Aus dem Gericht

Nach Ebay-Betrug knapp an Haft vorbeigeschrammt

Letzte Station vor der Haft: Ein 22-jähriger Wildeshauser darf sich vier Jahre keine Betrügereien mehr zuschulden kommen lassen.
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Letzte Station vor der Haft: Ein 22-jähriger Wildeshauser darf sich vier Jahre keine Betrügereien mehr zuschulden kommen lassen.

Wildeshausen – Extrem knapp an einer Gefängnisstrafe wegen Betruges im besonders schweren Fall vorbeigeschrammt ist jetzt ein 22-jähriger Wildeshauser vor dem Amtsgericht in der Kreisstadt.

Der Grund für das Urteil – elf Monate Freiheitsstrafe, vier Jahre auf Bewährung – ist allerdings ungewöhnlich: Weil der junge Mann nach einer ersten Verurteilung in Abwesenheit zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung im März 2020 ganz offenbar keinen Brief geöffnet hatte, wusste er nichts von dem Urteil.

„Das schützt zwar vor einer Strafe nicht“, stellte der Richter fest. Zusammen mit der Staatsanwältin kam er aber zu der Einschätzung, dass der junge Mann wohl ein „Opfer der Prozessökonomie“ geworden war, weil man damals keinen Nachdruck auf eine Gerichtsverhandlung mit seiner Anwesenheit gelegt hatte.

In fünf Fällen hatte der damals noch Heranwachsende zwischen dem 20. Dezember 2018 und dem 28. Februar 2019 Geräte bei Ebay angeboten, die er nicht besaß und Geld dafür kassiert. Die Sache flog auf, der junge Mann reagierte aber nicht auf gerichtliche Ladungen. Auch auf Schreiben eines Bewährungshelfers antwortete er nicht. „Ich habe alle Briefe ungeöffnet weggeworfen“, erklärte er jetzt im Gerichtssaal.

Richter war überrascht, dass der Angeklagte zum Termin kam

Das war auch der Grund, warum der Richter nun sehr überrascht war, den jungen Mann vor sich zu sehen, um drei weitere Fälle von Betrug bei Ebay zu verhandeln.

Die Motivation für die späte Einsicht, sein Leben ändern zu wollen, lag nach Aussagen des 22-Jährigen darin, dass er mit seinen Täuschungen aufgeflogen war. Er hatte seiner Familie vorgegaukelt, berufstätig zu sein, war dann aber von der Schwester während der Arbeitszeit in der Stadt gesehen worden. Schließlich, so der Angeklagte, habe es ein klärendes Gespräch mit den Eltern gegeben, und seine Familie habe signalisiert, dass sie ihn unterstützen wolle. Er habe zudem jetzt Arbeit und eine Freundin.

Aktuell verhandelt wurden drei Betrugstaten mit Handys im Wert von 1.550 Euro. Weil diese Taten in der Zeit zwischen dem 11. September und dem 19. November 2020 in der Bewährungszeit lagen, hätte eigentlich eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung folgen müssen. Doch alle Beteiligten wollten dem Mann noch einmal eine günstige Sozialprognose ausstellen. „Es ist bei Ihnen eine Kehrtwende eingetreten“, so die Staatsanwältin, die es eigenen Angaben zufolge gut gefunden hätte, wenn schon im ersten Verfahren mit allen Mitteln eine Verhandlung mit dem Angeklagten angestrebt worden wäre.

Günstige Sozialprognose ausgestellt

„Mein Mandant steht jetzt hoffentlich auf dem richtigen Gleis“, erklärte der Pflichtverteidiger, und der Richter hoffte: „Sie sind jetzt an einem Punkt angekommen, an dem es vorangeht.“

Am Ende stand das milde Urteil. Der Mann hat die 1.550 Euro zurückzuzahlen und muss nun sein Leben in den Griff bekommen. „Für solch einen Blödsinn ins Gefängnis zu gehen, ist total unsinnig“, betonte der Richter. „Beim nächsten Mal gibt es keine Bewährung.“  

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