Auf der Liegewiese im Krandelbad macht Uwe Oswald Bäume zu Kunstwerken

Mit der Motorsäge „in luftiger Höhe“

Kopf und Gesicht der hölzernen Frau sind schon grob zu erkennen. Der Bildhauer Uwe Oswald arbeitet auf der Liegewiese des Wildeshauser Krandelbades Figuren aus Bäumen heraus. - Fotos: Petzold

Wildeshausen - Statt des vergnügten Geschreis planschender Kinder ist im Wildeshauser Krandelbad derzeit das Kreischen einer Motorsäge zu hören: Der Barnstorfer Bildhauer Uwe Oswald schnitzt aus zwei abgesägten Bäumen auf der Liegewiese Skulpturen.

Der Wind zieht kräftig durch die etwa vier Meter hohen Gerüste, von denen aus Oswald die beiden Bäume bearbeitet. Die metallenen Plattformen und Stangen schränken den Künstler bei der Arbeit ein, und er muss immer auf der Hut sein, nicht durch den breiten Spalt zwischen Gerüst und Baum zu fallen. „Das ist schon fast akrobatisch“, sagt Oswald. „Einmal habe ich nicht aufgepasst, da musste ich sehr schnell überlegen, wie ich mich festhalte und zugleich die Säge abstelle.“

Mittlerweile hat sich der Künstler an die ungewohnte Arbeitsumgebung gewöhnt – behende setzt er die Säge an und lässt die Holzspäne fliegen, bis sogar die Taschen seiner Weste voll davon sind. Nach und nach kommen so die Skulpturen zum Vorschein.

Seit zwei Wochen ist Oswald auf der Wiese zu Gange. Die erste Figur hatte er nach fünf Tagen fertig: Es ist ein aufrecht stehender Mann in Badehose mit einem Ball in den Händen. Sein Kunstwerk hat Oswald mit „Spiel in luftiger Höhe“ betitelt. Das zweite Standbild wird eine Frau, die den Ball fangen soll. Doch die wehrt sich noch, aus dem Baum hervorzutreten: „Das ist amerikanische Eiche“ erklärt Oswald. „Die ist deutlich härter als unsere heimische.“ Der andere Baum ist eine Buche: „Das ging wie durch Butter.“ Ein anatomisch perfektes Abbild zu schaffen, ist nicht sein Ziel. „Die Spuren der Arbeit sollen zu sehen sein, damit die Betrachter nachvollziehen können, wie die Figuren entstanden sind“, so Oswald. Aber auch die Proportionen der Körper passt er an die Aussage an. So betont er die Hände und Arme des Ballspielers, um den sportlichen Bezug zu unterstreichen. Außerdem ließen sich die Bäume gar nicht nicht nach Belieben formen, und ihre Struktur beeinflusst die Arbeit. Einschlüsse oder Astlöcher werden dabei schnell zur Herausforderung. „So eine Arbeit lässt sich nicht komplett auf dem Papier planen.“

Ein paar Tage hat der Künstler noch, doch am 4. Mai sollte er fertig sein. „Es ist ungewöhnlich, mit einer Deadline zu arbeiten, aber ich liege gut im Zeitplan.“ Das Wetter habe bislang weitgehend mitgespielt, sodass die hölzernen Badegäste zur Eröffnung der Freibad-Saison ihr Spiel aufnehmen können.

Die Initiative für das Projekt kam vom Wildeshauser Baudezernenten Manfred Meyer. Der hatte Oswald den Vorschlag gemacht, aus den abgesägten Bäumen etwas zu machen. „Meyer hat meine Arbeiten in Goldenstedt gesehen und die Idee gehabt“, berichtet Oswald.

Der Künstler arbeitet seit nunmehr 25 Jahren mit der Motorsäge. Die erste Skulptur hat er am „Haus am Moor“ in Goldenstedt erschaffen. Seitdem kamen etliche weitere Werke im öffentlichen Raum dazu. „Ich möchte Denkanstöße geben und keine festen Interpretationen vorgeben“, so Oswald. Ob Migration oder Massentierhaltung – der Künstler möchte gesellschaftliche Themen aufgreifen und ohne „Zeigefinger“ Freiräume beim Denken eröffnen.

Inspiration für seine Werke muss er nicht lange suchen: „Meist habe ich gleich im ersten Moment eine Idee, die bleibt.“

Von Phillip Petzold

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