Nachlass des toten Bruders und 10000 Dias von Lebensereignissen verbrannt

Emotionale Erinnerungsstücke wurden Raub der Flammen

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Die originellen Spielfiguren sind nicht mehr zu gebrauchen.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Es war nicht nur die alte Lagerhalle am Bahnhof, die am Freitagabend in Flammen aufging. Das Feuer, das mit hoher Wahrscheinlichkeit von zwei Jugendlichen gelegt wurde, hat nicht nur materielle Werte zerstört, sondern auch wichtige emotionale Erinnerungsstücke von verstorbenen Menschen und schönen Lebensereignissen vernichtet.

Es gibt weiterhin nur die Mitteilung der Polizei, dass zwei Jugendliche im Alter von 14 und 15 Jahren nach Ausbruch des Brandes an der Halle aufgegriffen wurden. Dass sie das Feuer gelegt haben, wurde bislang nicht bestätigt.

Unterdessen hat der Brand tiefe Spuren bei den Menschen hinterlassen, die ihre Habe in der Halle gelagert hatten. So wie bei Souraya Debbeler aus Wildeshausen. Ihr Bruder Rabih war im November jung verstorben, die Trauer ist noch immer groß. Die Familie hatte erst sechs Tage vor dem Brand seine Möbel und viele persönliche Dinge in der Halle eingelagert. „Wir wollten in Ruhe entscheiden, was wir behalten möchten oder als Spende weggeben“, berichtet Debbeler. Doch nun seien alle Erinnerungen an ihren lieben Bruder ein Opfer der Flammen geworden, und mit Geld sei davon nichts wieder herbeizuschaffen. „Eine Halle kann man ebenso wie Weihnachtsmarkthütten wieder aufbauen“, so Debbeler. „Der Nachlass meines Bruders ist für immer vernichtet.“

Auch Bernhard Block aus Wildeshausen hat viele private Dinge verloren. Der Fotograf und Händler für Spiele mit originellen und hochwertigen Figuren hatte nicht nur Spiele im Verkaufswert von 100000 Euro in der Halle gelagert. „Da wir gerade in ein neues Haus einziehen, waren dort auch 10000 private Dias von wichtigen Lebensereignissen. Der Verlust tut weh.“ Ob es die Hochzeit in Las Vegas war oder die tolle Reise nach Kuba – alle Aufnahmen sind vernichtet. „Einige der Touren werden wir wiederholen“, hat Block schon seiner Frau Angela versprochen. Nicht zu ersetzen ist das Archiv mit 7000 Negativen, die Nutzfahrzeuge aus der Mitte des vergangenen Jahrhundert zeigen. „Da waren viele spezielle Umbauten abgelichtet“, so Block über den Verlust einer einmaligen Sammlung. Vernichtet ist auch der Teil eines Holzpropellers des Flugzeugs, mit dem ein Pilot (nicht tödlich) abgestürzt war, den sein Vater gekannt hatte.

Manches von den zerstörten Gegenständen, die einige hunderttausend Euro wert sein dürften, werden die Versicherungen finanziell ausgleichen. Erinnerungsstücke an liebe verstorbene Menschen und schöne Ereignisse im Leben lassen sich mit Geld aber nicht zurück holen.

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