„Nachtwächter“ Reinhard Drubel führt morgen die 300. Gruppe durch die Stadt

„Die erste Kutte hat mir 2007 meine Frau genäht“

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Die Teilnehmer werden von Reinhard Drubel (Mitte) für die Tour stets mit Laternen ausgerüstet.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Es war am 10. Oktober 2007, als des Abends plötzlich wieder ein Nachtwächter durch die Gassen der Wittekindstadt zog. Im Gefolge hatte er eine Gruppe von sieben Personen, die ihm an jedem Haltepunkt gespannt lauschten. Das war die erste Nachtwächterführung von Reinhard Drubel. Und morgen führt er sage und schreibe die 300. Gruppe durch die Stadt,

Noch sehr gut kann sich Drubel, Gästeführer des Verkehrsvereins Wildeshausen, daran erinnern, wie alles begann: „Die Idee kam während einer Sitzung unseres Vereins auf. Der Grund war, dass wir unsere Stadt für die Besucher noch interessanter machen wollten.“ Damals habe natürlich niemand geahnt, wie diese Führungen ankommen würden: „Aber bis heute erfreuen sie sich großer Beliebtheit.“

Beweis dafür sind die Zahlen. So haben sich in den acht Jahren etwa 4450 Personen an den Führungen beteiligt. 48 Touren ging das „Nachtwächtermahl“ im Restaurant „Altes Amtshaus“ voraus. Und genauso ist es morgen, wenn sich die 15 Teilnehmer erst stärken, um dann den Ausführungen des Nachtwächters besser lauschen zu können.

Ist Drubel heute bestens ausgerüstet – mit „Uniform“, Feuerhorn, Laterne und Nachwächterstab (Hellebarde), so war das zu Beginn nicht der Fall. „Wir sind damals doch bei Null angefangen. Ich hatte weder irgendwelche Texte noch die passende Ausrüstung“, erzählt der 79-Jährige. Dann verrät er, dass ihm seine Frau die erste Kutte genäht habe: „Die Laterne habe ich dann im Ausverkauf für wenig Geld erstanden, und das Feuerhorn stammt vom Flohmarkt.“

Wer schon einmal eine Führung mitgemacht hat, der weiß, dass Drubel stets eine Menge zu erzählen hat. Ob das immer zu 100 Prozent der Wahrheit entspricht oder vom Nachtwächter aufgepeppt wird, das kann jeder Einzelne für sich selbst entscheiden. Denn einiges berichtet der Nachtwächter immer wieder mit einem kräftigen Augenzwinkern.

Drubel weiß allerdings, dass es bis 1930 in der Wittekinstadt noch echte Nachtwächter gegeben hat: „Dann kam das elektrische Licht in die Stadt. Im Mittelalter mussten unter anderem die beiden großen Stadttore regelmäßig kontrolliert werden.“

Auf die Teilnehmer an den Führungen wartet am Ende noch eine Überraschung. Wer nämlich im Sinne der Nachtwächters eine Strophe seines Liedes singen kann, bekommt einen Hilfsnachtwächter-Vertrag ausgehändigt.

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