. September geltenden NWB-Ersatzkonzeptes an den Wochenenden. So fährt die RB 58 samstags und sonntags nicht mehr bis Bremen, sondern nur noch nach und von Delmenhorst. „Bis 21. September kommen weitere 134 ausgefallene Züge dazu“, teilt die LNVG auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Damit nicht genug: Im Juni hatten 24 Züge eine Verspätung von mehr als 20 Minuten, im Juli waren es elf, im August 49 und bis zum 21. September zehn.

Eine unbefriedigende Situation für Reisende und Pendler, aber auch für die NWB. „Wir können den Unmut der Fahrgäste verstehen und bitten um Entschuldigung“, sagte eine Sprecherin. Mit der Einschränkung der RB 58 am Wochenende hofft sie auf mehr Planbarkeit für die Bahnfahrer, da Lokführer dadurch frei und so andere Züge zuverlässiger würden.

Auch die LNVG ist nicht zufrieden. Sie soll im Auftrag des Landes ein bedarfsgerechtes öffentliches Verkehrsangebot erstellen und vergibt zum Beispiel Aufträge für Streckennetze an die NWB oder andere Anbieter. „Die Zugausfallquoten haben ein nicht akzeptables Maß erreicht. Ausgefallene und verspätete Züge haben für die NWB finanzielle Konsequenzen, wir behalten Zahlungen ein“, sagt ein LNVG-Sprecher. Im vergangenen Jahr seien drei Millionen Euro nicht an die Nordwestbahn ausgezahlt worden. „Die NWB wurde von uns bereits aufgefordert, die vertraglich vereinbarten Fahrten wieder nachhaltig sicherzustellen.“

Mit der Aufforderung an sich ist es allerdings nicht getan. Der Hauptgrund für die ungeplanten Zugausfälle ist aus Sicht der LNVG Personalmangel. Mehr als 40 Prozent der Bahnen seien nicht gefahren, weil Triebfahrzeugführer gefehlt hätten. Zusätzliche – neu ausgebildete – Triebfahrzeugführer werden erst im Frühjahr 2020 zur Verfügung stehen, weiß man bei der LNVG. „Es fehlen in der Tat bundesweit Lokomotivführer“, so der Sprecher. Aber: „Die Eisenbahnunternehmen hätten darauf früher reagieren und mehr ausbilden müssen. Es ist Kernaufgabe jedes Unternehmens, dafür zu sorgen, dass es genug Mitarbeiter hat.“ Das Land helfe jetzt dabei, zusätzliche Lokomotivführer zu gewinnen. „Die Verantwortung fürs Personal können wir den Bahnunternehmen aber nicht abnehmen“, betont er.

Bei der NWB weiß man um die schwierige Situation. „Der Markt um fertig ausgebildete Triebfahrzeugführer ist heiß umkämpft, und Kündigungszeiten von wenigen Wochen stehen einer monatelangen Ausbildung von neuen Triebfahrzeugführern entgegen“, teilt das Unternehmen auf Nachfrage mit. Neben einer Ausbildungszeit von rund neun Monaten kommen mindestens drei Monate für Rekrutierung und mindestens ein weiterer Monat für innerbetriebliche Qualifizierungen hinzu, rechnet eine Sprecherin vor. „Aus diesem Grund hatten sich in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen ein Teil der Eisenbahnverkehrsunternehmen dazu verpflichtet, sich gegenseitig keine ausgebildeten Triebfahrzeugführer abzuwerben. Die NWB sieht diese Abkommen als einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung.“ Nur durch die stete Ausbildung von Triebfahrzeugführern könne die Situation entspannt werden.

Fahrgastvertreter kritisiert NWB

Fahrgastvertreter wie Werner Stommel aus Wildeshausen, stellvertretender Landesvorsitzender im „PRO Bahn“ Regionalverband Oldenburger Land, sehen unter anderem hausgemachte Probleme als Ursache für die Situation. „Die Verspätungen gehen oft auf Infrastrukturmängel zurück, die Ausfälle auf Personalmangel an Triebfahrzeugführern. Letzteres Problem haben viele Bahnunternehmen. Jedoch ist es bei der NWB augenscheinlich besonders groß“, meint er.

Die Beschränkung der RB 58 am Wochenende wertet der Wildeshauser als gravierenden Einschnitt. „Erinnern wir uns: Die Anbindung der Züge bis Bremen Hauptbahnhof war ab dem Jahr 2000 eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg der NWB. Sie muss auch dringend wieder für alle sieben Tage der Woche hergestellt werden.“ Als vorübergehende Maßnahme könne die Einschränkung aber für die Fahrgäste von Vorteil sein, wenn dadurch sichergestellt werde, dass die verbleibenden Fahrten zuverlässig und pünktlich erfolgen. Wobei: „Eine gewisse Skepsis ist angebracht. Letzte Woche gab es wieder Ausfälle beim RE 18 von Wilhelmshaven nach Osnabrück“, so Stommel. „PRO Bahn“ erwarte eine deutliche Verbesserung.

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