Sie pflegen Kontakte

Syrische Familie Aldaher hat neue Heimat in Wildeshausen gefunden

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Drei Generationen sitzen gemeinsam am Tisch der Aldahers. Der Kontakt zwischen den Nachbarn ist freundschaftlich.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Es war der 20. November 2015, als die Familie Aldaher nach langer Flucht aus Syrien über die Balkanroute mit dem Bus vor der Sporthalle des Gymnasiums in Wildeshausen ankam. Tamer Aldaher, seine Frau Rasha Al-Masri und die fünf Kinder Massa (4), Molham (7), Adham (9), Mehdi (11) und Hadi (13) kannten hier niemanden. Zwei Jahre später ist die Familie in Wildeshausen zu Hause und pflegt gute Kontakte zur Nachbarschaft.

Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen kann gelingen, wenn alle Beteiligen offen aufeinander zugehen. Das erfuhr Herta Kröger zunächst aus dem Radio und dem Fernsehen. „Dort berichtete man, dass Flüchtlinge oft nicht den Mut haben, den ersten Schritt zu machen“, erinnerte sie sich. Deshalb habe sie damals, als die Aldahers an die Ahlhorner Straße zogen, kurz entschlossen zusammen mit ihrer Schwester geplant, auf die syrische Familie zuzugehen – und sich zunächst mit Händen und Füßen verständigt.

Das war einer der Wege, als Nachbarn zueinanderzufinden. Der schnellste und erfolgreichste Kontakt hingegen lief über die Kinder, berichtet Herta Krögers Sohn Torsten. Seine Söhne Leonard, Matthias und Carlo trafen sich immer wieder mit den neuen Nachbarskindern zum Fußballspielen. Als Carlo eines Abends bis um 21 Uhr nicht von drüben zurückgekommen sei, sei er selbst dort hingegangen, um nachzuschauen. „Es gab erst einmal einen Tee“, erinnerte er sich. „Und die neuen Nachbarn waren gleich sehr freundlich.“

„Wir geben das zurück, was wir empfangen“, sagt Tamer Aldaher rückblickend. „Wir müssen uns bedanken. Dass wir hier leben dürfen, ist eine große Chance für uns“, lobte er die Willkommenskultur in Wildeshausen.

Start war nicht leicht

Der Start hingegen war auch hier nicht leicht. Die Familie musste eine Weile in der Sporthalle leben, dann allerdings wurden die Aldahers wegen einer dringend notwendigen Operation bei Rasha nach Oldenburg ins Kloster Blankenburg gebracht.

„Wir wollten aber gerne zurück nach Wildeshausen“, erinnerte sich Tamer. „Hier hatten wir gleich Hilfe bekommen, die Leute sind so freundlich, und die Stadt gefällt uns.“

Zusammen mit Kristiane Helter und Sabine Müller von der Initiative „Willkommen – Miteinander in Wildeshausen“ gelang es, beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Rückkehr der Aldahers in die Kreisstadt im Februar 2016 zu erreichen. Seit Sommer 2016 sind die Syrer nun anerkannte Asylbewerber und dürfen zunächst drei Jahre bleiben.

Tamer arbeitete als Rechtsanwalt

Während die Kinder in der Schule schnell deutsch lernten, besuchten die Eltern Kurse in der Volkshochschule. Mittlerweile sprechen alle die Sprache ihrer neuen Heimat gut. Rasha hat bereits ein Praktikum in einem Wildeshauser Bekleidungsgeschäft absolviert und hofft auf eine Anstellung. Tamer ist auf der Suche. Er hat in Aleppo als Rechtsanwalt gearbeitet, doch eine derartige Tätigkeit ist hier wegen der Sprachbarrieren kaum denkbar. Da seine Familie in Syrien Pflanzen angebaut hat, bis die Plantagen und ihre Häuser im Krieg zerstört wurden, könnte er ebenso wie sein Bruder in diesem Bereich tätig werden, wenn die Sprache noch ein wenig besser klappt.

Diese Bemühungen werden von den neuen Nachbarn an der Ahlhorner Straße sehr anerkannt. „Sie haben den absoluten Willen zur Integration“, sagte Torsten Kröger, der sich zudem über die große Hilfsbereitschaft der Aldahers freut.

Mittlerweile sehen sich die Familien oft und laden sich gegenseitig ein. Im Sommer wurde auch gemeinsam im Garten gegrillt, und jetzt im Herbst trifft man sich eben drinnen in warmen Räumen. Dort ist der Tisch der Aldahers immer ganz schnell gedeckt, denn Gastfreundschaft ist in Syrien das oberste Gebot.

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