Wildeshausen-West: Projektentwickler sichert zu, das Risiko zu übernehmen

Neuer Investor stellt Pläne vor

So könnte der Autohof bei der Abfahrt Wildeshausen-West aussehen: Das Hotel befindet sich über dem Tankshop. GRAFIK: Nanz-Gruppe

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Der neue Investor für das Industriegebiet Wildeshausen-West beabsichtigt, 18 Millionen Euro zu investieren, um einen hochwertigen Autohof mit Hotel zu bauen. Die Pläne wurden am Donnerstag im Finanzausschuss der Kreisstadt vorgestellt. Wie Peter Hilken von der Interrast GmbH mitteilte, soll das Gebiet für Industrie- und Gewerbebetriebe gemeinsam mit der Stadt entwickelt werden. Die in Brinkum ansässige Interrast GmbH sei als Projektentwickler für den Investor, die Nanz-Gruppe aus Stuttgart, tätig.

„Wir versprechen uns etwas davon“, begründete Hilken das geplante Investment. „Die Stadt geht nicht ins Risiko“, versicherte er. Mit den Eigentümern der Flächen seien Kaufverträge verhandelt, die noch vom Anwalt der Firma geprüft würden. Kommende Woche könnten sie unterschrieben werden. Allerdings treten sie nur in Kraft, wenn der Bebauungsplan für das Industriegebiet rechtskräftig wird.

Der städtische Wirtschaftsförderer Claus Marx verwies darauf, dass noch kein entsprechender städtebaulicher Vertrag geschlossen sei. Bestandteil einer solchen Vereinbarung müsse aber auf jeden Fall sein, „dass der Investor sämtliche Kosten übernimmt, damit das Risiko für die Stadt minimiert wird“. Das bestätigte Hilken während der Sitzung.

Autohof mit Hotel geplant

Wie berichtet, steht jetzt die Änderung des Flächennutzungsplans für das Industriegebiet gleich bei der Autobahnabfahrt Wildeshausen-West an. Anschließend müsste ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Wie lange das alles dauert, ist zeitlich schwer einzuschätzen. Weil sich auf dem Gelände ein mehr als 25 Hektar großer Wald befindet, sehen Naturschützer und Anwohner das Vorhaben äußert kritisch. Wirtschaftsförderer Marx wies darauf hin, dass es jetzt nur um die Vorstellung des Vorhabens gehe und noch nicht um den Bebauungsplan. „Wir wollen gucken, ob wir auf dem richtigen Weg sind.“

Der Projektentwickler räumte ein, dass der Markt für Autobahnraststätten eigentlich gesättigt ist. Nur zwei Ausfahrten südlich und eine Ausfahrt nördlich von Wildeshausen-West gibt es bewirtschaftete Rastanlagen. „Aber es besteht ein Bedarf an gut geführten Autohöfen“, ist sich Hilken sicher. „Dazu gehören eine vernünftige Gastronomie, ein Hotel und gute sanitäre Einrichtungen.“ Das Hotel soll 76 Zimmer haben und sich über dem Tankstellenshop/Gastro-Bereich befinden. Außerdem seien gesicherte Stellflächen für Lastwagen vorgesehen, wo weder Diesel noch Ware geklaut werden könne. „Wir wollen Truckern eine Heimat bieten“, sagte Hilken. Gleichzeitig seien Autofahrer ebenfalls eine Zielgruppe. Die Fahrzeuge würden einen eigenen Parkplatz bekommen. Laut Hilken ist das ganze Projekt deutlich ambitionierter als vergleichbare Autohöfe, die auch nur rund sieben Millionen Euro kosten würde. Wie der Projektentwickler sagte, gibt es bereits Zusagen eines Hotel- und eines Tankstellenbetreibers. Was die Gastronomie angehe, habe die Coronakrise für einige Verwerfungen gesorgt. Trotzdem sei er optimistisch, dass sich ein Betreiber finde.

Aber Hilken und Co. geht es ja nicht nur um den Autohof, sondern um das ganze Gebiet. Vorgesehen sei, dass die ersten Betriebe unmittelbar nach dem Autohof auf dem Areal bauen könnten. Hintergrund ist, dass der Wildeshausen Unternehmer Karsten Scheele plant, den Sand unter dem Wald auszubaggern und zu verwerten. Das soll bis zu vier Jahre dauern, in denen Stück für Stück mehr Gelände für die industrielle und gewerbliche Nutzung frei werden soll.

Stellt sich noch die Frage, welche Firmen sich dort ansiedeln. Die Vermarktung soll die Stadt übernehmen. Laut Wirtschaftsförderer Marx gibt es vier konkrete Anfragen aus Wildeshausen. Derzeit gehe es zum einen um die Bedarfe, zum anderen um die Nachnutzung des jetzigen Betriebsgeländes.

Nicht nur Logistiker ansiedeln

Die Preisgestaltung richtet sich natürlich auch nach dem Investor. „Die Erschließungskosten werden transparent dargestellt und von der Stadt geprüft. Wir orientieren uns am Umland und werden keine Mondpreise verlangen“, betonte Hilken. Als Beispiel nannte er 55 Euro pro Quadratmeter in einem vergleichbaren Gebiet am Bremer Kreuz in Achim.

Was die Betriebe vor Ort angeht, erklärte der Entwickler: „Wir möchten eine Mischung haben. Vernünftiges Gewerbe ist auch mit Arbeitsplätzen verbunden. Die Nanz-Gruppe sucht nicht nach zwei, drei Logistikern.“

Angesichts der vielen neuen Informationen, und da es im Ausschuss jetzt erst einmal nur um die Kenntnisnahme ging, hielten sich die Politiker mit Fragen zurück. Rainer Kolloge (UWG) wies auf die große Artenvielfalt hin, die weichen müsste. Manfred Rebensburg (Grüne) wollte wissen, ob sich Hilken eine ökologische Bindung vorstellen könne – sprich, dass Dachbegrünung und Co. verpflichtend sind. „Das kommt für uns infrage. Es geht uns nicht darum, einfach etwas zuzupflastern“, erwiderte der Projektplaner. Fotovoltaik und Elektrotankstellen seien auf dem Autohof geplant. Auch Wasserstoff soll ein Thema sein.

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