Starkregen fordert die Kläranlage 

Nachklärbecken hat „Feuerprobe“ bestanden

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In den Nachklärbecken der Anlage landet bei heftigem Niederschlag neben Schmutz- auch Regenwasser und fließt schließlich weiter in die Hunte. Im Normalfall läuft es dezentral über Gräben und Bäche ab.

Wildeshausen - Von Phillip Petzold. 3000 Gullydeckel verschließen das Schmutzwasserkanalnetz in Wildeshausen. Steht bei heftigem Niederschlag aber das Wasser auf den Straßen, läuft es auch in dieses Rohrnetz von rund 85 Kilometern Länge anstelle der dafür vorgesehenen Regenwasserkanäle. Dann landet es in der Kläranlage am Nordring. So geschehen beim Starkregen am 30. Juli, der Bewährungsprobe für das im September in Betrieb genommene Nachklärbecken.

„Das Becken hat seine Feuerprobe bestanden“, verkündet Abwassermeister Matthias Schnieder. Während des heftigen Unwetters strömten binnen 24 Stunden rund 10.000 Kubikmeter Wasser in die Kläranlage – rund drei Mal so viel wie an normalen Tagen. „Wir bereiten hier im Durchschnitt etwa 3200 Kubikmeter Abwasser am Tag auf“, erläutert Schnieder. „Die Schmutzwassermenge ist relativ konstant.“ Ergießen sich aber große Niederschlagsmengen auf die Kreisstadt, sind die Regenwasserkanäle überfordert und laufen über. Das Wasser sucht sich dann seinen Weg durch die Löcher der Gullydeckel in das Abwassernetz. 

Größere Röhren sind laut Schnieder nicht sinnvoll für Wetterereignisse, die nur alle paar Jahrzehnte eintreten. Die Kosten für den Ausbau wären enorm und die Instandhaltung aufwendig, da die Kanäle nicht ausreichend durchgespült würden und versandeten. „Ich bin seit 25 Jahren hier und in der Zeit wurde die Marke von 50 Litern pro Quadratmetern bloß zwei oder drei Mal geknackt“, berichtet Schnieder.

62 Badewannen pro Sekunde durch de Rohre

Durch die Rohre von 1,2 Metern Durchmesser können pro Sekunde bis zu fünf Kubikmeter Wasser fließen, das entspricht etwa 62 Badewannen. Der Niederschlag wird in der Regel dezentral über Bäche und Gräben abgeleitet, im Klärwerk landet im Normalfall nur das Schmutzwasser. 600 Kubikmeter davon fließen pro Stunde durch die Anlage, möglich sind bis zu 1000 Kubikmeter, die dann mechanisch und durch Bakterien gereinigt werden. Das Maximum wird jedoch nur selten ausgenutzt. „Wir wollen unsere Arbeiter, also die Bakterien, nicht maßlos überlasten“, so der Abwassermeister. Läuft die Anlage unter voller Kraft, sei sie anfälliger für Störungen.

Das Klärwerk reinigt das Schmutzwasser in mehreren Schritten. Zunächst entfernt ein Rechen grobe Verunreinigungen wie Damen-Hygieneartikel, Kondome und Fettbrocken. Der Unrat wird gewaschen, gepresst und kommt dann zur Mülldeponie. Anschließend wird Sand und Fett abgeschieden. Die restlichen Feststoffe wandern in den Faulturm, das Wasser kommt in die „Biologie“, wo Bakterien die gelösten Verschmutzungen auffressen. Das gereinigte Wasser wird in die Hunte geleitet. Der Klärschlamm, etwa 200 Lkw-Ladungen im Jahr, wird nach Hamburg gebracht und dort verbrannt. Früher landete er auf den Feldern der Landwirte, doch die vielen Mastbetriebe in der Region wollen lieber „ihren eigenen Mist loswerden“, berichtet Schnieder.

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