Schlechtes Internet kann für Misstöne sorgen

Die Musikschule des Landkreises Oldenburg läuft nur noch online

Thomas Milowski vor seiner Musiklehrer-Ausstattung.
+
Hat nicht jeder: Für die Ausstattung sind die Lehrer selbst verantwortlich.

Auch Musiklehrer machen eine schwierige Zeit durch. Thomas Milowski von der Musikschule des Landkreises Oldenburg schildert die Lage während der Pandemie. Gibt es Hoffnung am Horizont?

  • Musiklehrer Thomas Milowski arbeitet von zu Hause aus.
  • Die Musikschule des Landkreises Oldenburg hat weniger Schüler.
  • Planungen von Veranstaltungen sind derzeit nicht möglich.

Wildeshausen – In Niedersachsen ist der Präsenzunterricht für Musikschulen untersagt. Eine schwierige Situation also für die Musikschule des Landkreises Oldenburg in Wildeshausen, berichtet Lehrer Thomas Milowski. „Aufgrund des Lockdowns läuft unser gesamter Instrumental- und Gesangsunterricht online“, sagt Milowski, der derzeit 54 Schüler einzeln oder auch in Zweier und Dreier-Gruppen an Gitarre, E-Bass, Kontrabass, Ukulele und manchmal auch an der Mandoline unterrichtet.

Musik sei wichtig, als Gegenpol in der gegenwärtigen Zeit, betont Milowski. Viele Kinder hätten wenig feste Termine. Reiten, Sport, das falle alles weg.

Der Arbeitsalltag laufe für jeden derzeit ähnlich ab. „Wir hocken alle zu Hause vor dem Bildschirm.“ Bis vor Weihnachten durfte die Musikschule noch offen haben. „Jetzt setzten wir komplett auf online“, so Milowski. Im Gegensatz zum ersten Lockdown, wo alles noch neu und eine große Herausforderung war, sei jetzt vieles besser eingenordet, ergänzt er.

„Ich habe das Glück, meine Gruppen teilen zu können“, sagt Milowski. Er hat normalerweise mehrere Schüler von bis zu sechs Kindern sowie Einzelunterricht. Das sei online aber nicht zu schaffen. Also halbiert er die Gruppen, die dann auch jeweils nur eine halbe Unterrichtsstunde erhalten. In Summe ist das trotzdem mehr Zeit, die er aber übrig hat, weil er gerade sowieso keinen Bandunterricht geben kann. Diese Methode „erleichtert das Arbeiten ganz erheblich“.

Wir hocken alle zu Hause vor dem Bildschirm.

Thomas Milowski, Lehrer an der Musikschule des Landkreises Oldenburg

Zu Hause hat Milowski eine „relative Luxusausstattung“, wie er sagt. Es ist ein kleines, aber feines Studio. Dazu gehören unter anderem Mikrofone, Mischpulte und zwei Monitore. Einige Kollegen würden auch aufrüsten. Er mache für die Musikschule Mischarbeiten. Mit besserem Mikro und Kamera gebe es viel mehr Qualität. „Bei so etwas Kritischem wie Musik ist das wichtig“, sagt er.

Außerdem sei Ergonomie am Arbeitsplatz wichtig. Sechs Stunden am Stück online zu unterrichten, sei anstrengend und körperlich fordernder als Präsenzunterricht, schildert Milowski.

Probleme bereitet dem Musiklehrer aber noch etwas anderes, und zwar die teilweise schlechte Internetverbindung im Landkreis Oldenburg, wie er findet. „Es reicht ein Schüler mit schlechter Verbindung, der crasht die ganze Gruppe.“

Die Pandemie-Situation behindere den Lernalltag ungemein. So sei den Musikschülern über das Internet die Haltung und Tonbildung nur sehr schwierig beizubringen. Zum Beispiel sei eine Fingerkorrektur bei Drittklässlern aus der Ferne fast unmöglich. Das Problem bestehe bei älteren Schülern nicht, da bei ihnen technische Kenntnisse schon verinnerlicht seien. Dennoch: „Bestimmte Dinge, die man ohne Corona simpel vermitteln kann, stellen derzeit die größten Herausforderungen dar.“

Im Sommer hatte die Musikschule des Landkreises noch rund 1 700 Schüler. Aktuell seien es etwas weniger als 1 500, bilanziert Milowski. Doch davon fielen aufgrund des Lockdowns 470 Kinder wegen der ausbleibenden Kooperationen mit Schulen- und Kindergärten weg. Finanziell komme die Musikschule aber über die Runden, sagt Milowski. Auch dank der Zusagen durch Landrat Carsten Harings sei Kurzarbeit – anders als bei anderen Musikschulen – noch kein ernsthaft diskutiertes Thema.

Derzeit unterrichten Lehrer mit ihren eigenen Gerätschaften von zu Hause aus. Die Stadt Oldenburg beschaffe dagegen für alle Lehrkräfte Ipads, so Milowski. Für die beiden Musikschulstandorte Wildeshausen und Ganderkesee seien Anschaffungen in Planung, „aber da sind wir beim Thema Geld“.

Milowski ist mittlerweile seit 30 Jahren in der Musikschule des Landkreises Oldenburg tätig. Er hat Lehramt, Musik und Geschichte studiert. Normalerweise erstellt seine Schule jedes Halbjahr einen Flyer mit den rund 70 bis 80 Veranstaltungen im Jahr. Dieses Mal werde es das erste Mal keine Veranstaltungsübersicht geben. „Wir haben gelernt, dass es sich nicht lohnt, weiter zu planen. Die Ansagen kommen so kurzfristig von der Politik, wir leben von Coronaverordnung zu Coronaverordnung.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Meistgelesene Artikel

Scheune brennt nieder: Feuerwehr-Einsatz bis in den frühen Morgen

Scheune brennt nieder: Feuerwehr-Einsatz bis in den frühen Morgen

Scheune brennt nieder: Feuerwehr-Einsatz bis in den frühen Morgen
OLB schließt Geschäftsstellen und streicht Jobs

OLB schließt Geschäftsstellen und streicht Jobs

OLB schließt Geschäftsstellen und streicht Jobs
Alte Liebe: Martin Reiser besitzt eine außergewöhnliche Ducati

Alte Liebe: Martin Reiser besitzt eine außergewöhnliche Ducati

Alte Liebe: Martin Reiser besitzt eine außergewöhnliche Ducati
Kreuzungsbereich Bahnhofstraße wird voll gesperrt

Kreuzungsbereich Bahnhofstraße wird voll gesperrt

Kreuzungsbereich Bahnhofstraße wird voll gesperrt

Kommentare