Wildeshauser Firmen mit Bewerbersituation zufrieden

Noch 350 Ausbildungsplätze im Landkreis frei

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Marc Scholz ist Maurerlehrling. Für den 20-Jährigen ist die Ausbildung bei Rang Bau in Wildeshausen ein Sprungbrett, um später Bauingenieurswesen zu studieren.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Die Zahl der Bewerber für Ausbildungsplätze ist im Landkreis Oldenburg zwar um gut neun Prozent zurückgegangen. Doch wenn man sich bei Firmen in Wildeshausen umhört, hält sich die Unzufriedenheit in Grenzen. Gleichwohl werden laut aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur noch rund 350 Azubis im Landkreis gesucht.

„Bei uns sind alle Ausbildungsstellen vergeben“, meldet Ingo Hermes von Hermes Systeme in der Kreisstadt. Sechs Elektroniker-Azubis und zwei angehende Bürokaufleute würden zum 1. August anfangen. Die ersten Verträge waren schon zum Jahresende geschlossen worden. Allgemein meint Hermes, der auch Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung (MIT) Wildeshausen ist, dass „die Handwerksberufe eine Renaissance erleben“. Dies begründet er mit steigenden Löhnen. „Die Baubranche boomt, und wer einen Handwerksberuf erlernt, muss sich um sein Auskommen keine Gedanken machen“, so Hermes. Gleichwohl sei es wichtig, dass Firmen viel Zeit und Geld in die Ausbildung investierten. „Wir brauchen fähige Leute.“

Und die müssen angelockt werden. Das betont zumindest Helmut Rang, der nicht nur zweiter stellvertretender Vorsitzender der MIT ist, sondern auch eine Baufirma hat. Bei ihm fangen im August zwei Maurerlehrlinge an. „Wir sind in Kontakt mit den Berufsschulen, machen Werbung. Es ist ganz selten, dass niemand ausgebildet wird“, informiert Rang. Gleichwohl gebe es sicherlich auch Handwerksbetriebe, „wo die Azubis nicht mehr so Schlange stehen wie früher“. Deswegen sei es wichtig, sich zu vernetzen und mit den Schulen zusammenzuarbeiten. Besonders lobt er das Projekt „Ausbildungsreise“, bei dem Jungen und Mädchen der weiterführenden Schulen in der Kreisstadt hinter die Kulissen verschiedener Firmen schauen können.

Auch die Arbeitsagentur bietet Orientierung. Seit Oktober haben sich im Landkreis 816 Bewerber für Azubistellen bei der Behörde verzeichnet. Das sind 83 weniger als im Vorjahr. Zugleich meldeten die Betriebe 689 Stellen für Auszubildende, ein Plus von knapp sechs Prozent. Ende Juni waren noch 354 Bewerber unversorgt. Zudem waren 344 Ausbildungsstellen unbesetzt.

„Berufe im Büro und im Verkauf sind bei vielen Jugendlichen beliebt“, sagt Dr. Thorsten Müller von der Arbeitsagentur. „Unter den Top Ten sind gewerblich-technische Berufe mittlerweile weniger vertreten als vor einigen Jahren“, ergänzt er. Dabei würden diese Jobs auch in Zeiten der Digitalisierung des Arbeitslebens weiterhin enormes Potenzial bieten. Im Handwerk und in der Produktion werde vielerorts mit modernsten Hilfsmitteln gearbeitet. „Die Arbeitsweise verändert sich durch den Einsatz von Informationstechnik, und das ist für die jungen Leute eine gute Möglichkeit, ihr IT-Know-how, ihre Leichtigkeit im Umgang mit digitaler Technik einzubringen.“

IHK: „Einbruch im Handel“

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Oldenburg geht man davon aus, dass die Zahl der Ausbildungsplätze stabil bleibt. „Das wäre sehr gut“, sagt Stefan Bünting, stellvertretender Abteilungsleiter für die Aus- und Weiterbildung bei der IHK. Doch nicht jede Branche entwickelte sich gleich. So sei der Metallbereich stabil aufgestellt, während es „im Handel einen Einbruch gibt“, stellt Bünting fest. Grundsätzlich würden die Betriebe händeringend nach Azubis suchen, um dem Mangel an Fachkräften entgegenzuwirken. Die Zahl der Schüler steige schließlich nicht. „Und viele zieht es in ein Studium.“ Aber die IHK kämpfe dafür, dass Jugendliche erst einmal eine Lehre machen. Dazu berät die Kammer im Rahmen des Projekts „Top-Ausbildung“ Firmen dabei, ihre Azubis besser zu schulen. Laut Bünting gibt es sogar eine Warteliste für Unternehmen.

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