Schafschur in der Pestruper Heide / Erstmals Führungen

Moorschnucken verlieren ihr dickes Fell

Holger Petzold schert ein Schaf.

Pestrup - Von Ove Bornholt. Monoton surrt die Schermaschine von Holger Petzold, während die hornlose Diepholzer Moorschnucke zu seinen Füßen keinen Mucks macht – und nach wenigen Minuten ist es geschafft, das dicke Fell ist ab.

„Das Tier hat keinen Stress“, sagt Petzold, der sich flugs und mit geübten Handgriffen dem nächsten Schaf widmet. Derweil stürmt der zur Pflege der Pestruper Heide eingesetzte und geschorene Vierbeiner zu seinen Kameraden, die bereits „nackt“ sind und neben dem Schafkoben stehen. Die, die noch drankommen, warten derweil in dem Gebäude. Rund 120 Schafe schert der Cloppenburger am Sonntag. Und das unter den Augen von knapp 60 Zuschauern, die sich das Spektakel trotz gelegentlicher Schauer nicht entgehen lassen wollen. Wo sonst kriegt man auch noch Schäfer und Scherer bei der Arbeit zu sehen?

„Meine Friseurin ist etwas zarter zu mir“, raunt einer der Beobachter. Den Tieren scheint die Behandlung aber nichts auszumachen. Nachdem sie geschoren wurden, scheuern sie sich genüsslich an Steinen oder Bäumen. „Das ging ja vorher nicht. Das Fell war im Weg“, meint Petzold ruhig und greift sich das nächste Tier. Da er in einem Gurt hängt, kann er sich entspannt dem Tier widmen, das auf seinem Hintern sitzt und alle viere von sich streckt.

100 bis 150 Schafe beweiden Landschaft

Gleichzeitig führt Förster Heiner Brüning eine Gruppe von Interessierten über das Pestruper Gräberfeld. Er beantwortet die Fragen der Teilnehmer, die wissen wollen, wie viele Tiere zur Beweidung eingesetzt werden (100 bis 150 Schafe), von wann bis wann (Frühjahr und Herbst) und warum die Birken dennoch so groß werden.

Letztere Frage deckt eine Schwachstelle der Moorschnucken-Beweidung auf. Sie fressen zwar ziemlich viel, aber von der Birke lassen sie dann doch die Finger – pardon, die Hufe. Deswegen müssen Brüning und seine Kollegen den Bäumen, die der Heidelandschaft sonst schaden würden, mit der Motorsäge zu Leibe rücken, wenn sie groß genug sind. „Wir kämpfen hier ständig gegen den Wald. Für Förster ist das eigentlich ungewöhnlich“, sagt er und lacht über seine Bemerkung. In lockerem und keinesfalls belehrendem Ton informiert er die Teilnehmer weiter über die Heide. Das Forstamt Ahlhorn hat diese Führungen, zwei an der Zahl, in diesem Jahr zum ersten Mal angeboten.

Nach 52 Schafen macht Scherer Petzold eine kurze Pause. Er raucht eine Zigarette, schraubt an seinem Arbeitsgerät herum. Früher habe es allein in der DDR mehr als zwei Millionen Schafe gegeben, sagt der kräftige Mann mit den grauen Haaren. Inzwischen seien es in ganz Deutschland nur noch 1,7 Millionen, schätzt er vorsichtig. Aber zum Trübsal blasen bleibt keine Zeit. Das nächste Schaf wartet schon. Und wieder surrt die Schermaschine.

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