1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Oldenburg
  4. Wildeshausen

Versammlungen gegen und für Corona-Maßnahmen in Wildeshausen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Dierk Rohdenburg

Kommentare

Spaziergang durch Wildeshausen: Knapp 80 Personen protestierten gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen.
Spaziergang durch Wildeshausen: Knapp 80 Personen protestierten gegen die aktuellen Corona-Maßnah © dr

Wildeshausen – Auf dem Wildeshauser Marktplatz hieß es am Montag ab 18 Uhr „Nachdenken statt Querdenken“. Wenige Meter weiter versammelten sich am Brunnen vor der Volksbank zumeist Wildeshauser Bürger unter dem Slogan „Spaziergang für Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie“.

Erstmals erlebte die Kreisstadt zwei angemeldete zeitgleiche Veranstaltungen zu den Corona-Maßnahmen. Während sich vor dem Rathaus rund 80 Bürger zu einer „Menschenkette der Solidarität“ und der Beachtung der Corona-Regeln zusammenschlossen, wollten von der Volksbank aus knapp 80 „Spaziergänger“ darauf aufmerksam machen, dass sie diese Regeln für maßlos übertrieben halten. „Lasst unsere Kinder atmen“ hieß es auf Transparenten oder „Wir sind bunt und nicht braun“.

Nach Auskunft eines der Organisatoren, Andre Spalthoff, hatten sich einige Wildeshauser im Vorfeld zusammengefunden, um ihre Interessen zu formulieren. Der Zug bewegte sich dann mit 50 Personen, begleitet von der Polizei, durch die Innenstadt. Als die Gruppe zum Brunnen zurückkehrte, waren knapp 80 Menschen dabei. „Die Aktion soll nicht einmalig bleiben“, kündigte Spalthoff an. Man wolle mit Passanten ins Gespräch kommen. Einen zweiten Marsch durch die Innenstadt untersagte die Polizei, weil nicht genügend Einsatzkräfte für eine Begleitung zur Verfügung standen.

Bürgermeister Wolfgang Däubler gegen Querdenken

Unterdessen mahnte auf dem Marktplatz der stellvertretende Bürgermeister Wolfgang Däubler: „Wir wehren uns gegen alles, was mit Querdenken zu tun hat, insbesondere gegen Ausgrenzung. Damit dient man nicht der Demokratie. Kämpfen Sie mit gegen den Rechtsextremismus.“

Menschenkette auf dem Markplatz mit rund 80 Personen.
Menschenkette auf dem Markplatz mit rund 80 Personen. © dr

SPD-Kreistagsabgeordneter Thore Güldner bedankte sich bei den vielen Menschen, die gekommen waren. Er gab zu, dass die Politik in der Pandemie auch Fehler gemacht habe. „Wir dürfen das kritisieren. Sachlich und auf dem Fundament unseres Grundgesetzes braucht Politik diese Kritik.“ Aber das Verzeihen habe klare Grenzen, so Güldner. „Wenn Rechtsextreme, Schwurbler, Corona-Leugner und andere Radikale auf ihren sogenannten Spaziergängen bewusst versuchen, den Rechtsstaat und die Spielregeln zu umgehen, Polizisten angreifen, sich als Opfer inszenieren und dabei beispielsweise durch das Tragen eines gelben Sterns die Opfer des Holocausts bewusst verunglimpfen, dann ist eine klare Grenze erreicht. Das ist unverzeihlich.“ Güldner betonte: „Wir sind die Vernünftigen. Die, die sich an die Coronaregeln halten, die sich impfen lassen und Tag für Tag Solidarität beweisen. Wir sind die Mehrheit.“

Beifall nach der Menschenkette

Ralf Beduhn von der Initiative „Mit Courage gegen Rechts“ sprach von Verschwörungstheorien gegen Juden, „wie wir sie im Kern aktuell auch in der sogenannten Querdenkerszzene antreffen“. Zwar sei nicht mehr wie bei den Nazis vom Abwehrkampf gegen den „jüdischen Bolschewismus“ die Rede, sehr wohl aber von der „jüdischen Weltverschwörung“. So behaupte man nicht mehr, die Juden würden die Brunnen vergiften, sehr wohl aber spreche man davon, der Coronavirus wäre von einer einflussreichen jüdischen Clique in die Welt gesetzt worden, um die Herrschaft zu gewinnen. Einen wachsenden Anteil an der Verbreitung irrationaler und verschwörungstheoretischer Thesen habe die AfD, die sich in Richtung neue NPD radikalisiere – allerdings im Nadelstreifenanzug, so Beduhn.

Während die „Spaziergänger“ zum Brunnen zurückkehrten, bildeten die Bürger auf dem Marktplatz eine Menschenkette, die mit Beifall beendet wurde. Vom Brunnen antworteten Trillerpfeifen. Verstöße gegen die Auflagen der Polizei gab es auf beiden Seiten nicht.

Auch interessant

Kommentare