Initiative „Natürlich Wildeshausen“ will sich auf lokaler Ebene für Umwelt einsetzen

Von Müllprävention bis Nitratbelastung

Tamino Büttner (l.) und Hannes Wirth sammelten aus der Runde die Ideen - Foto: Nosthoff

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. In vielen Fällen ist es ganz einfach, etwas für den Umwelt- und Naturschutz zu tun – und damit letztendlich auch etwas für sich selbst. So hatte beispielsweise Hannes Wirth im Sommer zum Müllsammeln im Wildeshauser Stadtpark aufgerufen. Seitdem ist eine offene Müllsammelgruppe dort einmal im Monat aktiv. In anderen, noch viel dringlicheren Umweltschutzfragen – wie der Nitratbelastung des Grundwassers– können Lösungen dagegen nur in Zusammenarbeit mit der Politik erarbeitet werden.

Ein Grund, warum die Aktion schnell weitere Kreise zog: In Zusammenarbeit mit dem Wildeshauser Jugendparlament, den Jusos und dem Verein Grüner Planet entstand die Initiative „Natürlich Wildeshausen – Wir packen an“. Die Mitglieder wollen ganz praktisch etwas tun, aber auch Aufklärungsarbeit leisten und sich in Umweltschutzfragen politisch einbringen.

Zum Startschuss-Workshop erschienen am Mittwochabend im „Wildeshauser Hof“ mehr als 20 Interessierte, die zum einen ihre eigenen Ideen für den Umweltschutz formulierten, am Ende aber auch die Prioritäten angaben, die die erarbeiteten Punkte für sie haben. Zum nächsten offenen Treffen lädt die Initiative für Dienstag, 13. Dezember, um 19 Uhr ebenfalls in den „Wildeshauser Hof“ ein. Die aus der Initiative kommenden Anregungen will Juso und Stadtratsmitglied Matthias Kluck an die Politik weitergeben.

So wurde in der Runde beispielsweise die ganz konkrete Gefahr durch die bereits zu hohe und immer noch steigende Nitratbelastung des Grundwassers diskutiert. „Die Menschen sind viel zu wenig darüber aufgeklärt“, kam die Feststellung aus der Runde. „Das Thema muss noch mehr in die Öffentlichkeit, damit die Menschen aufgerüttelt werden.“

Während der Ideensammlung kam der Vorschlag, einen „gemeinsamen Tisch zum Thema Nitrat“ mit allen Beteiligten aus Politik, Landwirtschaft und anderen betroffenen Bereichen auf den Weg zu bringen.

Einig waren sich alle, dass in Sachen Ursachenbekämpfung – unter anderem zum Hauptproblem der Überdüngung – dringend etwas getan werden müsse. Das Problem werde hier zurzeit derart ignoriert, dass sogar die EU Deutschland schon verklagt habe, informierte Hannes Wirth. Der parteilose Initiator der Gruppe sowie der Juso-Vorsitzende Tamino Büttner gingen in ihrer Einstiegspräsentation auch auf die fatalen – nämlich unter Umständen tödlichen – Folgen der erhöhten Nitratwerte ein.

Die Ideen aus der Runde sammelten Wirth und Büttner unter den vier Punkten „Aufklärung“, „Neu-Begrünung“, „Müllprävention“ und „Sonstiges“. Eine Fülle von Vorschlägen war am Ende des Workshops auf den Plakatwänden zu lesen.

Einiges soll nun am besten zeitnah umgesetzt werden. Sowieso will sich die Müllsammelgruppe weiterhin an jedem ersten Sonntag im Stadtpark treffen. Jürgen, der auch Mitglied im Verein Grüner Planet ist und seinen Nachnamen nicht nennt, regte an, ob die Stadt Materialien wie Müllgreifer, Müllsäcke, Schutzhandschuhe sowie Besen- und Kehrsets zum Aufsammeln von Zigarettenkippen bezuschussen könne. Wünschenswert sei, dass die vollen Säcke jeweils am folgenden Montag vom Bauhof aus der Konzertmuschel abgeholt werden.

Altersgerechte Projekte für Kindergartenkinder und Schüler jeden Alters liegen der Initiative ebenfalls am Herzen. Das Interesse an der Natur sowie das Umweltbewusstsein sollen gestärkt und gefördert werden.

Auch das Jugendparlament engagiert sich in diesem Bereich. Einheimische jeden Alters könnten ebenso wie Touristen von einem Naturlehrpfad oder einem „Lebensraumweg“ profitieren, hieß es.

Aus der Runde kam der Vorschlag, in einen solchen Wanderweg durchaus auch kritische Punkte wie den intensiven Maisanbau oder Stallbauten in der freien Landschaft einfließen zu lassen. Ein Leuchtturmprojekt für Wildeshausen könnte eine Biotoilette am Pestruper Gräberfeld sein.

Weitere Punkte waren die Förderung heimischer Pflanzen statt der gerade so beliebten Lorbeerhecken, die ohne Nutzen für Bienen oder Vögel seien, haltbare Kaffeebehälter statt Plastikbecher beim Bäcker und die ökologische Aufwertung von nicht bebauten Flächen im Gewerbegebiet. Für Begeisterung sorgte auch der Hinweis auf das Ergebnis eines Ganderkeseer Forschungsprojektes: „Es ist erwiesen, dass bestimmte Pilze organische Umweltgifte wie Altöle oder Autoreifen biologisch zersetzen können. Eine Zersetzung dieser Gifte durch weitere Gifte ist also gar nicht nötig“, so Volker Wessels.

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