Die Jagd läuft auf Hochtouren: Pokémon-Fieber geht auch in der Kreisstadt um

Wo die „Monster“ um die Musikschule kreisen

Ob auf dem Marktplatz oder an der Musikschule, die „Monster“ sind in der Stadt unterwegs und werden gefangen. - Foto: Nosthoff

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Rund um die Musikschule des Landkreises in Wildeshausen treffen sich derzeit jede Menge junge Leute, um für Außenstehende seltsam anmutende Fachgespräche zu führen. „Blau ist einfach das coolste Team“, stellt einer fest, während ein Kollege meint: „Was können die anderen legendären Pokémons schon gegen Arktos ausrichten? Gegen Eis und Flug kommt einfach keiner an.“

Seit Nintendo in der vergangenen Woche in Deutschland das Smartphone-Spiel „Pokémon GO“ herausgebracht hat, ist so wie die ganze Bundesrepublik auch Wildeshausen im Pokémon-Fieber. Besonders die Generation „20 plus“ hält sich für die virtuelle Jagd der „pocket monster“ in der Innenstadt oder im Park auf. Aber auch Jugendliche, Anzugträger und Eltern mit Kindern hat das Jagdfieber gepackt.

Schon mit seinen ersten Versionen erlangte das Nintendo-Spiel mit den Pokémon-Figuren Kultstatus unter seinen Liebhabern. Bereits vor 20 Jahren wurden die „Taschenmonster“ erfunden. Damals passten sie mittels Nintendo-Gerät in die Tasche, heute läuft alles via Smartphone ab. Und die Besonderheit der Neuauflage ist, dass die Jagd nach draußen in die reale Welt verlegt wird.

Mithilfe der Smartphone-Kamera werden die Pokémons plötzlich in der Wirklichkeit sichtbar: ob im eigenen Garten, auf dem Marktplatz, im Park oder vor dem Schuhgeschäft. Einfach rumsitzen und „daddeln“ funktioniert also nicht. Um erfolgreich zu sein, muss sich der Spieler in der realen Welt bewegen.

„Wir sind extra aus Colnrade gekommen, um in Wildeshausen Pokémons zu fangen“, erklärte eine Gruppe junger Leute, die am Sonnabendvormittag mit konzentrierten Blicken gen Smartphone immer wieder zwischen Marktplatz und Musikschule hin und her spazierte.

„In Colnrade laufen zwar auch einige Pokémons herum, aber der WLAN-Empfang ist zu schlecht, um sie fangen zu können“, erläuterte Phuong Nguyen, die mit Jörg Schliehe-Diecks am selben Vormittag auch schon in Harpstedt auf Monsterjagd gewesen war.

„Fünf Pokéstops gibt es da – gar nicht schlecht für so ein kleines Dorf“, resümierte der 30-Jährige. Er und auch die 24-jährige Nguyen zählen sich schon zur „älteren“ Generation der Pokémon-Spieler. „Für uns ist das gerade ganz revivalmäßig. Als wir so 14 und 15 Jahre alt waren, haben wir schon die alte Pokémon-Version gespielt“, meinte der 28-jährige Colnrader Philipp Michaels, der in Wildeshausen zufällig zu den Freunden dazu stieß.

„Durch das neue Spiel lernt man aber auch total schnell viele Leute kennen“, berichtete Nguyen. So gesellte sich bald auch ein 17-jähriger Wildeshauser zu der Gruppe dazu. Dann kam ein Spielerkollege aus Richtung Marktplatz auf die Gruppe zu. „Bei Zorbas hält sich ein seltenes Vulpix auf“, gab er den Teamkollegen einen Tipp. Sofort setzte sich alles in diese Richtung in Bewegung.

„Man muss schon viel laufen. Gut ist, wenn man sich an einem Ort aufhält, von dem aus mehrere Pokéstops gleichzeitig zu erreichen sind – so wie an der Musikschule“, erklärte Nguyen. Besonders viele Kilometer gelte es gutzumachen, wenn man ein „legendäres“ Pokémon ausbrüten wolle: Ein solches Ei schlüpfe erst nach zehn Kilometern Fußstrecke. „Ab einer Geschwindigkeit von mehr als zehn Stundenkilometern wird das Ausbrüten leider automatisch gestoppt“, bedauerte Nguyen schmunzelnd, dass das „Schummeln“ per Fahrrad oder Auto somit nicht möglich sei.

„Natürlich verbindet man das Spiel dann mit dem Alltagsablauf – so wie wir es heute mit dem Einkaufen verbunden haben“, meinte Nguyen. So sind die Freunde dank Pokémon nach Erledigung der Besorgungen eben noch etwas länger gemeinsam in der Stadt. Auch zwei Freunde aus Hannover, die gerade zu Besuch in Colnrade sind, beteiligen sich an der Monsterjagd.

Generell lockt das Spiel die Teilnehmer jedoch eher in die Großstädte. Dort sind mehr Pokémons zu finden. „Vielleicht fahren wir morgen nach Bremen oder Oldenburg“, überlegten die Colnrader bereits, während eine ältere Autofahrerin kopfschüttelnd an den auf ihre Smartphones konzentrierten jungen Leuten vorbeifuhr. „Früher haben sich alle beschwert, dass man drinnen sitzt und spielt. Jetzt gehen alle raus – und einige beschweren sich immer noch“, meinte Schliehe-Diecks.

Ebenso wie die Colnrader verband das Visbeker Ehepaar Nicole und Markus Lange den Wochenend-Einkauf mit dem Spiel. „Wir zocken hier unsere Akkus leer und fahren dann nach Hause“, verrieten sie. Auch Jana Theuser (16) aus Wildeshausen und Fynn Otten (18) aus Hockensberg nutzten den Fußweg vom Gildeparkplatz bis zu Schnittker für eine schnelle Monsterjagd.

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