Ursula Gärtner feierte am Sonntag ihren 90. Geburtstag

Nach dem Krieg aus Schlesien gekommen

Ursula Gärtner in ihrem Fernsehsessel. Foto: dr

Wildeshausen – Viele ältere Wildeshauser dürften noch den Elektronikfachbetrieb Gärtner kennen, der seit den 1960er-Jahren zunächst an der Westerstraße, dann an der Huntestraße und später an der Bargloyer Straße beheimatet war. Inhaber waren bis 1995, als sie in die wohlverdiente Rente gingen, Heinz Gärtner und seine Frau Ursula.

Während der Elektromeister vor sieben Jahren gestorben ist, erfreut sich seine Frau noch immer bester Gesundheit und lebt jetzt im Pflegezentrum Johanneum in einer eigenen Wohnung. Am Sonntag feierte sie dort zusammen mit ihrem Sohn Heinz-Otto Gärtner, der aus seiner Heimat Österreich gekommen war, in kleinem Kreise.

Ursula Gärtner ist keine gebürtige Wildeshauserin. Sie wurde am 5. Januar 1930 in Waldenburg (Schlesien) geboren und hatte eine ältere Schwester. Wie viele Menschen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Familie im Jahr 1945 gen Westen fliehen. „Wir waren mit dem Zug unterwegs“, erinnert sich Ursula Gärtner. Während ihre mittlerweile verstorbene Schwester im Gebiet der sowjetischen Besatzungszone (später DDR) bleiben wollte, zog es den Rest der Familie weiter. Warum die Flüchtlinge allerdings in Wildeshausen landeten, weiß Ursula Gärtner nicht mehr. Vermutlich wurde die neue Heimat zugewiesen.

Die erste Wohnstatt hatten die Neu-Wildeshauser auf jeden Fall im Gebäude der Lindenhof-Lichtspiele an der Huntestraße. „Das Kino war unten. Wir haben oben gelebt“, so Ursula Gärtner. Später zog sie allerdings mit ihren Eltern in eine Wohnung an der Marinestraße.

Im Alter von 20 Jahren lernte die junge Frau in der Turnabteilung des VfL Wittekind Wildeshausen Heinz Gärtner kennen. Beide waren sie recht erfolgreich auf Regionsebene, und weil sie sich gut verstanden, gingen sie gemeinsam aus – wobei dann der Funke zündete.

Das junge Paar war schon eine Weile zusammen, als 1956 die Hochzeitsglocken der katholischen St.-Peter-Kirche läuteten. Zwei Jahre später kam Sohn Heinz-Otto zur Welt.

Die beiden Eheleute führten ein arbeitsreiches Leben im Elektrohandwerk. Ideal war, dass Ursula Gärtner bereits in Schlesien als Verkäuferin ausgebildet worden war. So konnte sie ihrem Mann im Geschäft gut helfen. Das Paar lebte zunächst an der Heemstraße. Später bauten die Gärtners ein Haus am Zuschlagsweg, in dem sie bis zum Tode des Ehemannes lebten.

Ursula Gärtner wohnte dort dann zwei weitere Jahre, bis sie sich entschied, ein Appartement im Johannneum anzumieten, indem sie sehr selbstständig leben und die Freizeitangebote des Pflegezentrums annehmen kann, wenn sie möchte. Manchmal rückt sie sich aber auch den Sessel vor den Fernseher und schaut Krimis.

Ob sie gerne 100 Jahre alt werden möchte? Auf diese Frage lächelt Ursula Gärtner nur milde. Das ist ganz offenbar kein Gedanke, an den sie viel Zeit verschwendet. „Hauptsache gesund bleiben“, meint sie. Das sei immerhin schon eine ganze Menge.  dr

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