Unterricht in der Buchhandlung

Mord und Totschlag im Schulunterricht

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Einblick in die Krimiliteratur: Vanessa Thomas (l.) gestaltete eine Schulstunde.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Der Wahlpflichtkurs Lesen der Realschule Wildeshausen verlegte seine Unterrichtsstunde in die Gilde-Buchhandlung. Dort ging es ganz schön blutrünstig zu.

Am Schaufenster klebte ein rot-weißes Polizei-Absperrband mit dem Wort „Tatort“ , davor befanden sich Tafeln mit Autorenporträts und Begriffserklärungen, wo beispielsweise das Wort „Crime“ herkommt. Auf den ersten Blick hatte der Schauplatz an der Westerstraße nichts mit einem Klassenzimmer zu tun und auch nicht mit einer Buchhandlung. 

Dennoch war der Bereich am Dienstagvormittag beides zugleich, denn die Schüler der „Lese-AG“ der Wildeshauser Realschule hatten Vanessa Thomas von der Gilde-Buchhandlung gebeten, eine Unterrichtseinheit zum Thema Kriminalliteratur vorzubereiten.

Dass es dann geschichtlich ganz weit zurückging, hatten die Siebtklässler allerdings nicht auf dem Zettel – oder auf den mitgebrachten Klemmbrettern. Sie kamen nicht auf eins der ersten schriftlich dokumentierten Verbrechen, das in der Bibel geschildert wird. „Adam und Eva hatten zwei Söhne, die Kain und Abel hießen. Kain hat Abel erschlagen“, erklärte Vanessa Thomas den jungen Gästen. Schon immer, so die Buchhändlerin, habe das Verbrechen die Menschen fasziniert und abgeschreckt. 

„Die Leute haben die Taten dann geschildert und sich Gedanken gemacht, wie es dazu gekommen ist“, erläuterte sie und verwies auf einen der ersten deutschen Schriftsteller, der sich mit dem Genre befasst hat: Friedrich Schiller. „Ihn hat diese Frage ebenso beschäftigt wie beispielsweise heute den Anwalt Ferdinand von Schirach, der in seinen Büchern deutlich machen möchte, wie es überhaupt zu den Taten gekommen ist.“ 

Einer der ersten Detektivromane entstand nach Angaben von Vanessa Thomas Mitte des 19. Jahrhunderts. Ziel sei es damals gewesen, mitzufiebern. „Der Leser war eigentlich immer auf der Seite des Ermittlers. Der Täter war böse und bekam in der Regel seine verdiente Strafe“, berichtete die Buchhändlerin. 

Einer der berühmtesten Autoren sei damals Edgar Allan Poe gewesen. Als der berühmteste Detektiv galt hingegen Sherlock Holmes. „Sein fiktives Büro war in der Baker Street 221 b in London. Damals ging die Straße nur bis Nummer 85. Heute ist sie länger, es befindet sich dort ein Museum, das man gut besuchen kann“, so Vanessa Thomas.

Laut Buchhändler Peter Gebhardt ist in seinem Geschäft jedes zweite verkaufte Buch ein Krimi. Er hat jedoch festgestellt, dass es manch einem Leser „gar nicht blutrünstig genug“ werden kann. Grenzwertige Bücher würde er nicht ins Sortiment übernehmen, aber natürlich auf Bestellung besorgen. „Wir wollen den Lesern ja nicht diktieren, was sie zu kaufen haben“, betont er.

Nach Angaben von Vanessa Thomas machte Kriminalliteratur im Jahr 2017 ein Viertel des Belletristikumsatzes im deutschen Buchhandel aus. „Es gibt dort mittlerweile viele Untergruppen“, erzählte sie. Zu nennen seien beispielsweise Wissenschafts- oder Gerichtskrimis. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch regionale Krimis. 

Mit ihrer Unterrichtseinheit wollte Vanessa Thomas den jungen Menschen einen kleinen Einblick in diese Gattung geben. Und sie machte den Schülern deutlich: „Wenn ihr die Bücher dann im Internet bestellt, macht ihr damit den örtlichen Buchhandel kaputt.“

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