Interview Dr. Carsten Görner über die Auswirkungen der Geflügelpest im Landkreis Oldenburg

Noch kein Ende in Sicht

Akute Ansteckungsgefahr: Rund um die Ausbruchsherde müssen Sperrbezirke eingerichtet werden. 
Symbolfoto: dpa
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Akute Ansteckungsgefahr: Rund um die Ausbruchsherde müssen Sperrbezirke eingerichtet werden. Symbolfoto: dpa

Landkreis – Die Vogelgrippe greift im Landkreis Oldenburg weiter um sich. Inzwischen sind aufgrund von Ausbrüchen hier sowie im Nachbarlandkreis Cloppenburg rund zwei Drittel des hiesigen Kreisgebiets als Restriktionszonen ausgewiesen. Für einen Kreis in dem rund 7,7 Millionen Stück Geflügel gehalten werden, ist das Auftreten der hochansteckenden Krankheit eine Herausforderung. Dr. Carsten Görner, Leiter des Kreis-Veterinäramtes in Wildeshausen, geht im Interview mit unserer Zeitung auf die Situation ein. Die Fragen stellte Gero Franitza.

Herr Dr. Görner, wie ist die aktuelle Lage im Landkreis Oldenburg? Wie viele Betriebe sind gegenwärtig mittelbar und unmittelbar betroffen?

Nach dem ersten Ausbruch in Prinzhöfte haben wir aktuell einen zweiten Ausbruch in Wardenburg-Westerburg mit 14 000 Putenhähnen.

Welche Maßnahmen sind bislang ergriffen worden? Musste Geflügel getötet werden? Falls ja, wie geht dies vonstatten?

Zunächst wird bei einem Verdachtsfall der Betrieb gesperrt, es müssen alle nicht notwendigen Kontakte unterbunden werden. Die bereits stattgefunden Kontakte werden ermittelt und auf eine mögliche Verschleppung hin untersucht. Jede Haltung, bei der Geflügelpest nachgewiesen wurde, muss getötet werden. Bei unseren Fällen werden die Putenställe abgedichtet und mit Kohlendioxid geflutet. Die Tiere werden zunächst bewusstlos und gehend gleitend in den Tod über. Bei anderen Haltungsformen müssen jeweils angepasste Methoden verwendet werden.

Wie fällt eine Infektion auf? Müssen alle Betriebe täglich überprüft oder beprobt werden?

In der Regel erkranken die Tiere sehr schnell und sterben. Sofern mehr als zwei Prozent der Tiere in einem Stall verenden, ist der Halter verpflichtet, mit seinem Tierarzt die Todesursache zu ermitteln. Derzeit werden aber Verdachtsfälle wesentlich eher gemeldet, das heißt, schon bei geringen Anzeichen auf eine Erkrankung wird das Veterinäramt oder der betreuende Tierarzt informiert. Dann werden Blut- und andere Proben genommen und nach wenigen Stunden, meist am gleichen Tag, liegt ein Ergebnis vor.

Wie kommen die Erreger in die Betriebe beziehungsweise Haltungen?

Derzeit ist das Virus in der Wildvogelpopulation weit verbreitet. Putenställe sind relativ offen gebaut, sodass Viren beispielsweise über die Luftöffnungen in den Stall gelangen können. Eine weitere Eintragsursache besteht durch Kontakte von Reifen oder Schuhwerk mit Kot von infizierten Wildvögeln, zum Beispiel beim Nachstreuen der Ställe. Weitere Eintragsursachen sind allerdings nicht ausgeschlossen.

Warum sind so drastische Maßnahmen – etwa Sperrbezirke oder sogar Keulungen ganzer Ställe – notwendig?

Bei der Geflügelpest handelt es sich um eine tödliche Krankheit für Geflügel. Zur Bekämpfung der Seuche kann die Infektionskette nur unterbrochen werden, wenn infiziertes Geflügel schnellstmöglich getötet und unschädlich über eine Tierkörperbeseitigungsanlage entsorgt wird.

Aber auch aus Gründen des Tierschutzes zur Vermeidung von Leiden durch eine unheilbare Krankheit ist eine rasche Tötung geboten. Das Einrichten von Restriktionszonen ist zur Vermeidung der weiteren Verbreitung und zur schnelleren Erkennung der Seuche notwendig. Die Maßnahmen sind ein seit Jahrzehnten bewährtes Mittel zur Seuchenbekämpfung.

Dürfen Geflügel und Produkte aus den Sperrbezirken oder Beobachtungsgebieten noch verwertet werden? Wie sieht es etwa mit Hühnereiern vom Hofladen in der Nachbarschaft aus?

Ja, je nach Restriktionszone dürfen Geflügel und deren Produkte mit Ausnahmegenehmigungen und unter bestimmten Voraussetzungen – zum Beispiel regelmäßige Untersuchungen – abgegeben werden. Der Verkauf von Konsumeiern, die außerhalb der Zonen gewonnen wurden, ist im Lebensmitteleinzelhandel – auch in den Zonen – ohne Einschränkungen möglich.

Falls Mästern und Verarbeitern Kosten durch die Seuche entstehen, wer kommt dafür auf? Lässt sich abschätzen, wie hoch der finanzielle Schaden im Landkreis bislang ist?

Es werden durch die Tierseuchenkasse nur bei Tötungen der Wert der Tiere, deren Entsorgung und die Reinigung und Desinfektion übernommen. Alle weiteren Kosten, die zum Beispiel durch Leerstand oder schlechtere Vermarktung entstehen, müssen vom Tierhalter selber getragen werden. Der wirtschaftliche Schaden insgesamt im Landkreis Oldenburg kann nicht geschätzt werden.

Wie viel Personal bindet die Seuche im Veterinäramt? Müssen andere Aufgaben gegebenenfalls zurückgestellt werden?

Alle Mitarbeiter des Veterinäramtes sind in die Seuchenbekämpfung einbezogen. Die eigentlichen Dienstgeschäfte können nur in eingeschränktem Maße und in sehr wichtigen Fällen wahrgenommen werden.

Ist ein Ende der jetzigen Situation absehbar? Wie lange bleiben die Sperrbezirke bestehen?

Nein, die bisherige Lage und die Erfahrungen aus dem Seuchengeschehen aus den Jahren 2016 und 2017 lassen vermuten, dass mit Seuchenausbrüchen und Einschränkungen noch bis März oder April dieses Jahres zu rechnen ist. Sicher ist man sich allerdings erst hinterher …

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