„Umweltfrevel“ in Wildeshausen?

Naturschützer kritisieren katholische Kirche

Weggeräumt: Kompost und Strauchschnitte wurden zu einem Wall zusammengeschoben.
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Weggeräumt: Kompost und Strauchschnitte wurden zu einem Wall zusammengeschoben.

Wildeshausen – Die Schöpfung bewahren und pflegen: Das ist ein Anliegen nicht nur von Christen, sondern von vielen Menschen. Wie das sinnvoll geschehen soll und welcher Aufwand dafür getrieben werden muss, da gehen die Meinungen immer wieder auseinander. Wie bei einem knapp 10 000 Quadratmeter großen Grundstück im Besitz der katholischen Kirche, das von vielen Bürgern als Kleinod mit altem Baumbestand mitten in Wildeshausen bewertet wird.

Es liegt gegenüber dem Kindergarten Knaggerei und wurde der Kirche vor einem halben Jahrhundert zusammen mit dem Grundstück der Villa Knagge vom Dominikanerorden überlassen.

Städtebaulich nutzbar ist das Areal derzeit nicht. Der Provisor der katholischen Kirchengemeinde, Bernhard Kramer, hatte es vor Jahren als Baufläche für eine Grundschule angeboten. „Man kann hier eigentlich nur etwas für soziale Zwecke machen“, sagt er.

Naturschützer kritisieren „Umweltfrevel“

Aber auch dann gilt es, den naturnahen Charakter des Grundstücks zu beachten. So kritisieren Mitglieder des Naturschutzbundes Dötlingen-Wildeshausen, dass der Besitzer auf der Fläche „Umweltfrevel“ begeht. „Dort wurden gewaltige Planierungsarbeiten vorgenommen, denen Sträucher, Hecken und Bäume zum Opfer fielen“, moniert Uta Barth. „Warum wurde der Gehölzbestand so stark ausgelichtet, dass Vögel, Insekten oder andere Wildtiere keinen Unterschlupf mehr vorfinden?“, fragt sie.

Kramer bestätigt, dass in den vergangenen Jahren Bäume abgeholzt wurden. Er habe sich vorher bei der Stadt erkundigt, so der Provisor. Daraufhin sei das Areal vom Sachverständigenbüro Steenken aus Hatten begutachtet worden.

Der Gutachter sollte allerdings „nur“ fünf Ahorne und eine Buche beurteilen, weil der Zustand der Bäume nicht eindeutig zu klären war. Laut Gutachter handelt es sich bei dem Grundstück der katholischen Kirche um eine parkartige Anlage mit einem lichten Baumbestand, vorwiegend Ahorne, Eichen, Buchen sowie Linden. „Es ist deutlich zu erkennen, dass in den vergangenen Jahren wenig Baumpflege betrieben wurde“, heißt es vom Gutachter. Die Erkenntnis des Fachmanns war, dass ein Spitzahorn und zwei Bergahorne stark durch Faulstellen und Parasiten geschädigt waren und gefällt werden mussten. Zwei Bergahorne und eine Buche konnten durch Pflegemaßnahmen erhalten werden und stehen weiterhin auf dem Grundstück.

Jährliche Pflegekosten von 10.000 Euro

„Wir haben zudem Ersatzpflanzungen in Auftrag gegeben, die wir gar nicht hätten vornehmen müssen“, berichtet Kramer. „Die Pflege des Grundstückes kostet die Kirche jährlich 10 000 Euro“, führt er aus. Leider gebe es einige Anlieger, die die Fläche zur Entsorgung ihrer Gartenabfälle nutzen. Diese, sowie Komposthaufen, die seit Jahrzehnten von der Kirche angefahren worden seien, habe er vor geraumer Zeit zu einem Wall zusammenschieben lassen. „Das Grundstück zeigt sich nunmehr in einem gepflegten und aufgeräumten Zustand“, findet Kramer. Auf der einen Seite zu aufgeräumt und auf der anderen extrem unsachgemäß, meint Barth. So seien Naturflächen mit Schneeglöckchen und Krokusfeldern und eine Hecke weggeschoben worden. Der Wall zu den nebenan liegenden Häusern sei hingegen einfach aufgetürmt worden, und es handele sich dabei um einen unansehnlichen Haufen aus Ästen und Kompost.

„Es stellen sich Fragen“, findet auch Wolfgang Pohl vom Naturschutzbund. So möchte er etwas über den Verbleib der Hecke wissen und warum auf dem Gelände so stark aufgeräumt wurde. Er habe sich aber mit diesen Fragen zunächst an die Stadt gewandt, so Pohl. Die allerdings, entgegnet Kramer, habe ihm mitgeteilt, dass alles ordnungsgemäß gelaufen sei.

Der Provisor kann sich vorstellen, mit den Naturschützern darüber zu sprechen, was besser gemacht werden sollte. Einen Verkauf oder eine Verpachtung an die Stiftung des Naturschutzbundes schließt er jedoch aus. „Unser Ziel ist es, irgendwann eine soziale Einrichtung auf dem Areal zu realisieren“, sagt Kramer. Das solle nicht durch langfristige Verträge blockiert werden.

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