Andreas Everinghoff und Colja Wichers führen jetzt die Hauptschule

Neue Chefs an der Hauptschule Wildeshausen: Postbote und Anwalt als Rektoren-Duo

Bei der offiziellen Ernennung: Thomas Eilers (Stadt Wildeshausen, von links), Colja Wichers (kommissarischer stellvertretender Schulleiter), Rektor Andreas Everinghoff und Carsten Kliegelhöfer von der Landesschulbehörde.
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Bei der offiziellen Ernennung: Thomas Eilers (Stadt Wildeshausen, von links), Colja Wichers (kommissarischer stellvertretender Schulleiter), Rektor Andreas Everinghoff und Carsten Kliegelhöfer von der Landesschulbehörde.

Andreas Everinghoff ist neuer Rektor der Wildeshauser Hauptschule. Als Konrektor unterstützt ihn ein ehemaliger Strafverteidiger. Beide wurden Freitag ernannt.

Mit Rektor Andreas Everinghoff und dem kommissarischen stellvertretenden Schulleiter Colja Wichers hat die Hauptschule Wildeshausen ein ungewöhnliches, neues Führungsduo. Denn Everinghoff, seit 2016 Konrektor, ist gelernter Postbote, während Wichers erst seit Kurzem Lehrer ist und lange Jahre als Strafverteidiger in Oldenburg aktiv war.

Beide wurden am Freitagvormittag offiziell von Carsten Kliegelhöfer von der Landesschulbehörde ernannt. Auch Thomas Eilers von der Stadt Wildeshausen, dem Schulträger, gratulierte und brachte „Nervennahrung“ – Kaffee und Süßigkeiten – mit.

Everinghoff (49) verließ 1988 die Realschule in Bad Lippspringe und hatte Glück, dass er einen Ausbildungsplatz bei der Deutschen Bundespost bekam. Als ausgelernter Postbote war der heutige Rektor aber nur ein Jahr tätig und besuchte danach ein Kolleg, das er mit der allgemeinen Hochschulreife abschloss. „Ich war mir nicht sicher, ob ich mein ganzes Leben Postbote sein möchte, obwohl ich die Erfahrung auch nicht missen möchte“, sagte er. Es folgten das Studium und schließlich sogar die Promotion zum Doktor phil. Seit August 2008 ist Everinghoff Lehrer an der Hauptschule in Wildeshausen und folgt nun auf die im Sommer in den Ruhestand gegangene Dorit Hielscher im Amt des Rektors. Er ist verheiratet und lebt in der Kreisstadt.

Erst Strafverteidiger, nun Pädagoge

Wichers (47) verfügt ebenfalls über einen für Lehrer ungewöhnlichen Lebenslauf. Der ausgebildete Volljurist war acht Jahre als selbstständiger Strafverteidiger in Oldenburg aktiv, bevor er ein zweites Studium aufnahm. Oft habe er mehr als 60 Stunden in der Woche gearbeitet und sei viel durch Deutschland gereist. Er habe sich zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen, sagte der zweifache Vater, der mit Frau und Kindern in Oldenburg lebt. Der Kunst- und Wirtschaftslehrer hat seit dem Abschluss seines Referendariats erst ein Jahr als Lehrer gearbeitet, und zwar an der Hauptschule Wildeshausen. „Wirtschaftlich war das nicht sinnvoll“, sagte Wichers. Genau wie sein Interesse an der Stelle als kommissarischer stellvertretender Schulleiter – kommissarisch, weil er noch Beamter auf Probe ist. Ganze 250 Euro mehr pro Monat erhält der Pädagoge dafür, dass er Everinghoff unterstützt.

Das sei ein Job für Idealisten, betonte Kliegelhöfer von der Landesschulbehörde. Es sei nicht unüblich, dass Lehrer mit ein bis drei Jahren Berufserfahrung Konrektoren würden. Im Leitungsteam müsse man schon „mit der Schule verheiratet sein“. So viel Einsatz brächte nicht jeder Lehrer auf. Im Gegensatz zu vielen Kollegen decke Everinghoffs und Wichers‘ Werdegangs nicht nur Abitur, Studium und dann den Einsatz als Lehrer ab. „Deswegen sind diese Lebensläufe so wichtig für die Schule“, so Kliegelhöfer. Die Erfahrung im beruflichen Vorleben führe zu einer ganz anderen didaktischen und auch Führungs-Ausrichtung.

Große Aufgaben in den kommenden Jahren

Everinghoff hofft, dass sein Lebenslauf den Schülern zeigt, welche Chancen sie haben. „Das Bildungssystem in Deutschland ist so durchlässig, dass vieles möglich ist“, sagte er. So sei seine Zeit am Kolleg ein Neuanfang gewesen. Sein damaliger Vorgesetzter bei der Post habe ihn zu diesem Schritt ermutigt, erinnert sich der 49-Jährige. Er möchte Schülern und Lehrern Freiräume eröffnen, damit viel individuelle Förderung möglich ist.

Gemeinsam mit Wichers steht Everinghoff vor großen Aufgaben. Der Schulstart ins neue „Corona-Jahr“ ist zwar gemeistert worden, aber immer noch erschwert die Raumnot die Arbeit an der Hauptschule. Eilers, der Bürgermeister Jens Kuraschinski vertrat, sprach von „gewaltigen Herausforderungen“. Im kommenden Jahr wolle die Stadt gemeinsam mit der Schule die schwierige Situation der Lehrerzimmer in den Griff kriegen. Wie berichtet, ist das jetzige Lehrerzimmer so klein, dass die Kollegen auch unter Nicht-Corona-Bedingungen auf drei Räume aufgeteilt werden müssen. Und in einigen Jahren stehe dann ja die große Erweiterung an, so Eilers. Viel zu tun also für das ungewöhnliche Duo an der Spitze der Hauptschule.

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